Brennerpass: Bundesliga 2011/2012 (10)

Spieltag 10: Umschalt- vs. Abschaltspiel

Dortmund – Köln 5:0 (3:0)
In vielerlei Hinsicht das reinste Ärgernis. Zum einen natürlich, weil Köln mal wieder kilometerweit übers Kuckucksnest geflogen ist mit der Leistung am Samstag. Selten habe ich einen Bundesligisten so schizophren spielen sehen wie den FC. Zu behaupten, die Abwehr habe den Dienst versagt, wäre der reinste Euphemismus. Die Abwehr hat ihren Dienst nie angetreten, sie war schlicht nicht bei der Arbeit. Wäre es bei dem Spiel um einen Pokal gegangen, hätte man Schiebung vermuten müssen. Aber den BVB lass ich auch nicht ungeschoren davonkommen. Was sollte denn der erneut amateurhafte Auftritt gegen Piräus, nur um dann in der Liga den großen Ballermann raushängen zu lassen? Freunde des gelben Trikots, wenn ihr die jungen wilden Macker mit den Zaubertricks sein wollt, sei euch das von Herzen gegönnt, aber von hohen Pässen und fantasievollen Ballannahmen in der Liga gegen spielverweigernde Gegner wie Köln hat der deutsche Fußball deutlich weniger als von einem souveränen Auftritt in der Champions League. Ich mag reaktionär klingen, aber ich will, dass der deutsche Vereinsfußball international gut dasteht. So, jetzt ist sie raus, meine Hausmeistermeinung.

Hannover – FC Bayern 2:1 (1:0)
Die Menschmaschine Hannover hat verdient gewonnen. Das war Reissbrettfußball, bei dem’s mir kalt über den Rücken läuft. Klar haben sie von der grotesken Tölpelei von Lahm profitiert, aber solche Situationen haben sie ja am Fließband erzwungen. „Umschaltspiel“ ist jetzt schon das Unwort der Saison, aber es ist ein höllisch effektives. Über das Rudelfoul ist schwer zu urteilen. Pinto hat definitiv eine gute Schau abgeliefert und der Scherom seine Aggro-Berlin-Wurzeln gepflegt. Ich habe ebenbürtige Schubser von Schulz und Kroos gesehen – wäre ja dann dreimal Rot. Schuld an der Schuldzuweisung war laut Heynckes der blasierte 4. Offizielle, aber das blasiert, das hab ich gesagt. Letztlich war bei einem durchaus engagierten Spiel der Bayern viel Pech dabei, aber die leidige Chancenverwertung (Ich schau dich an, Mario Gomez) hat sie jetzt die Spiele gegen Gladbach, Hoffenheim, Neapel und Hannover gekostet. Ein bereits mehrmals prognostiziertes Abonnement auf Platz 1 bis zum Saisonende wird das nicht, sag ich, aber auch nicht der Beginn einer Krise. Ja, und ich ärger mich schon, gegen die superjovialen Ligastreber verloren zu haben.

Leverkusen – Schalke 0:1 (0:0)
Zerhacktes Spiel, aber durchaus spannend. Das Tor von Ballack hätte zählen müssen und über passives Abseits haben wir uns alle ja schon genug ausgelassen. Ballack spielt gut, besser als Rolfes, und das hat jetzt auch die ewig beleidigte Leverwurst Dutt kapiert. Das Tor von Farfan mag einem Foul zugrunde liegen, aber wie er einfach mal in drei Sekunden das gesamte Feld abgelaufen ist, erinnert an frühe Versionen von Pro Evolution Soccer auf der PS2. Schalke-Keeper Unnerstall, dem das Damokleshaarband von Hildebrand über dem Kopf flattert, hält ausgezeichnet und sagt einen schönen Satz auf die Frage nach dem Konkurrenzkampf: „Ich komm aus dem Nichts und hab also auch nichts zu verlieren.“ Damit ein weiterer sympathischer Mensch bei der humanistischsten Schalke-Mannschaft aller Zeiten. Ich bin geneigt, diesen Verein vorübergehend zu mögen, und das ist ein Novum in meiner persönlichen Menschheitsgeschichte.

HSV – Wolfsburg 1:1 (0:1)
Blitztor von Mandzukic durch pittoreske Bananenflanke von Ochs. Danach hat nur noch Hamburg gespielt und ob das schon die Handschrift von Fink war, kann uns wohl nur Der Große Rodolfo™ sagen, aber der war ja nicht mehr da. Bemerkenswert allerdings die an Tollwut erinnernde Euphorie mit der der Fink seinen Sportdirektor angefallen hat. Der muss ihm ja irre dankbar sein, dass er ihn aus dem Wohlstandsghetto Basel herausgeholt hat. Aber vielleicht hat’s auch einfach nur gefinkt zwischen den beiden. Mann des Spiels war Schiedsrichter Perl, der trotz der hitzigen Halbstarken-Atmo auf dem Platz mehr Ruhe behielt als der Dalai Lama beim letzten Telefonat mit der Chinesischen Staatsregierung. Spontane Selbstverbrennungen muss es bei Wolfsburg aber auch nicht geben, mehr als ein Punkt war hier nie drin. Ich wollte unbedingt noch einen Dialog der Kommenatoren Kai Dittmann und Stefan Effenberg zum Besten geben. Thema war der gedeckte oder eben ungedeckte Pfosten bei einer Ecke. Enjoy, wie Jürgen K. sagen würde:

Effe: Wenn man beide Pfosten abdeckt, verhindert man pro Saison fünf Gegentore.
Dittmann: Hast du da Zahlen vorliegen oder ist das ein Gefühl?
Effe: Das hat der Ottmar Hitzfeld mal gesagt.

