Die Umarmung

Manchmal wenn man so gegen die Brotlosigkeit anschreibt, fragt man sich, warum einen nicht eine überwogende Masse der Bevölkerung gut findet und einem einen würdigen Lebensabend mit ihren 8,99 ermöglicht, die sie ansonsten bei REWE für eine Zucchini, einen Parmaschinken und ein Waschmittel ausgibt. Unabhängig davon vergeudet man seine Zeit damit, sich zu fragen, warum es Leute gibt, die Scooter okay finden, und welche, die Turbostaat zur Religion erheben, und welche, die die neue Single von Tegan & Sara zu poppig finden und welche, die FDP wählen und welche, die auf das hören, was der Papst sagt. Das Lustige – die zweite Frage beantwortet quasi die Erste (bitte zurück blättern): Weil man ein intolerantes Arschloch ist, dass, statt die Menschheit zu umarmen und von ihr zurückumarmt wird, auf die Gunst von Leuten angewiesen ist, die genau so intolerante Arschlöcher sind, aber besser das Weltumarmen vortäuschen können. Das sind dann die, die einen vermarkten, weil man selber zu blöd und intolerant ist. Aber auch die wollen umarmt werden. (Now Playing: „Closer“ von Tegan & Sara)

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  1. Wenn es diese ganzen Unterschiede nicht gäbe, wären Umarmungen ebenso unmöglich. Oder mindestens stinklangweilig.

  2. Wie kann man kein intolerantes Arschloch sein? Jedesmal, wenn ich das versucht habe (und ich habe es ernsthaft versucht, denn prinzipiell ist Toleranz ja ein hohes Gut), bin ich fast erstickt an dem Rotz und Schleim, der sich dann in mir ansammelte.
    An das kalte, hohle Gefühl im Bauch, wenn man keine Ahnung hat, wann oder ob die nächste Kohle kommt, kann ich mich aus meinen Jahren als Freiberufler leider zur allzugut erinnern. Mit ein Grund, weshalb ich für eine Festanstellung und ein regelmäßiges Einkommen meine Seele verkauft habe und für eine Arschlochfirma arbeite. Doesn’t make me feel any better.

  3. Man muss, werte Magenta, schon abwägen, wie viel Intoleranz man aufwendet, um die Seelenbalance zu halten, ohne aber genau die eben wieder ins Ungleichgewicht zu bringen, denn Lästern macht Pickel auf verschiedenen Ebenen. Ich hab immer ein schlechtes Gewissen nach dem Maulen. Was die Festanstellung betrifft, das handhabt jeder so wie er kann, das Leben ist kein Krautwickerl. Ich bin ja auch hauptsächlich deshalb Freiberufler weil ich keinen Rücken, keine Geduld und keinen finanziellen Ehrgeiz habe.

  4. Alles wahr, und ich will ja auch nicht ununterbrochen maulen (was tatsächlich ein sehr unerfreuliches Dasein wäre) – aber es gibt Leute, die derart bescheuert sind, dass ich Pickel auf jedweder Ebene in Kauf nehmen würde.
    An Ehrgeiz mangelt es mir nicht nur in finanzieller Hinsicht – glücklicherweise gibt es neben der beruflichen aber auch noch eine private Seele, und der geht es gut. (Vielleicht rede ich aber auch nur so geschwollen daher, weil ich gerade in ein 700-bändiges Fantasy-Epos vertieft bin, da gerät einem der Duktus schnell mal schwurbelig.)

  5. Welches denn? Nach der großen Enttäuschung, die Game Of Thrones nach dem dritten Band bereithält, bin ich wieder fantasielos, äh Fantasylos.

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