Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (4)

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SPIELTAG 4

Hamburg – Bayern 0:0 (0:0)
Liebe Hamburg-Fans, es tut mir leid, Euch enttäuschen zu müssen, aber Eure Mannschaft spielt immer noch Grütze. Einen couragierten bis vollkommenen übermotivierten Auftritt vor aufgepeitschten Fans hinzubekommen ist noch lange kein Paradigmenwechsel und haut mich auch nicht zwingend aus dem Schlafanzug, zumal selbst dieses Herz- und Hackspiel erst mit dem dritten Trainerwechsel in einem Jahr möglich war (das skurrile 3:0 gegen den BVB damals ignoriert). Ich spare mir also das Lob, bis der Verein auch mal gegen einen echten Konkurrenten gewinnt, gegen Bayern kann sich ja jeder motivieren.

Gegen den HSV dagegen offensichtlich nicht jeder. Das war grausig, was der FCB da auf den Platz gestochert hat. Diese Woche hab ich mich noch über das illoyale Pep-Zersägen in der SZ aufgeregt, aber am Samstag um 15:30 habe ich mich dann auch gefragt, wie Pep das immer macht: eine Elf hinzuknobeln, die so garantiert noch nicht im Entferntesten zusammen gespielt hat. Nach dem sehr guten Auflauf gegen Manchester, in dem endlich einmal Mario Götze das getan hat, was in seinem Vertrag steht und Alonso und Lahm sich in Personalunion dem Aufbau aus dem Mittelfeld gewidmet haben wie einem Kleinkind, dem man das Gehen beibringen muss, war jetzt wieder robben angesagt (no Verletzen-beim-Aufwärmen-pun intended). Lediglich Boateng spielt auf einem Hoch, das schon gegen Manchester faustharten Doping-Verdacht erweckte, nicht umsonst hielt ihn die UEFA nach dem Spiel eine Stunde lang in dem Katakomben fest. Im Ernst, Boateng sollte sich analog zu seinem windigen Bruder Kevin Prince in Jerome BoaKING umbenennen, denn Zweikämpfe mit ihm sind derzeit so aussichtsreich wie das Überleben Deines Lieblingshelden bei Game Of Thrones. Sehr engagiert finde ich auch diesen Bernat, der am Ende seiner ergebnislosen Amoksprints immer so herrlich resigniert schaut, als wolle er sagen „leckts mich doch einfach am Arsch“, aber viel zu höflich dafür ist. Würde ihm irgendjemand auf das Gerenne hin seine Pässe und Flanken abnehmen, er wäre glatt eine große Stütze fürs Offensivspiel. Gleiches gälte für Alaba, hätte er neben seinem irrwitzigen Spieltempo nicht verlernt zu schießen. Der Mann holzt durch die Gegend, als hätte man ihm gestern erst ein bionisches Bein angeschraubt, an das er sich erst gewöhnen muss. Gewöhnen mag ich mich irgendwie nicht mehr an Shaqiri. Ich kann mich an KEIN einziges Spiel in den letzten 10 Monaten erinnern, indem er sich für größere Taten auf dem Flügel (sprich das mystische Erbe von Robbery anzutreten) empfohlen hätte. Megamedioker auch diesmal. Megaabwesend vor und nach seiner Einwechslung: Lewandowski. Vielleicht braucht der seinen hausinternen Lucas Barrios als Ansporn, Pizarro hat sich (am Samstag) nicht gerade als Konkurrent erwiesen.

Zurück zu Hamburg und dem neuen Wundertrainer Pep Zinnbauer, der mit markigen Sprüchen und verbalen Warnschildern seine Spieler zurück in die Realität, sprich auf das Niveau einer Bundesliga-Mannschaft holen will. Meine 5 Pfennig: das wird ein harter Ritt, denn was sind das für Profis, die sich zwar für ein grobschlächtig herausgewuzeltes Unentschieden gegen den Klassenprimus, nicht aber gegen Hannover 96 motivieren können? Stinktier-Frisur Berahmi hat Zinnbauer allerdings mit seiner Standpauke für Elbphilarmoniker erreicht. Vor drei Tagen aus dem Kader geflogen und jetzt neben Holtby der beste Mann auf dem Platz.

