Brennerpass: Champions League 2011/2012 (2)

Ich halte das Gerede von Bayern als Mitfavorit auf den diesjährigen Titel für eine Ejaculatio praecox. Es gibt mit Barcelona, Manchester und Real Madrid auf dem Papier drei deutlich stärkere Mannschaften. Allerdings spielt Bayern derzeit auf seinem höchsten Niveau seit dem Ende der ersten Van-Gaal-Saison und durch die schwere Gruppe (Neapel hat gestern aufgedreht, du lieber Harry!) bleibt die Mannschaft herausgefordert und kann sich verbessern. Erst zum Zeitpunkt des Achtel- oder Viertelfinales könnte sie dann tatsächlich der erhoffte Mitfavorit auf den Ohrenpokal in der heimischen Arena sein, so die Formkurve ansteigt. Gegen ManCity haben die Bayern in der ersten halben Stunde erkennen müssen, dass ihre Bundesliga-Dominanz kein Gütesiegel in der Champions-League ist. Da es sich um Fußballspieler und keine Schnellspanner handelt, hat es eine halbe Stunde gedauert, bis die Erkenntnis angekommen ist, aber dann fand eine Evolution in Spiel- und Selbstbewusstsein statt. Und diese Fähigkeit zur Evolution innerhalb ein und desselben Spiels ist die Stärke der Mannschaft und ihres superrüstigen Trainers, der auf seine alten Tage den Fußball einheitlicher interpretiert als je zuvor. Fuck Konzeptfußball, übrigens.

Die Idioten des Spieltags sind natürlich Manchester City. Wenn man ein Ensemble mit 11 überteuerten Sonderbehandelten auf dem Platz hat, ist man als Trainer natürlich ein besserer Kindergärtner. Aber den Spielen in der Premier League und der ersten Halbzeit gestern nach, hatte Roberto Mancini scheinbar einen Weg gefunden, den Wust an Einzeltalenten in ein System hinein zu entwirren. Dass er am Ende auswechselt wie ein Betrunkener und ihm sein Lieblingsspieler Tevez die Gefolgschaft verweigert, ist eine tragische Selbstdemontage des Vereins, wie ich sie selten gesehen habe. Helden des Tages sind übrigens Torsten Finks Basel-Boys, die ManU aufgegeigt haben, als gäbe es kein Morgen.

2 comments / Add your comment below

  1. da erlebte Manchester -als Fußballstadt gesehen- sozusagen sein Waterloo. Merke: Geld schießt keine Tore! Sollen sie halt ein paar Klinsmanngedächtnistonnen zur Frustbewältigung aufstellen…

  2. stt: Na ja, auf die Premier League gemünzt, schießt Geld sehr wohl Tore. Immerhin sind die punktgleich mit ManU. ManCity hat uns bayerische Kleinkrämerseelen, uns 25Mio-pro-Spieler-Peanuts-Schubser auch ein bisschen unterschätzt, glaub ich. Gedächtnistonnen, haha, der ist gut.

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