Brennerpass: Bundesliga 2011/2012 (14)

Spieltag 14: Einstürzende Altbauten

Mainz 05 – FC Bayern 3:2 (1:0)
Was für eine lausige, lausige Vorstellung. Ich möchte in ihrer Beschissenheit vor allem Gustavo und Gomez herausheben, die scheinbar beide vergessen haben, dass man zum Nasenbohren nicht unbedingt ein Trikot überziehen muss. Und ich weiß nicht, ob man es auf die Bronchitis oder aufs hohe Alter schieben soll, dass Heynckes vergessen hat, Robben einzuwechseln. Aber das wird er sich noch anhören müssen, hat er doch stattdessen den vollkommenen wirkungslosen Olic und Rafinha gebracht. Ganz ehrlich, von der Champions League abgesehen, hat mir Bayern unter Andries Jonker besser gefallen als bisher bei Heynckes. Vor allem die Defensive war das schmerzlichste Van-Gaal-Deja-Vu. Bezeichnend auch, dass der Müller von Mainz ungefähr drei Ligen besser als der Müller von München gespielt hat. Und auf diese ach so treffenden Analysen von Philipp Lahm nach dem Spiel ist auch geschissen. Der Mann kann innerhalb des Spiels noch nicht einmal einen Grashalm mitreissen. Noch eine Anmerkung anlässlich Wettklo, der mit Schiri Kirchner nach einer Diskussion beinahe in einen Zungenkuss verfallen wäre: Was soll das Schiedsrichter-Getouche in letzter Zeit? Hat der Fall Amerell das bewirkt?

Bremen – Stuttgart 2:0 (0:0)
Bremen klaubt seine abgeschnittenen Eier aus dem Gladbach-Spiel wieder auf und Stuttgart hat einfach nur die erste Halbzeit verpennt. Dass Harnik die Großchance verholzt, kann man ihm nachsehen. Das Tor von Naldo freut mich für ihn. Der Mann hat weiß Gott genug gelitten.

Hannover – HSV 1:1 (0:0)
Zur Leistung von Hannover in den ersten drei Vierteln des Spiels gab’s ausnahmsweise einen guten Kommentar von Jens Lehmann: „Man muss den Hut ziehen vor Hannover. Wenn die immer so spielen, muss man sich wundern, dass die überhaupt das Stadion vollkriegen.“ Jepp, es war der typische Abwart- und Verhinderungsfußball, nur diesmal ohne schnelle Konter. Der HSV hat das Spiel nach Kräften schnell und schön machen wollen, und manchmal ist das dank Töre und Rincon (richtig gehört, Rincon) auch gelungen. Wäre der Gegentreffer von Schlaudraff nicht so eine großartige Hommage an das Robben-Tor nach Ribery-Ecke gegen ManU damals gewesen, man hätte das Unentschieden entschieden unverdient nennen müssen. Zudem war das Spiel zugunsten der Schwalbentruppe aus Hannover verpfiffen und was mich persönlich noch gestört hat war, dass der Pander die weißen Stutzen bis zur Unterhose hochgezogen hatte und damit aussah wie eine schwule Porno-Krankenschwester.

Dortmund – Schalke 04 2:0 (1:0)
Von wegen Derbystimmung. Ich hatte mich ernsthaft auf das Spiel gefreut, aber schon nach fünf Minuten auf die Konferenz umgeschaltet. Mit diesem defätistischen Kick hat sich Schalke seinen Kredit als meine neue Zweitlieblingsmannschaft sofort wieder verspielt. Drei Torschüsse in 90 Minuten, da hätte ich mit meinem doppelten Bandscheibenschaden ja mehr Zug ins Spiel gebracht. Einzig guter Schalker in diesem Anti-Derby war der Unnerstall. Dortmund hat konzentriert und aggressiv agiert und ich wüsste grade nicht, wer die stoppen sollte. Umso ärgerlicher, dass man sich in der Champions League mal wieder in die Schule schicken ließ. Was aber dazu führt, dass der BVB seine zweite Meisterschaft in Folge holt.

Hertha BSC – Leverkusen 3:3 (2:1)
Schon wieder führt Hertha 2:0 und verliert das Spiel beinahe noch. Als Hertha-Fan kann man zur Zeit eigentlich von einem Spieltag auf den anderen gleich in den eigenen Arsch verbissen bleiben. Leverkusen stand zunächst mental noch auf der Heerstraße, aber der Derdiyok hat ihnen letztlich die Haut gerettet. Auch so ein Fall, wo Chaoscoach Dutt erst nach gefühlten sechs Monaten kapiert, was der Spieler eigentlich wert ist, analog zur Causa Ballack. Es war aber am Mittwoch ein tolles Spiel gegen Chelsea und ich gönne den Spielern das Achtelfinale von Herzen, nur der Dutt braucht sich das nicht ans Rever heften, um einen Beckenbauerismus zu verwenden.

Hoffenheim – Freiburg 1:1 (1:0)
Freiburg hat das gespielt, was es momentan kann und Hoffenheim schafft es wieder nicht, über eine ganze Spiellänge nicht komplett auseinander zu fallen. Ich will noch nicht an Stanislawski zweifeln, aber irgendwo ist da der Wurm drin. Und ob es so eine gute Idee war, auf Ibisevic und Rudy im Startteam zu verzichten, weiß ich auch nicht.

Augsburg – Wolfsburg 2:0 (0:0)
Endlich. Der FCA belohnt sich endlich mal für seinen Malocherfußball. Und diese dauermediokre und permanent unterperformende Autohaus-Truppe bekommt, was sie verdient. Erneut war Mölders die treibende Kraft in der Augsburger Offensive, aber treffen tut der Mann ums Verrecken nicht, schon seit über zehn Spielen. Letztlich war das der Sieg, den sie schon gegen Bayern verdient hätten.

