Kurzkritik zu Guardians Of The Galaxy

Der Film macht eigentlich dasselbe falsch wie die meisten Marvel-Filme. Er unterbesetzt seinen Erzbösewicht, er fokussiert sich auf einen albernen, alles bestimmenden MacGuffin (die Infinity-Steine) und sein Plot ist überraschungsärmer als ein Michael-Bay-Film. ABER – und das macht ihn zum bisher besten Marvel-Film – er hat Soul. Und wie. Das liegt nicht nur an den unpeinlichen Ohrwürmern des Soundtracks und den Tanzszenen (man könnte auch sagen, das ist der erste Sci-Fi-Tanzfilm, wenn man den Ewoks-Film nicht mitrechnet), sondern vor allem an dem warmen Humor, der niemals zynisch, hässlich, pennälerhaft oder anbiedernd anal ist. Er ensteht aus purer Liebe zu den Figuren und dem Umstand, dass die Protagonisten sauschräge Vögel sind, die im Grunde über lange Strecken an sich selbst scheitern. Der Film ist eine Komödie – keine Frage – und trotzdem nimmt er sich selbst ernster als alle anderen Marvel-Filme bisher, weil er seine Figuren ernst nimmt. Ein sprechender Waschbär und sein bester Freund der Baum (saving the entire grace of speaking trees in movies, ich schau euch an, Ents) sind menschlicher als das komplette Ensemble im letzten Thor-Film. Und seine Message ist in harschen Zeiten wie diesen die wichtigste der Welt: Löst eure Konflikte mit Dance-Offs statt mit Waffen.

5 Gedanken zu „Kurzkritik zu Guardians Of The Galaxy

  1. Allerbester Marvel so far, da stimme ich dir uneingeschränkt zu. Immer, wenn ich eine Millisekunde lang Angst hatte, es würde ins Kitschig-Klischeehafte kippen, gab’s einen angenehmen Bruch wie z.B. eine gähnende Gamora oder „Footloose“ als Ilias der 1980er.
    Und der Soundtrack ist tatsächlich ebenso unangestrengt top wie der Film – obwohl ich normalerweise von Glamrock Ausschlag kriege.
    Dass Erzbösewicht und Erzerzbösewicht holzschnittartig sind. liegt ja irgendwie in der Natur der (Comic-)Dinge. Spontan fällt mir da nur ein einziges Gegenbeispiel ein, nämlich Nolans/Ledgers Joker im dunklen Ritter, und der hat ja dem Titelhelden dann auch komplett die Show ruiniert.
    Bisschen was zu meckern habe ich natürlich trotzdem: 3D war – wie immer – unnötig (da kann der Film aber, glaube ich, nix für). Und die Bonusszene: WTF?!

  2. Ja, stimmt, das (nachträglich draufgenagelte) 3D hat nichts zum Film beigetragen außer die Titelgrafik plastischer erscheinen zu lassen. So wie bei den meisten Blockbustern halt.

    Ledgers Joker ist eine eigene Liga, sowas wird’s so schnell nicht wieder geben. Ronan The Accuser wurde ja schon früh von Josh Brolins Thanos (im wahrsten Sinne) überschattet, das hat nicht grade geholfen. Die Bonusszene mit Groot war nett und die am Schluss war doch großartig, oder?

    ** SPOILER AHEAD **

    Seit Jahren wundern sich die Leute, wie es Howard The Duck ins Marvel-Universum schaffen konnte und ob Kevin Feige und Co in ihrer Komplettismus-Strategie das je berücksichtigen würden. Well, das war die Antwort.

  3. Die ganz am Schluss meinte ich (Groot war natürlich allerliebst) – hat mich ein bisschen irritiert. Ich hab‘ aber auch den Insider offenbar nicht kapiert. Dafür aber immerhin das Federvieh erkannt. Das ging bei Weitem nicht jedem im Kino so. Geschätzt die Hälfte der Leute – und die waren ja immerhin gewieft genug, um den ganzen Abspann zu gucken – hat ihn nämlich für ein anderes Schnabeltier aus dem Disney-Universum gehalten.

  4. Mein samstagabendliches Verlangen nach kurzweiliger Realitätsflucht wurde vollständig befriedigt. Mehr (aber auch nicht weniger) sollte man im Kino nicht erwarten.

  5. mq: Aber hier kommen eben noch ein paar gute Dialoge, ein bis in die Wipfel motiviertes Ensemble, gute Musik und gute Tanzschritte hinzu. Das ist schon beinahe überqualifiziert für kurzweilige Realtitätsflucht, finde ich.

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