Brennerpass: Bundesliga 2011/2012 (4)

Spieltag 4: Nachgespuckt

Weils ja grade en vogue ist, will ich auch mal schnell nachtreten. Und zwar nach dem Effenberg. Seit Monaten muss ich mir jetzt seine Spezialistenratschläge zum Thema Führungsspieler auf Sky anhören, weil er dort ja als sogenannter Experte angestellt ist. Und je mehr dieser Mann erzählt, desto mehr entkräftet er seine eigene Legende als Führungsspieler und entpuppt sich als Kindskopf und Lautsprecher. Lange Rede, kurzer Sinn: halt’s Maul!

Leverkusen – Dortmund 0:0 (0:0)
Ich war erstaunt, wie dominant Leverkusen in der ersten Halbzeit war. Dortmund hat außer im Hamburg-Spiel noch nicht die Raffinesse der letzten Saison gezeigt, sich aber in dem Spiel keineswegs den Schneid abkaufen lassen. Grundsätzlich ein Spiel auf technisch hohem Niveau, aber in der ersten Halbzeit etwas seelenlos. Die zwei roten Karten für Kadlec und Götze (will wohl auch durch Nachtreten und Nachspucken Ecken und Kanten beweisen) in der zweiten Halbzeit haben deutlich Schwung ins Spiel gebracht. Der größte Spaß war dann das Dortmunder Tor in Abwesenheit vom Schiri Stark. Übrigens hätte es auch noch Hummels mit Rot erwischen müssen, oder? Schürrle ist stark, mannomann, und Klopp hat im Interview nach dem Spiel fast Ecki Häuser ermordet. Wütender war an dem Spieltag nur Favre (siehe unten). Befremdlich auch, dass nach so einem Massaker der Stark genau 55 Sekunden nachspielen lässt. Wenn ich Ballack wäre, würde ich nach Wolfsburg gehen und vorher noch dem Dutt eine aufs Maul hauen.

Kaiserslautern – FC Bayern 0:3 (0:1)
Der Hunter S. Thompson der Bundesliga, Phillip Lahm, war sichtlich bemüht, seinen ramponierten Ruf durch ein Tor wieder etwas zurecht zu rücken, aber es hat nicht sollen sein. Nicht sollen sein hat auch wieder mal die Anwesenheit von Robben, dessen Fußballerkrankenakte mittlerweile dreimal so lang wie das Buch von Philipp Lahm sein dürfte. Dennoch war Bayern defensiv stabil und effektiv, wenn auch nicht gerade aus dem Zauberlehrbuch. Schweinsteiger spielt zum ersten Mal seit einem halben Jahr auf wieder auf internationalem Niveau, Ribery tanzt wie der junge Michael Flatley, nur Neuer schnitzt sich noch sein eigenes Grab mit diesem riskanten Spiel ausserhalb des Sechzehners. Der Müller bewegt sich dermaßen unkonventionell und geht regelrechte Irrwege im Strafraum, man kann ihn nur noch Wurschtlmüller nennen. Gottseidank verwirrt er damit selbst die eingespielteste Abwehr und damit meine ich nicht die vom FCK. Die war nämlich mehr Zuschauer als Beteiligter bei den Schlüsselszenen des Spiels. Lediglich Rodnei agierte und das gleich zweimal dermaßen deppert, dass Gomez u.a. als doppelter Elfmeterschütze zurück an die Spitze der Torjägertabelle kehren kann.

Freiburg – Wolfsburg 3:0 (2:0)
Au weia, Herr Magath. Selber Schlamassel wie letztes Jahr bei Schalke. Mannschaft komplett umgebrochen, aber schon mitten in der Saison. Die Summe der einzelnen Teile ist leider noch keine Fußballmannschaft und deshalb gewinnt Freiburg verdient und mit einer Beherztheit, die ich ihnen nach den ersten drei Spieltagen gar nicht mehr zugetraut habe. Wolfsburg hätte allerdings noch einen Elfmeter wegen dem Foul von Barth an Lakic verdient.

Hoffenheim – Bremen 1:2 (1:1)
Starkes, konzentriertes Spiel von Bremen gegen fast ebenbürtige Hoffenheimer. Sieht so aus, als würde sich Werder schon dieses Jahr wieder fangen, obwohl ihnen Hans Meyer eine Zwei-Jahres-Krise vorausgesagt hat.

Nürnberg – Augsburg 1:0 (0:0)
Der Club souverän gegen gar nicht so schlechte Augsburger. Der neue Star Peckhart diesmal ohne Tor, aber mit der entscheidenden Vorbereitung.

HSV – Köln 3:4 (1:1)
Ich muss meinen Spott für den HSV nach diesem Spiel ein bisschen zurücknehmen, denn die Mannschaft war deutlich motivierter als bisher. Man hat den Kölnern aber angemerkt, dass Trainer und Mannschaft ein System fürs Zusammenleben gefunden haben. Sogar der jüngst kränkelnde und melancholische Poldinho hat gebrannt und zusammen mit Novakovic das meiner Meinung nach entscheidende Tor erzielt. Die Megaschwalbe von Aogo war starker Tobak und Drobny sah beim 3:4 aus wie Manuel Neuer. Oenning wirkte ratlos, aber ich hab ihn ja noch nie anders gesehen.

Hannover – Mainz 1:1 (1:1)
Geht absolut okay, das Unentschieden. Vor allem, wenn man Bayern-Fan ist. Allagui schlägt gleich nach 70 Sekunden ein, aber dann macht Mainz den Sack nicht zu. Abdelaue schmeißt noch ein Gegentor in den offenen Sack und damit haben sich die etwas von dem Sevilla-Spiel angeschlagenen Hannoveraner gut aus der Affäre gezogen.

Schalke – Gladbach 1:0 (0:0)
Die Schalker Wundertüte mag besser gewesen sein, aber Gladbach hat auf die vier Spieltage gesehen bisher die beste Leistung in der Liga gebracht. Das System Rangnick habe ich weder heute, noch nach dem 6:1 gegen Helsinki begriffen. Rangnick hat dafür hoffentlich begriffen, dass Raul neben Höwedes und Farfan der beste Schalker ist. Mein Highlight des Spiels war allerdings der Wutanfall Favres gegen Baumjohann. Da hat’s geblitz und gedonnert im Gemüt des Schweizers.

Hertha – Stuttgart 1:0 (0:0)
In den Berliner Schmierblättern brach am Donnerstag noch ein Sturm der Entrüstung los, weil Babbel behauptet hatte, der Berliner an sich reisst das Maul auf, ist aber in Wirklichkeit stinkfaul. Gut, er hats nicht ganz so gesagt, aber sicher so gemeint. Immerhin hat er als Oberbayer Worten Taten folgen lassen und neuerdings verunsicherte Stuttgarter aus dem Olympiastadion geschossen und das war immerhin der erste Heimsieg seit 300 Jahren, wenn ich das richtig nachgeschlagen habe. Ein schönes Spiel ist trotzdem was anderes.

5 comments / Add your comment below

  1. Bisaz: dreimal den Pokal der Landesmeister im Gscheit-daherreden gewonnen.

    MC: Mir tut er leid, aber er ist nicht der Richtige für euch. Fachlich okay, aber das reicht nicht in der Krise. Ihr braucht einen Motivationsgott, ihr braucht Daum! ;))

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