Brennerpass zum Länderspiel Deutschland – Argentinien

Jetzt muss ich doch nochmals verspätet meinen Senf zu dem Spiel und der Kahn-Tirade abgeben. Fazit: selten so einen schönen Länderspielabend verbracht. Genauer gesagt das letzte mal am 6. September 2003, als Waldi und Völler ihren Weizen-Showdown hatten. Obwohl es ja trotz redlicher Bemühungen Kahns überhaupt keinen Showdown gab, hat ihm Jogi Löw doch die kälteste aller Schultern, nämlich den kompletten Rücken gezeigt. Was an Unsouveränität nur noch durch Bierhoffs selten dämlichen Kommentar vom Brasilien-Endspiel übertroffen wurde. Ich mochte diesen erzürnten Kahn vom Mittwoch. Das war eben nicht der phrasengestählte und ZDF-tauglich gemachte Experte aus Usedom, sondern King Kahn, der Wütende. Und ob die Schärfe der Kritik jetzt berechtigt war oder nicht und ob man wirklich immer alles nur an Leidenschaft fest machen kann, sei dahin gestellt, es bleibt die unverrückbare und wahrhaftige Feststellung, dass die Spieler noch nicht einmal eine Lätschen gezogen haben, nachdem sie sich ein bisschen gegen Argentinien blamiert haben. Es hat ihnen scheinbar gereicht, „mutig“ nach vorne zu spielen, scheißegal ob man das Spiel gewinnt oder nicht. Mich hat’s indes gar nicht erzürnt, weil ich mich in den letzten zwei Jahren eh innerlich ganz zufällig und unbeabsichtigt von der Nationalelf entfernt habe. Umso mehr begeistert hat mich das Spiel, das stellenweise mehr an „Die nackte Kanone“ als an ein Fußballspiel erinnert hat. Die anschließende Groteske im Studio hat sein Übriges zu einem schönen Abend beigetragen, selbst wenn er am Ende leider de-eskalierte.

2 comments / Add your comment below

  1. Volle Zustimmung. Ich hätte es gern noch eskalieren sehen, aber JL lenkte ja merkwürdig servil ein, wirkte ertappt. Der war aber eben auch ein anderer Spielertyp als Völler oder Kahn. Auf jeden Fall hübsch, daß die glattgeflutschte Choreografie üblicher TV-Nachbesprechungen einmal durchbrochen wurde. Gerne wieder.

  2. kid37: Ja, servil hats gewirkt, aber doch auch in-sich-hinein-brodelnd. Weil er vielleicht auch anhand des Völlerbeispiels weiß, dass selbst der gesundeste Grant einen leicht der landesweiten Häme und dem gnadenlosen Allzeitgedächtnis des ARD/ZDF-Archivs preisgibt.

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