Kurzkritik zu The Dark Knight Rises

„This is a stock exchange. There’s no money for you to steal.“
„Then what are you people doing here?“

Bevor ich jetzt die Mängelliste anbringe, will ich vorausschicken, dass ich mich großartig unterhalten habe und dass ich Christopher Nolan als Visionär und Revisionär des Superheldenkinos auch nach diesem Film hoch ansehe. Und jetzt ist aber auch wieder gut mit dem Ultrarealismus seiner Batman-Filme. Man muss ja nicht gleich wieder zurück zur tragikomischen Gothik eines Tim Burton (geschweige denn zum Edel-Trash eines Joel Schumachers), aber ein bisschen mehr Nacht und Mystik tun der Figur jetzt sicher wieder gut.

Genau wie einfachere Plots. Denn letztlich läuft die vollkommen zerfahrene Handlung lediglich auf den üblichen Rache- und Vergebungskonflikt hinaus, da hätte es keine Verwicklungen gebraucht, die man in der Regel in 12 Folgen The Wire erzählt. Am Ende geht’s ja doch nur wieder um eine Atombombe.

Die Figuren gestalten also den Film: Hardys Bane ist ein harter Typ (auch ohne das Venom) mit einer nicht immer ganz leicht zu dechiffrierenden Phonetik (nach den ersten Screenings sogar noch überarbeitet worden), aber er ist eben auch kein Joker, dessen puristische Lust an der Bösartigkeit ganz ohne Masterplan auskam – das war das einschüchternd Groteske an der Figur. Anne Hathaway spielt eine gute Selina Kyle (Catwoman) und sieht wider Erwarten nicht albern in ihrem Kostüm aus. Christian Bale, seit jeher mimischer Schwachpunkt der Reihe, zieht endlich alle Register und Gary Oldman ist nach wie vor der fleischgewordene Gordon, als ob er direkt aus einem Loeb & Sale-Batman herausgesprungen wäre. Nichts gegen Joseph Gordon-Levitt, aber seine Rolle ist so sehr auf eine einzige Schlusspointe ausgelegt, dass man sie samt der Pointe auch hätte weglassen können. Ähnliches gilt in abgeschwächter Form auch für die Cotillard.

Der einen Tick zu bedeutungsschwangere Soundtrack von Hans Zimmer ist erneut eine Stimmungskanone, auch wenn er manchmal sogar den einen oder anderen Dialog verschluckt. Der Film ist monströs groß, breit und lang, so dass er zuviel guten Bombast mit scheinbarem Intellekt verknüpft, um ihn nicht zu mögen. Für die Batman-Geeks gibt’s ein paar nette Anspielungen an das Comicuniversum (Killercroc, Knightfall, Thalia Al Ghul, Lazarus Pit etc.), aber über Nolans Version von Robin müssen wir nochmal reden. Manchmal erscheint der Film zu absichtlich wie eine Meditation über Bankenkrise, Occupy-Dings und die Auflösungserscheinungen der Zivilgesellschaft, aber das drängt sich nicht unangenehm in den Vordergrund. Wenn man ein bisschen den Schwamm über die unnötig komplexe Struktur (hinter der sich eigentlich nichts verbirgt) und diverse Risse in der Logik macht, dann ist das ein würdiger Abschluss für eine jetzt schon legendäre Trilogie, die sich nicht hinter Star Wars oder Indiana Jones zu verstecken braucht.

Für die Erbsenzähler in Sachen Plotlöcher ist das hier der richtige Artikel. Aber Achtung, der spoilert gewaltig und kann einem auch ansonsten die Lust an dem Film verderben, wenn auch fast jeder Einwand seine Berechtigung hat (v.a. die Frage, ob Batman neuerdings Street Artist ist)

NACHTRAG: Und hier mal ein Beispiel für eine Überinterpretation. Das ist das Schlimme an der ZEIT: sie kann nicht einfach einen Film rezensieren, sie muss gleich eine völlig überinterpretierte Zeitgeist-Groteske draus stricken. (Noch schlimmer ist nur der Spiegel, der wieder was von Helden in Strumpfhosen faselt.)

6 comments / Add your comment below

  1. Alles in allem ein bisschen too much, fand ich – aber: Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt und prima unterhalten. Und ein Schurke, der zwar kein Charisma, dafür aber einen rührenden Beweggrund hatte. Ein Gruß an alle Erbsenzähler: Klar hatte der Plot Löcher so gr0ß wie die Bathöhle. Aber wenn man glauben kann, dass ein Milliardär im Fledermauskostüm die Welt rettet, kann man auch alles andere glauben.

  2. Magenta: Ich geb dir generell recht, aber Plotlöcher sind dann unschön, wenn sie lose Enden nicht verknüpfen oder schlampig mit der Kontinuität umgehen. Bei dem Film aber Gnade vor Recht, keine Frage. Würd‘ ihn mir eigentlich gerne nochmal im Kino ansehen. Habe grade zum vierten Mal „The Dark Knight“ gesehen und vor Heath Ledger fürchte ich mich immer noch wie beim ersten Mal. Auch Aaron Eckhart ist großartig.

  3. Stimmt schon, bei ein paar Szenen hat sich mir auch die ein oder andere Frage aufgedrängt – die dann aber nicht beantwortet wurde. Merkwürdig uninspiriert fand ich auch das „Superschurke hat jetzt die Macht über die Stadt“-Setting – das hat ja John Carpenter schon vor 150 Jahren in „Escape from New York“ viel besser hingekriegt. Nevertheless: Ich würde ihn mir auch sofort nochmal anschauen. Was das Beängstigende an Ledgers Joker ist, frage ich mich allerdings schon lange. Dieses schmatzende Sprechen? Dieser völlig unmotivierte (und unvorhersehbare) Irrsinn? Ich bin nie dahintergekommen.

  4. Magenta: Beim Joker sind es zwei Sachen. Zum einen das absolute Einswerden von HL mit der Figur. Nicht umsonst hat er sich vor Drehbeginn einen Monat in ein Hotelzimmer eingeschlossen, um zum Joker zu werden. Unter diesen Aspekt fallen dann auch die antrainierten, aber nie übertriebenen Manieren wie das Schmatzen oder die harte Betonung mancher Konsonanten. Die Figur wirkt einfach nicht mehr wie eine Figur. Zum anderen die absolut glaubhafte Lust an der Anarchie und am „Bösen“. Das wirkt natürlich auch umso eindringlicher, weil Nolan die Figur der Rachel über zwei Filme (wenn auch mit unterschiedlichen Darstellerinnen) aufbaut und sie dann einfach ohne mit der Wimper zu zucken vom Joker abservieren lässt.

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