Brennerpass: Bundesliga 2011/2012 (1)

Spieltag 1: Endstand

Sehr aufschlussreich, der erste Spieltag. Dortmund wird Meister, Bayern schafft’s grade noch in die Europaliga. Hertha und Köln steigen ab. Marco Reuss spielt nächstes Jahr in München und Manuel Neuer wird nicht mehr Fußballer des Jahres.

FC Bayern – M’gladbach 0:1 (0:0)
Selbes Bild wie Anfang letzter Saison: Der Gegner steht hinten drin, verteidigt geschlossen und kontert motiviert, weil es geht ja gegen Bayern. Bayern fehlen die Ideen in der Offensive und die Sicherheit in der Defensive. Aber immerhin kommt der Trainer gut beim Präsidium an. Gladbach war am Ende sogar die bessere Mannschaft, weil sie eine Vision (wenn auch eine hässliche) von diesem Spiel hatten und die auch durchgesetzt haben. Jetzt noch ein Tipp an Kommentator Fritz von Thurn und Taxis: Die Steigerung von „einen Spieler doppeln“ ist nicht „einen Spieler dritteln“.

Dortmund – HSV 3:1 (2:0)
Hamburg hat in der ersten Hälfte nach einer Art Free-Jazz-System gespielt und es den Dortmundern damit auch ein bisschen zu einfach gemacht. Trotzdem muss ich sagen, dass ich jetzt ernsthaft Angst vorm BVB habe, vor allem vor Götze. Den könnte man echt zu Barca neben Kurzpassprofessor Xavi stellen und er würde nicht negativ auffallen. Man kann echt nur hoffen, dass die Dortmunder in der Championsleague und im Pokal nicht zu früh Federn lassen müssen, sonst konzentieren die sich wieder nur voll auf die Liga und dann kann sich der FC Bayern wieder ganz auf die Championsleague-Quali konzentrieren.

Hertha BSC – Nürnberg 0:0 (0:1)
Ich hab dem Babbel ja den Aufstieg von Herzen gegönnt, aber wenn Hertha so weiter spielt wie sie am Samstag angefangen haben, dann können sie von mir aus gleich wieder absteigen. Nix gegen Ottl, aber als Motor des Spiels eine Fehlbesetzung vom Kaliber Steve Martin als Inspector Clouseau. Vor Angst in die Hose geschissen und dazu noch lustlos und unfair. Als ich vor vielen Jahren kurz vor meinem Umzug von Bayern nach Berlin stand, hab ich mich gefragt, ob ich dann auch ein kleines bisschen Hertha-Fan sein würde. Was war ich für ein Narr.

Bremen – K’lautern 2:0 (0:0)
Ich gebe zu, ich habe Bremen unterschätzt. Gestern habe ich noch gerätselt, wer’s wohl im Sturm bringt, weil Pizarro ja immer noch verletzt ist und Arnautovic vollkommen zurecht in Ungnade gefallen ist. Die Antwort hätte mir schon das verkorkste Pokalfinale geben können: Rosenberg ist zurück und scheint nie weg gewesen zu sein. Und die Überraschung schlechthin bei Werder: die Defensive war funktionabel, trotz der langen Verletzung von Mertesacker und dem neuen Griechen mit dem längsten Namen der Welt (schlagt’s selbst nach). Lautern war ein bisschen zaghaft, aber auch nicht wirklich schlecht. Ärgerlich für Helldriver-Sippel-Nachfolger Trapp, dass er mit einer Kurzzeit-Umnachtung vermutlich das Spiel entschieden hat.

Stuttgart – Schalke 04 3:0 (1:0)
Raul als Mittelfeldstratege ist eine Schnapsidee wie sie so nur von einem Egomanen wie Rangnick kommen kann. Ansonsten kann man Schalke wenig vorwerfen. Der VfB war im neuen Stadion der sprichwörtliche Chef auf dem Platz. Ich hab ja neulich den Cacau beim Perfekten Promi-Dinner aus Stuttgart (Widerspruch in sich, denn welcher Promi wohnt freiwillig in Stuttgart) gesehen und das ist ein bescheidener und charmanter Mensch, dem sei das 1:0 herzlich gegönnt. Grandios auch der Trendjapaner Okazaki. Und das muss man sich mal vor Augen führen: in der Rückrunde der letzten Saison war Stuttgart nach Dortmund die zweitbeste Mannschaft. Und das trifft auch auf diesen ersten Spieltag zu. Schalkes Torwart Fährmann hat übrigens keine Schuld an der Niederlage, der ist bisher der beste Neuer-Nachfolger, den es in der Liga gibt.

Hannover – Hoffenheim 2:1 (2:1)
Da hat der Kinhöfer den Hoffenheimern quasi die Niederlage eingebrockt. Während sich die Freistoßmauer noch in der Grundsteinlegung befindet und TSG-Torwart Starke noch seine Mails auf dem iPhone abruft, schießt Schlaudraff das 1:0. Schiri-Guru Markus Merk hat es einen Management-Fehler von Kinhöfer genannt, Kinhöfer hat sinngemäß gesagt: „Halt’s Maul, Merk.“ Hannover und den ewig lustigen Kumpeltyp Slomka hab ich übrigens bislang als meine Hassmannschaft in dieser Saison ausgemacht. 96-Fanboy Oliver Pochers Dauerpräsenz auf Sky trägt entscheidend dazu bei. Und schon lustig, dass ich Hoffenheim gleich irgendwie sympathischer finde, seit der Stanislawski dort seine finstere Miene auf der Bank runzelt.

Augsburg – Freiburg 2:2 (0:0)
Hut ab vor Augsburg. Thurk weggemobbt, Rafael verletzt und Traore bei Stuttgart, und trotzdem zwei Rückstände gegen offensive Freiburger wettgemacht. Dieser Mölders hat mich beeindruckt.

