Brennerpass: Bundesliga 2012 / 2013 (2)

VORWORT:
Diese grässliche Sache mit dem Pezzoni-Mobbing in Köln und der sukzessiven Vertragsauflösung ist deshalb so eklig, weil es ein weiteres Zeichen dafür ist, wie ein militanter Ableger des neuen (und eigentlich natürlich ewig deutschen) Wutbürgertums sich plötzlich (und auch durch digitale Zusammenrottung) im Recht fühlt, seinen kriminellen Kleingeist ungefiltert auf die Leute loszulassen. Sowas kommt immer zunächst im Fußball an, also wehret den Anfängen, wie ich heute schon mal wo geschrieben habe.

Bayern – Stuttgart 6:1 (3:1)
Der obskure Teil der Motivation eines 40-Mio-Transfers, nämlich die Erhöhung des internen Drucks, scheint ja schon mal geklappt zu haben. Schweinsteiger, Kroos und Gustavo (aber wie!) schießen Tore und spielen gut. Hätte nur noch gefehlt, dass Heynckes statt Javi Martinez (unverschämt spät gekommen) Tymoshchuk einwechselt und der auch noch ein Tor schießt und damit das gesamte überbevölkerte defensive Mittelfeld getroffen hätte. 6:1 ist natürlich ein wenig schmeichelhaft, wenn man sich die erste Halbzeit anschaut. Bayern beginnt in der Abwehr konfus und offensiv ausrechenbar und arschlangweilig und ich hab schon die ersten Flüche auf Kroos und Müller in die Welt getweetet. Aber dann passiert etwas, das letzte Saison nicht einmal passiert ist. Nicht einmal. Nämlich: Die Bayern werden wütend. Wütend hätte man auch noch über Kinhöfers nicht gegebenen Elfer sein können, oder über den intellektuellen Tiefstand beim neuen Bayern-Motto „Mia san all in“, aber wer will bei 6:1 schon noch wütend sein – außer Vedad Ibisevic.

Wolfsburg – Hannover 0:4 (0:2)
Deutlich über allen anderen Leistungsträgern dieses zweiten Spieltags steht der ungarische Nationalspieler und Rückkehrer Huszti, der mit vier Torvorlagen im Alleingang Felix Magath um mindestens sieben Jahre hat altern lassen. Anfangs waren die Wolfsburger noch ganz druckvoll, aber spätestens nach dem 0:1 ist das Kartenhaus schneller zusammengefallen als Diego jemand einen Elfmeter wegschnappen kann. Dabei spielt Hannover seit Jahren denselben Schuh: Schnelle Balleroberung im Mittelfeld und ab in den Konter. Wenn sich der Gegner dann natürlich nicht wehrt, fängt selbst H96 an zu spielen. Dann noch rot für Knoche und schon fährt der international ambitionierte Volkswagen mal wieder gen Tabellenmittelfeld davon.

Düsseldorf – M’gladbach 0:0 (0:0)
Düsseldorf spielt am Limit, aber die Gladbacher sind diejenigen, die schon ab der 60. Minute schlapp machen. Höhepunktarmes, diszipliniertes Spiel von beiden, bei dem das Uentschieden natürlich eindeutig als Gewinn für die motivierten D-Dorfer zu werten ist. Hut ab vor der Maloche von Voronin.

Bremen – HSV 2:0 (0:0)
Verdienter Bremer Sieg und endlich macht Petersen sein Tor. Der HSV hat einigermaßen mitgehalten, aber es fehlt die Zielstrebigkeit im Sturm und die Hirnmasse im Kopf von Aogo, der wohl jetzt schon einen der überflüssigsten Elfmeter der Saison verursacht hat. Bester Hamburger fast schon wie gewohnt Adler. Jiracek und Badelj haben sich noch nicht gut eingefügt und das sonnige Gemüt von Rafael Van Der Vaart kommt zu keinem besseren Zeitpunkt in die Stadt des ewigen Nieselregens. Bremen hat gut umgebrochen, soweit man das bisher beurteilen kann, Akpala war ja noch nicht richtig dabei. Hunt hat Hoden, nach dem ersten Vergeiger gleich nochmals einen Elfer zu schießen.

