Kurzkritik zu Led Zeppelin – Celebration Day (Uraufführung Berlin)

Das Schlechte vorneweg: seelenloses Bühnenbild und nackiger Sound, vor allem für eine Band, die wie keine andere für röhrenwarmen Blueskrach der 70er steht. Ansonsten erstaunlich viel Liebe und Vertrauen auf der Bühne. Die Band steht so nah zusammen, als müsste sie auf der Bühne Fußballergebnisse austauschen, aber genau das macht es so schön kommunig.

Plant singt super, improvisiert geschmackvoll, Page sieht aus wie ein alternder, aber immer noch sexuell top im Saft stehender Baulöwe und bluest einen ins Rohr, als hätten sie ihn gerade aus dem Mississippi-Delta gefischt, John Paul Jones gentlemant sich an Bass und Keyboard fehlerfrei und wie das gute Gewissen der Band durch den Abend und Jason Bonham ist eben kein Bonzo. Er sieht aus wie der entfernte Cousin aus Eggenfelden, der beim Zoll arbeitet und seine Abende beim Eisstockschießvereinsstammtisch absitzt und er hat nicht auch nicht wie sein Vater eine Magnum-Flasche Schnaps neben dem Drumkit stehen, was meiner Meinung nach neben dem pflanzlichen Aspekt das zurückgelehnte Spiel vom Papa erklärt. Außerdem sieht er selbst mit einer Generation Rückstand fast älter als der Rest der Band aus. Gut getrommelt hat er trotzdem.

Über die Songauswahl zu debattieren ist ja leidig, und welcher Musiker entspannt sich nicht gerne mal bei einer halben Stunde „Dazed & Confused“. Das hat schon alles gepasst mit den Hits und den Mucker-Stücken. Es ist ja eh erstaunlich, wie sperrig diese Band ihre sehr guten Kompositionen doch oft rüberbringt und wie unverhältnismäßig exakt sie dennoch auch heute noch einen Massengeschmack treffen. Für mich war das auch deswegen ein sehr schöner Abend, weil ich auf der Großleinwand Jimmy Page mal wirklich auf die Finger schauen konnte und sehen, dass er zwar kein Houdini, aber ein verdammt, verdammt guter (und immmer noch sehr schneller) Bluesgitarist ist, an dem ich mir gerne weiterhin ein Beispiel nehme, auch was die Altersfrisur betrifft.

Und es war sehr schön, im Anschluss John Paul Jones im Gespräch mit Alan Bangs (dessen Outfit: weniger schön) zu erleben, weil er wirklich so ein feinsinniger und höflicher Mensch ist, also Jones nicht Bangs. Gelungener Abend oder wie mein Vater, der im Geiste immer neben mir saß, sagen würde: „San scho guat, die Led Zeppelins.“

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