Brennerpass WM-Studio 2014 (15)

USA – Deutschland 0:1 (0:0)
Portugal – Ghana 2:1 (1:0)
Algerien – Russland 1:1 (0:1)
Südkorea – Belgien 0:1 (0:0)

Weil ich ja gestern noch gejuxt habe, diese WM sei der Albtraum von Pep Guardiola mit ihren vogelwilden Kontern und Fernpässen, frage ich mich in der Folge, was für Lehren einer wie Pep wohl aus dem Turnier für sein eigenes System ziehen könnte. Antwort: keine. Es ist ihm scheißegal, wie hier gespielt wird. Die Nationalmannschaften sind nicht eingespielt, es geht oft nur über mentale und konditionelle Kraftakte, es sind Momentaufnahmen ohne taktische oder langfristig antrainierte systemische Substanz und wer den Ball nicht hat, wird auch weiterhin in keinem Fußballspiel der Welt ein Tor schießen können.

Das hat auch das sehr disziplinierte Spiel der Deutschen gegen die USA bewiesen. Mitten in der Sinflut von Recife hat die N11 sehr biegsam und reaktionsschnell die Defensivketten verschoben wie schon gegen Portugal und zwar nicht unbedingt rasant, aber orginell nach vorne gespielt. Schweinsteiger hat das gut gemacht, Podolski vielleicht weniger, aber es war auch schwer gegen überraschend defensiv und uneuphorisch handwerkelnde Amerikaner. Außerdem war man als Spieler ja ständig abgelenkt von der fantastischen nagelneuen Nasslook-Frisur vom eigenen Trainer. Beim nächsten Mal würde ich Özil bei all seinen Vorlagen endlich mal draussen lassen – man kann einen Spieler nicht bedenkenlos für immer aufstellen, nur weil er mit einer 6,78-prozentigen Wahrscheinlichkeit mal einen genialen Moment haben könnte. Man kann dem Konjunktivspieler Özil nicht Wirbler wie Götze oder Schürrle opfern. Insgesamt ein Spiel das Mut macht, nicht, weil die Deutschen so filigran waren, sondern weil sie sich Wind und Wetter anpassen können wie alte Hasen. So lässt man auch die Luft aus Algerien, ohne die wirklich sehr ansehnlichen Feghouli, Brahimi und Slimani zu unterschätzen. Capellos russischen Langweiler-Fußball braucht eh kein Mensch. Gut, dass uns die USA vorerst erhalten bleibt, ich würde den Kommentar „Und Susi zieht ab“ vermissen. Ja, ich weiß, dass man ihn nicht so schreibt.

Obwohl Portugal und der an der Welt verzweifelnde CR7 die deutlich bessere Mannschaft waren, ging für Ghana der Spalt zum Achtelfinale nach dem Ausgleich nochmals kurz auf. Zugehauen haben sie die aber selbst gleich wieder, als Boye und Dauda einen Ball derart verluftikussen, dass Ronaldo ihn nur noch schief anschauen muss, um die erneute Führung zu erzielen. Zurück bleiben zwei unvollendete Mannschaften, die wie Ronaldo richtig erkannt hat, eben nicht gut genug für das Achtelfinale waren. Hätten Ghana auch wie angekündigt das Spiel bestreiken können, hätte auch nix geändert.

In other news nix Neues: Belgien ist immer noch Geheimfavorit, Kevin Prince Boateng ist suspendiert, Christian Streich ist gegen alles und den Videobeweis, und Suarez wird für seinen Biss gegen Chiellini zu neun Jahren Haft verurteilt, vielleicht auch zu neun Spielen Sperre.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.