Leverkusen – Freiburg 2:0 (1:0)
Sehr gut ausbalanciertes Spiel von Leverkusen. Freiburg hat nach wie vor keine so besonders gute Mannschaft, fraglich, ob sie die Kraft haben wieder so dermaßen vehement gegen den Abstieg zu spielen wie in der vergangenen Rückrunde. Wenn Bayer dieses Jahr nicht die Championsleague erreicht, müssen sie sich allerdings in den eigenen Arsch (oder den von Völler) beissen, denn durch die Verkaufsweigerung von Bender und Schürrle gehen ihnen über 50 Millionen durch die Lappen.

Hoffenheim – Frankfurt 0:4 (0:2)
Spätestens die Schwegler-Bombe zum 0:2 besiegelt das Schicksal der Babbel-Zauderer. Was die Abwehr der Sinsheimer an dem Nachmittag veranstaltet, hätten die Paralympics-Fußballer definitiv besser hinbekommen. Dann noch die zwei – teilweise arg unverdienten – roten Karten (Kurzeinsatz von Salihovic – 4 Minuten, haha) und schon gibt es wieder einen Trainer, der nach seinem Engagement bei Hoffenheim demnächst ganz ungeniert leben kann, wenn ihr versteht, was ich meine. Die Eintracht spielt dermaßen unbekümmert auf, dass man am Ende gar nicht mehr weiß, wer hier eigentlich der Aufsteiger ist. Schön, das unmotivierte Knautschgesicht Veh wieder in der Liga zu sehen. Hat man ja schon fast vergessen, dass der Mann mal Tabellenführer trainiert hat. Bis er Trainer vom HSV wurde. Nachtrag zur Stildebatte der letzten Woche: Auch die weißen Frankfurter-Trikots sind dem legendären Retro-Design „Sack der Achtziger“ angepasst.

Schalke 04 – Augsburg 3:1 (1:0)
Augsburg mit gefühlten 187 Angriffen, von denen 186 harmlos waren. Wie schon in der Hinrunde der letzten Saison fehlt denen vorne der Kawumms. Das ist bei Schalke bekanntlich nicht der Fall, da kawummst der Kopf von Papadoupulus (Danke für’s nicht nach Moskau-gehen) und der Schuh vom niederländischen Jägermeister. Erneut wie immer dann grandios, wenns schon keiner mehr von ihm erwartet: der an sich angeschlagene Farfan. Unglaublich zudem, wie gut die Torhüterration (Unnerstall) bei S04 funktioniert, nachdem mal wieder Hildebrandt mit einer Verletzung dran war. Leider kaum was von Affelay gesehen, den ich bei der EM sehr gut fand.

Nürnberg – Dortmund 1:1 (1:1)
Manchmal treibt sie einen in den Wahnsinn, die Art von Jürgen Klopp. So verkrampft bemüht, in der Rhetorik zwischen einem 18-jährigen Ultra, einem ZDF-Experten und einem Comedian hin- und herzuschalten, wenn es doch eigentlich der pure Frust ist, der ihn nach dem Spiel übermannt hat, als er eine Schimpfkanonade auf den Schiedsrichter losgelassen hat. Dortmund hat gut gespielt wie immer, aber irgendwann musste ja eine Mannschaft kommen, die das Umschaltspiel des Meisters mit einer achsensymmetrisch defensiven Variante konfrontiert. Gewöhnt dich mal besser dran, Dortmund. Riesenkampf vom Club, eiserne Abwehr, eiserner Schäfer.