Wolfsburg – Leverkusen 4:1 (2:1)
Endlich mal ein Ergebnis, das man mit dem Kader erwarten könnte, und ausgerechnet gegen eine Mannschaft die noch einen deutlich besseren hat. Ja, da geht er hin, der Leverkusener-Aufschwung und die Chance auf das erste tabellarische Ausrufezeichen. Aber zum Öl-Haare-raufen ist tatsächlich nur das Ergebnis, denkt sich auch Roger Schmidt und grinst erstmal gelöst nach dem Abpfiff, bevor er seinen alten Chef Hecking anherzt wie seinen leiblichen Opa. Denn Levko war schon ganz gut, aber eben weder so ausgebufft, noch so angestachelt, noch so organisiert wie der Wolf gegenüber. Dafür aber kartenbedingt andezimiert und ein bisschen weniger im europäischen Wettbewerb anblamiert und auf Wiedergutmachung aus. Highlights bei Wolfsburg: die busy bees Bendtner und De Bruyne, die sich quasi übers Feld teleportiert haben, und freilich das Tor von Rodriguez per Handzeichen. Kenn ich vom Kickern – ist das Demütigendste für den Gegner und nennt sich „mit Ansage, motherfucker“.

Schalke – Frankfurt 2:2 (1:2)
Ich gebe hier mal kurzen Einblick in meine Arbeitsweise. Ich schaue ein Spiel oder seine Zusammenfassung und mache mir Notizen auf dieser gottverdammten Touchscreen-Tastatur. Beim Durchlesen am Sonntag-Abend schäme ich mich für meine Notizen und schreibe was völlig anderes. Deshalb hier mal im Original belassen (vielleicht bestreite ich mal einen ganzen Brennerpass so):

russ fuer die eintracht. durchgepanzert!
growsster quatsch elfer aller zeiten!!!
elfer choupo verhöhnung deluxe
ausgleich ging dann aba zu einfach.
draxler trifft mit birne und fleigt bvom platz
ach schalke

Mainz – Dortmund 2:0 (0:0)
Ich hab freilich nichts dagegen, wenn Dortmund Punkte liegen lässt, aber wenn sie gegen die aussagefreien Mainzer unglücklich verlieren, macht selbst mich das sauer. Und es macht mir Angst vor der Zukunft: wenn man so viel Vermasslung und Pech in einem Spiel ansammelt und sich anschließend mit Mikidingsbums noch ein Schlüsselspieler verletzt, dann muss das Karma rein statistisch eine riesige Entschädigung in store haben. Sowas wie eine Meisterschaft oder mindestens ein 6:0 gegen Bayern auswärts. Mehr ist ja Karma, ja Religion, eh nicht. Stochastik. Was für eine Erkenntnis im Brennerpass am Sonntagabend.

Augsburg – Bremen 4:2 (2:1)
Ja, okay, ein falscher Elfer für Augsburg und Bremen war auf Augenhöhe. Aber ist ja dann auch weiß Gott keine Heldentat, auf Augenhöhe mit Angstgegner Augsburg (noch kein Sieg da) zu sein, wenn man Bremen heißt. Ich mag das, wie Dutt sich mit dem Verein identifiziert und wie die Fans mitgehen, aber von einer Philosophie spür ich noch nichts. Das ist immer noch Konsolidierungsfußball, wenn auch jetzt mit einer leicht positivistischen Annotation. Bringt übrigens nichts, wenn Dutt proklamiert, der Verein werde sich die Fehlentscheidung nicht gefallen lassen. Frag mal Hoffenheim zum Thema Außennetz und Widerspruch beim DFB. Ceterum censeo Videobeweisinem esse einführendam.