Nürnberg – Kaiserslautern 1:0 (1:0)
Und nochmal ein „endlich“. Endlich haut sich der Club mal wieder in ein Spiel rein und gewinnt souverän gegen in letzter Zeit seltsam hilflos wirkende Lauterer. Hinten und vorne alles sauber beim Club, aber jeder weitere Sieg (so es denn noch welche gibt) dürfte ein Kraftakt werden. Für Hecking kann die Winterpause nicht früh genug kommen.

Köln – Gladbach 0:3 (0:2)
Dass Favre sich irgendwann für pfeilschnellen Überfallfußball beim Fastabsteiger der letzten Saison verantwortlich zeichnet, haben auch nur Erich-von-Däniken-Anhänger für möglich gehalten. Auch wenn ich nicht an eine dauerhafte Stabilität dieses Höhenflugs glaube, ist das eine herrliche Abwechslung im Kampf um die Herbstmeisterschaft. Die wahre Reifeprüfung wird das nächste Spiel gegen die gelbe Borussia. Zu Köln fällt mir nur ein, dass Geromel genauso dröge gespielt hat, wie er aussieht, und das ist ziemlich dröge. Als Trainer würde ich mich langsam fragen, ob es überhaupt einen Unterschied macht, was ich den Leuten unter der Woche beibringe. Die Mannschaft macht ja doch, was sie will und jedes zweite Spiel will sie offenbar gar nichts. Randnotiz: Extrem daneben die Kritik vom verletzten Novakovic an Rensing wegen dem Freistoßtor.

BRENNERPASS-TIPPSPIEL:
stt und benchman behaupten mit souveränen Tippleistungen die Spitze und das Tagesresultat liefert der Kollege Juri, was ich ihm nicht gönne, weil er gerade im Urlaub ist. Da muss man nicht auch noch Tippsieger werden.

Die Tipptabelle für den aktuellen Spieltag
Die Tipptabelle in der Gesamtübersicht

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15 comments / Add your comment below

  1. Vor drei, vier Jahren war mir Philip Lahm noch sympathisch. Inzwischen und spätestens seit seinem „Buch“ ist er mir mit seinen Äußerungen und „Analysen“ zunehmend unerträglich. Immerhin, für diese Woche hat er Recht damit gehabt, dass Bayern nah dran an Barca sei: Die haben schließlich auch auswärts verloren.

  2. Eikman: Mir ist er im Prinzip wurscht. Es wirkt halt alles so erzwungen und pseudorational bei Lahm. Kein Soul. Und durch den „Derby-Sieg“ ist Real aber mal ordentlich vorne weggalloppiert.

  3. Souverän kann man meine Tippleistung nicht nennen. Ich hab mich eher über den Gongschlag in die Pause gerettet. So hätten es auch die Bayern machen sollen…..

  4. O M G was tippe ich da zusammen….
    dachte am anfang, ich könnte da mithalten, aber irgendwie rutsch ich gewaltig ab :(

    lg

  5. vbernd: Nicht aufgeben , die Saison ist noch lange.

    AN ALLE: Keiner sagt was zu Bayern? Weder Häme, noch Trost, noch „Ich hab’s ja schon immer gewusst“. Was ist da los bei den Lesern? Und wo bleiben nach so einem ereignisreichen Spieltag die Herren Bisaz, Fuxbeck, Sven E. etc.?

  6. Bin im Moment mit renovieren der Wohnung beschäftigt.
    Mit den Bayern bin ich beleidigt, weil sie gegen Dortmund verloren haben, das tut man einfach nicht.
    Oder…, es steigt Sächzge auf und Bayern ab. Diese Saison.

  7. Fuxbeck: Sächzge ist immerhin insolvenzverdachtsfrei, hab ich gelesen, das müsste dich doch beim (Blau)weisseln beflügeln.

    mq: Stimmt, jetzt hat euch der Kegelverein Fortuna abgehängt, wa.

  8. Bis auf die Niederlage des FCB war der Spieltag doch gar nicht so ereignisreich oder überraschend. Vielleicht noch der Sieg der Augsburger, aber mit Entblößungen wie Tasmania oder Blau-Weiß Berlin ist im heutigen Profifußball auch nicht mehr zu rechnen.

    Dass die Bayern in Mainz äußerst bescheiden aufgetreten sind, klar. Als Bremenfan kommt da von meiner Seite keine Häme oder Spott, wenn Werder Samstag ohne Wiese , womöglich ohne Pizarro und mit einer Auswärtsbilanz auf dem Niveau von Hertha und Stuttgart nach München muss. Was bei jedem anderen Verein in der oberen Tabellenhälfte eine statistische Selbstverständlichkeit ist, wird bei Heynckes‘ Staraufgebot direkt als Formkrise ausgelegt. Davon lasse ich mich nicht blenden und bete nur, dass Grün-Weiß in der Allianz-Arena nicht wie in Gladbach untergeht.

  9. Sven E: Für dich als Bremer war der Spieltag eher Dienst nach Vorschrift, aber immerhin hat der Club gewonnen und Schalke das Derby verweigert. Dass gerade die Springer-Presse Bayern jetzt wieder eine Krise andichtet, die den Maya-Kalender wie ein Poesiealbum aussehen lässt, ist ja nichts Neues. De facto hat der FC Osram aber bereits jetzt vier Spiele in der Liga verloren, genau so viel wie letztes Jahr um die Zeit. Da hatte übrigens Dortmund schon 40 Punkte und 13 Siege. Wahnsinn eigentlich.

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