Köln – Wolfsburg 0:3 (0:1)
Für den Norweger seh ich jetzt schon schwarz. Aber was müssen die Kölner auch wieder so einen Taktik-Feingeist holen. Das ist Köln, das ist ballästhetische Diaspora und nicht Barcelona (und auch nicht Seattle, Dirk). Podolski war zudem extrem unwillig und Neukapitän Geromel überfordert. Magaths Truppe hat das Beste aus dem Unvermögen der Kölner gemacht und schwuppdiwupp steht der erste Abstiegskandidat fest. Schön auch, dass der Schiri vergessen hatte, dass Novakovic schon Gelb hatte und deshalb von seinem eigenen Platzverweis wegen Novakovics Schwalbe überrascht wurde.

Mainz 05 – Leverkusen 2:0 (1:0)
Leverkusen hat ein Torwartproblem. Nach der wackeligen Vorstellung von Yelldell im Pokal, patzt jetzt Giefer zum 1:0 für die Mainzer. Die wiederum fahren alles auf, was sie in den UEFA-Playoffs gegen das rumänische Kaff zuhause gelassen haben, und führen dank Risse und Allagui verdient mit 1:0. Letzterer ist sowieso ein Teufelskerl, ich erinnere nur an das Tor mit der Hacke gegen Bayern in der Vorsaison. Und Ballack? Dessen Devise ist Auswechselbank’s not dead. Und dann noch das Eigentor und der Mainzer Fehlstart ist beendet und der Leverkusener in voller Fahrt. Übrigens: Tuchel flog ja fast wieder übers Kuckucksnest in der Coaching Zone. Unfassbar, was der Mann für einen Emo-Marathon in 90 Minuten runterreisst.

20 comments / Add your comment below

  1. Oje, oje, äitz gäids schou wieda min Oasch af d Bisch zou.
    Das kommt davon, wenn man bei der Vorschau den Glubb ignoriert.

  2. Schön war’s im neuen Stadion der Mainzer. Absolut verdient gewonnen. Wenn die Mainzer weiterhin so engagiert spielen, haben sie – egal wie’s ausgeht – immer die Sympathie der Fans. Und eigentlich dachte jeder, andersrum würde es kommen und die Leverkusener würden zeigen, warum sie Vizemeister sind. Als beschimpfter Abstiegskandidat spielt es sich einfach unbeschwerter auf. Mainz 05, Hauptsache Klassenerhalt und alles andere wäre wieder eine schöne Dreingabe. – Übrigens St. Burnster, der Blog ist echt super unterhaltsam!!!

  3. Simmerl: Zunächst mal danke fürs Kompliment. Mich hat das Spiel der Mainzer wirklich erfreut, zumal ich sie ob des Euro-Disasters schon absacken gesehen habe. Aber was Risse, Allagui, Ivanschitz und Co immer noch auf die Beine stellen, trägt eindeutig die Handschrift vom Tuchel und das lässt die Abgänge Holtby, Schürrle und Fuchs verkraften.

    Dr. G: Und fast verdient muss man sagen. Nach dem BVB die beste Mannschaft des Wochenendes. Wie schon in der Rückrunde.

  4. Da fällt mir nix mehr ein, außer daß ich gestern auf der Autobahn einen Audi mit Kennzeichen F-CB gesehen hab und mich dauernd gefragt hab, ob der vielleicht eine kleine Bayern-Affinität hat. Nach dem Spiel ist wahrscheinlich heute beim Ummelden.

  5. Der Frankfurter soll entweder nach Stuttgart ziehen und S-GE bestellen oder wenigstens einen BMW kaufen!
    (Geile Bandenwerbung übrigens.)

  6. Was ist mit Frankfurt in Liga 2? Ich warte auf deinen Gastkommentar diesbezüglich. Kann mich doch nicht um alles kümmern, hab ja schon einen wütenden Glubbara-Mob aufm Hals;)

  7. Gerade hat der Hans Meyer bei Blickpunkt Sport im BR gesagt, der Glubb habe dieses Jahr die Rolle, die St. Pauli letztes Jahr hatte – der Verein besitze nämlich die am schlechtesten ausgestatteten Mannschaft. Von mir aus kann Franken ruhig weitergewinnen mit der angeblich schlechtesten Mannschaft, Herr Meyer. Soviel zum Glubb.
    Die teuerste Mannschaft ist auch in der 2. Liga keine Qualitätssiegel. Frankfurt präsentierte sich gegen die andere Eintracht als kollektiver Chancentod. Auch wenn der Schiri Gekas ein Tor geklaut hat, kanalisiert das nicht den Ärger über die vielen verpassten Chancen. Da nimmt sogar ein 3:0 Sieg nicht die Angst vor der Zukunft. Andererseits sind die verpassten Chancen wahrscheinlich auch ein Grund, die Mannschaft zu lieben. Manchmal krepieren wir doch alle an verpassten Chancen.

  8. Rationaldribbler: Nur dieses Mal. Normalerweise schau ich nur das Bayern-Spiel live und das Freitagsspiel oder ein Sonntagsspiel so nebenbei. Den Rest in den Zusammenfassungen. Dann noch den Sport1-Stammtisch, manchmal das aktuelle Sportstudio und evtl. Sky90. Sportschau schon seit über einem Jahr nicht mehr. Ehefrau ist aber auch ob dieses geringen Pensums not amused.

    MQ: Ganz hervorragend. Mehr davon nächste Woche!

  9. Schön, dass Hannover jetzt nicht mehr nur ignoriert wird. Hass muss man sich schließlich erarbeiten. Ich hoffe mal, dass nach den Sevilla-Spielen vielleicht sogar Sympathie von hier und da dazu kommt.

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