Nürnberg – Stuttgart 2:2 (1:0)
Der Club kann grade nicht gewinnen und Stuttgart weigert sich zu verlieren, das ist schon der zweite Auswärtsrückstand, den sie in den letzten Wochen gedreht haben.

Hertha BSC – Mainz 05 0:0 (0:0)
Grauenvoll.

Hoffenheim – M’gladbach 1:0 (0:0)
Er steckt eben doch in Favres Fußballphilosophie, der dröge Ergebnisfußball, auch wenn ihm Leute wie Reus das auszutreiben versuchen. Hoffenheim hat sich das langweilige Spiel stellenweise aufzwingen lassen, aber Ibisevic hatte irgendwann die Schnauze voll.

K’lautern – Freiburg 1:0 (0:0)
Ich hab mich am Samstag abgehetzt, um rechtzeitig vom Müggelsee zur zweiten Halbzeit zu Hause zu sein. Hätte ich gewusst, was mich in der Liga erwartet, ich wäre dem Fernseher an diesem sonnigen Samstagnachmittag fern geblieben. Das war eins der Spiele, die es nicht wert waren, auch nur den Fernseher einzuschalten. Ich glaube, Freiburgs einzige Chance auf den Klassenerhalt ist, wenn Sorg sich seinen Nackenspoiler endlich abmontiert. Bei dem Anblick die ganze Woche lang, könnte ich auch nicht die Klappe, äh, Klasse halten.

Augsburg – Bremen 1:1 (0:0)
Das muss man den Augsburgern lassen, da haben sie aus Scheiße tatsächlich Gold gemacht. Wobei man das eher so formulieren muss: Bremen hat aus Gold Scheiße gemacht, wenn man sich die Chancen ansieht.

BRENNERPASS-TIPPSPIEL:
Buzz, der Nihilist, hat als einziger eine Niederlage der Bayern getippt und stößt damit auf Platz zwei hinter dem unangefochtenen Eikman vor. Mein Saisonziel ist ein Platz vor Mequito, ohne dass das persönliche Gründe hätte, aber man braucht ja ein Ziel im Leben. Noch bin ich ihm auf den Fersen. Die besten Tipper des Spieltages neben Buzz waren vbernd und stt.

Als Saisonendpreis gibt’s auf jeden Fall ein Exemplar vom besten Fußballroman aller Zeiten zu gewinnen: David Peace – Damned United. Wer sich also jetzt schon in der Tipptabelle abschreibt, kann sich’s gerne kaufen, der Rest wartet bitte noch sieben Monate.

Die Tipptabelle für den aktuellen Spieltag
Die Tipptabelle in der Gesamtübersicht

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11 comments / Add your comment below

  1. was ne Saison! Mein SC lässt wenig Grund zum hoffen, meine FIFA12 Partien sind peinlich als würd ich die Sportschau gucken und meine Tipps reihen sich nahtlos ein.

  2. Mein Kommentar zum Tipp-Spiel: Bonjour tristesse und Chapeau Eikmann.
    Zum Spieltag: also wenn Boateng vom Platz fliegt, dann muss er Schulz auch runter stellen. HSV versteh ich nicht, genauso wie Bremen. Dortmund hat mich überrascht.
    Dein Effe-Dialog ist grandios!

  3. Mek: Und noch nicht einmal zu tief!

    Buzz: Es sei dir trotz deiner verwegenen und sogar noch zutreffenden Prognosen herzlich vergönnt.

    MCWinkel: Man darf halt in so einer frischen Beziehung nicht den Verschleiß an Ex-Freunden anschauen.

    Dirk: Mann, FIFA. Ich hab das spielen fast wieder eingestellt. Die neue Defensive hat mich aussehen lassen wie die Kölner am Samstag, also hab ich auf die alte umgestellt. Jetzt schieß ich aber leider noch längst keine Tore. Klar, man kann jetzt den CPU feinjustieren, aber jedes Jahr ein kompletter Neuanfang, das muss doch nicht sein. Also ich rück immer mehr ab von der Marke.

    sheepshaggers: Jetzt darf ich nicht lachen, oder? Aber der war gut.

    Juri: Grad nochmal gesehen, die Sache mit Boateng. Kompletter Nonsens. Aber der Sieg für H96 geht trotzdem in Ordnung. Der Effenberg ist echt immer für ein paar hanebüchene Sprüche gut, wenn er mitkommentiert. Ich schreib nur zu selten mit.

  4. Zur Konferenz am Samstag kann ich nur sagen, dass die erste Halbzeit (trotz der Tore in Dortmund) saulangweilig war. Für die zweiten 45 min war dann das Wetter zu gut.

  5. Ach, ein ’n‘ im Namen reicht mir, zwei wären anmaßend ;)

    Die BL/CL Schizophrenie des BVBs geht mir als Fan gehörig gegen den Strich, aber das 5:0 hat trotzdem mal wieder gut getan. Auch wenn Köln natürlich desolat war.

    Apropos schizophren: Der „gute“ Boateng macht diese Woche auf Rüpel und Bad Boy Prince haut mal eben einen Hattrick in 14 Minuten in die Maschen. Was war denn hier los?

    PS: Das Endergebnis vom Bayernspiel ist oben nicht ganz richtig.

  6. Eikman: Sorry wegen dem Namen, ich verbesser das sofort, genau wie das Bayernergebnis. Ja, die verdrehte Welt der Boatengs. Ich kann Kevin P. ja nicht leiden, aber ich fand ihn immer des besseren Fußballer. In letzter Zeit hat Scherom aber gehörig aufgedreht und damit meine ich nicht den Schubser vom Sonntag.

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