Mainz – Fürth 0:1 (0:0)
Fing flott an, wurde schnell langweilig. Büskens ist so ein bisschen der Klopp des kleinen Mannes, noch ohne den Druck der Medien, einen Kalauer nach dem anderen landen zu müssen. Sehr erfrischend genau wie das unbekümmerte Spiel der Fürther. Torwart Max Grün für mich der Grüne des Tages, denn wo der hingelangt hat, wuchs a) kein Gras mehr und b) kein Ball. Choupo-Moting hat eine so dermaßen eindeutige Chance vermasselt, man kann froh sein, dass es nach dem Spiel nicht zum Choupo-Mobbing kam. Das eigentliche Highlight des Spiels war aber dieses Interview mit Herrn Wetklo (danke Sascha Gerlach).

TIPPSPIEL Top-5:
1. deLuxe 38
2. klendaa 33
3. juri 33
4. Schwanzhund 32
5. mek_wito 31

Die Tipptabelle für den aktuellen Spieltag
Die Tipptabelle in der Gesamtübersicht

4 comments / Add your comment below

  1. Während Leverkusenern gegen Frankfurt eigentlich nur Lethargie zu unterstellen war, grenzte die Hoffenheimer Vorstellung an ein Selbstzerstörungsprotokoll. Hat die Eintracht den Paten als Sportchef verpflichtet oder sind die Gegner tatsächlich ob des souveränen Auftretens so eingeschüchtert? (Schadenfreude ist zwar eine schlechte Charaktereigenschaft, aber mein Höhepunkt des Spieltags waren die Wiese-Sprechchöre im Weserstadion.)

  2. Wahnsinnig gute Aufsteiger, oder werden sie nur wahnsinnig unterschätzt? Hannover perfektioniert sein System und wird mit Huszti zudem gefährlicher. Bayern vermutlich erheblich besser als letzte Saison, dem desolaten HSV wird auch vdV nicht helfen können. Zu Schalke und Bremen fällt mir die Meinungsbildung noch schwer, Wolfsburg bleibt wohl grau in grau.

  3. Mein Kopfballtor just zum Zeitpunkt des gelbschwarzen Rückstands bezeichne ich jetzt mal mit dem Selbstbewusstsein eines 20jährigen 20-Millionen-Manns als geniales Timing.

    Aber auch sonst: Wenn die königsblaue Abwehr sich darauf verständigen könnte, grundsätzlich Tore zu verhindern, ist Schalke unter den ersten Drei dabei. Hinter Leverkusen (jaja…), vor Dortmund. Denn, so meine Prognose, nach Werder (nervös und ineffzient) hat nun mit dem Glubb schon die zweite nominell dramatisch schlechter besetzte Mannschaft gezeigt, dass in dieser Saison höchstwahrscheinlich der komplette Rest der Liga dazu beitragen kann und wird, dem FCB mal wieder ein Schalenerlebnis zu bereiten. Wie man Klopps Spiel kaputt machen kann, wissen jetzt alle. Freu‘ mich schon auf das Revierderby, wenn Metze seinen Ex-Kollegen das 1:0 per Kopf in der 94.Minute einschenkt. Gnihihi.

  4. Sven E: Schadenfreude gegenüber Tim Wiese ist was anderes als Schadenfreude.

    Michael: Bei Bayern stimmt der Biss, aber ich würde auf keinen Fall jetzt schon viel Geld auf eine Dominanz setzen. Sobald die wieder anfangen, gegen Dortmund zu verlieren, kann das Herz wieder ganz tief in die Lederhose rutschen. Zugegeben: der Kader müsste eigentlich für drei Meisterschaften am Stück reichen. Bremen ist sehr gut in Schuss, wenn die Abwehr stabil bleibt, Petersen wird in Bremen funktionieren. Wolfsburg wird besser werden, da würde ich mich nicht zu früh freuen.

    Papa-D: Als viertelter Schalke-Fan wünsche ich mir natürlich nichts mehr als eins aufn Kopp vom Klopp, aber ich bin mir beim S04 noch nicht so sicher, was die Konstanz betrifft, vor allem in der Abwehr. Die letzte Saison war gut, aber hätte so viel besser sein können. Nichts desto Trotz wünsche ich den Bleus mal wieder eine gepflegte Vizemeisterschaft.

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