Kurzkritik zu The Hobbit (48fps, 3D)

Die 48fps haben mich so irre gemacht, dass ich eigentlich nichts Inhaltliches über den Film sagen kann, außer dass ich die unheilschwangere Einbettung in den LOTR-Mythos und die ausführliche Exposition gut fand. Aber es war wie drei quälend lange Stunden (könnten auch drei Tage gewesen sein) Lindenstraße mit Orcs und Zwergen, produziert von Benny Hill (siehe hektische Bewegungen wegen der hohen Framerate). Und wenn jetzt einer kommt und sagt, da muss sich die Sehgewohnheit erst auf die neue Framerate einstellen, dann ist das genauso kein Argument, wie wenn einer sagt, dass ich mich erst an den Geschmack von frischem Koriander gewöhnen muss, weil ab jetzt in jedem Essen frischer Koriander drin ist. Aber das ändert ja nix, dass mir von frischem Koriander schlecht wird. Also wenn jemand noch reingeht, dann meide er das HFR 3D, wie es in der Fachsprache heißt.

PS: Die chronisch dramatische Musik ist eine weitere Gemeinsamkeit mit der Lindenstraße.

9 Gedanken zu „Kurzkritik zu The Hobbit (48fps, 3D)

  1. 48fps und 3D sind zwei vollkommen ausreichende Gründe dafür, dass ich mir den Streifen nicht anschaue. Da brauche ich keinen frischen Koriander und schon gar keine chronisch dramatische Musik.

  2. Aber es gibt ihn ja auch in 2D, wollte ich mit dem letzten Satz sagen, und da ist er vielleicht gar nicht mehr so schlecht (werdenmachend).

  3. Ach, das finde ich jetzt schade. Was hat dich denn gestört, Magenta? (man will ja Herrn Jackson an sich nix Böses)

  4. Nein, ich würde Herrn Jackson niemals was Böses wollen – und für Arthur Dent/Dr. Watson/Bilbo Beutlin habe ich sowieso einen ausgesprochenen soft spot.
    Irritiert haben mich schon am Anfang (den ich wie du noch ziemlich gelungen fand) die hyperkünstlichen Bilder, in denen sogar das lieblich-schlamperte Auenland aussah wie die Kulisse eines dieser Kinder-Plastikfeen-Filmchen. In Erinnerung behalten werde ich den restlichen Film hauptsächlich als eine endlose Abfolge von Kämpfen mit Orks, Wargen, Trollen und was Mittelerde sonst noch so an grauslichem Gezücht hervorbringt. Am schlimmsten aber fand ich (dann bin ich aber auch fertig mit meinem Genöle) den dicken Pathos-Zuckerguss, mit dem das Ganze überzogen war. Nicht dass ich was gegen Pathos hätte – im Gegenteil, aber bitte nur in homöopathischen Dosen.
    Möglicherweise habe ich aber auch nur zu viel erwartet.

  5. Das würde ich alles so unterschreiben, müsste aber auch nochmals einen Herr-der-Ringe-Teil schauen, um beurteilen zu können, ob die jetzt wirklich so viel besser waren. Was ich auf jeden Fall sagen kann, ist, dass der Hobbit eben eher ein detailliertes Märchen als historienversessene, mythenkreierende Erwachsenenfantasy war und somit das Storytelling auch nicht soviel hergibt.

  6. Yep. Was unweigerlich die bereits sattsam gestellte Frage aufwirft, warum es denn unbedingt drei Teile sein mussten. Denn nur die schiere Geldgier möchte ich Jackson, dem alten Waldschrat, sehr ungern unterstellen.

  7. Hehe, bei Benny Hill kam wenigstens ab und zu was optisch-ästhetisch anspruchsvolles vor die Linse.
    Das mit den 3 Teilen schreckt mich nun auch ab. Aber jetzt hat sich mir auch endlich die eigentliche Bedeutung des Wortes „jemand hat ein Buch verfilmt“ erschlossen. Man darf gespannt sein, ob Jackson jemals das Silmarillion „verfilmt“.

  8. Magenta: Glaub ich auch nicht, dass er „geil“ war, aber unpässlich war es ihm sicher auch nicht, das Franchise fortführen zu dürfen. Ich hab leider nach Teil eins ein bisschen das Interesse verloren, obwohl zwei weitere Filme natürlich eine veritable Chance auf Wiedergutmachung sind.

    stt: Das darf er nicht verfilmen, das halten Tolkiens Erben unter Verschluss. Er durfte auch nichts daraus in den Filmen erwähnen. Ernsthaft jetzt. Ich hab’s mir übrigens auch grade gekauft und finde es recht behäbig, um’s mal höflich auszudrücken. Die Bibel ist spannender.

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