Stuttgart – Hoffenheim 0:2 (0:1)
Mann kann nicht sagen, dass Stuttgart sich nicht reinhängt und die Kritik an den Einkäufen und der Sparpolitik der Ultras an diesem Wochenende halte ich auch für überzogen. Aber es rächt sich eben die Strukturlosigkeit der letzten Jahre, das müssen Veh und seine gar nicht so miesen Spieler immer noch ausbaden. Wie lange Veh allerdings noch im lauwarmen Bobic-Rethorik-Bubble-Bad sitzen bleibt, ist schwer zu sagen. Spaß hat er grad keinen und die heitere Wurtschtigkeit aus Frankfurt-Tagen ist jetzt einem „Warum tu ich mir das eigentlich an“-Gestus gewichen. Dann wiederum hat man nachweislich gegen eine Spitzenmannschaft verloren und das sage ich nicht nur wegen dem Tabellenplatz. The Sensational Hoff kann jetzt neben gnadenloser Attacke, lückenloser Defensive und beiläufigem Ballhalten auch Kontern wie ein alter Lauerfuchs. Die Rollenspieler unter uns wissen: 10.000 XP a match day keeps the Sinnkrise away.

Paderborn – Hannover 2:0 (0:0)
Hahahahaha! Was war denn das für ein Field Goal von Stoppelkamp? Klärung und Torschuss in einem. Paderborn hat sich jetzt schon unsterblich gemacht. Tabellenführer an Spieltag 4 und das krachertste Langstreckentor der Bundesliga-Geschichte. Jetzt könnte Breitenreiter sich zurücklehnen, wäre da nicht der Vereinspräsident, der Gerüchten zufolge einen Champions-League-Platz zum Saisonende fordert, um von den Einnahmen das Stadion einfach über die störrischen Lautstärke-empfindsamen Anwohner drüber hinweg zu bauen und so auch mal Freitag-Abend im Flutlicht solche Kamellen erzielen zu können. Und das schönste ist: Hannover war ein guter Gegner, den man auch ohne dieses Freakshow-Tor verdient und spielerisch überlegen besiegt hätte.

Freiburg – Hertha BSC 2:2 (1:1)
Und diese Saison hat jetzt schon ihr ewiges Fußballerzitat. Nur ist es weder unfreiwillig komisch, noch peinlich, sondern quasi ein Actionheld-Oneliner für Fußballspieler. Take it away, Felix Klaus: “Dann so ein Dreckstor zum Schluss. Und alles ist scheiße.“ Und recht hat er. Benachteiligt vom Schiedsrichter, vom Leben und dem ganzen Rest. Die Paranoia von Streich ist ausnahmsweise berechtigt: Der liebe Gott hat gesagt, ich lasse nicht zu, dass Freiburg dieses Spiel gewinnt, selbst wenn es gegen die Flachtröten aus der Hertha geht, die offensichtlich mit jemand gewettet haben, dass man den Klassenerhalt auch ohne Abwehr schafft. Summsi summarum: Für neutrale Beobachter ein tolles Spiel. In der ersten Hälfte konnte man Candy Crush spielen, ohne nur einmal eine Torraumszene zu verpassen, danach gabs Ronny-Freistöße wie Gemälde, X-aktige Fehlentscheidungen und sechzehn Minuten Nachspielzeit, damit das Spiel auch wirklich unentschieden ausgehen kann. Hat schließlich garantiert jemand eine Menge Geld darauf gewettet.

Köln – Gladbach 0:0 (0:0)
Feuriges, intensives, kontroverses, torreiches Spiel. Derby eben. In Köln steht die Null hart wie ein Fels.

TIPPSPIEL
Gratuliere zum Tagessieg, derFobert und UeberBussard666. Aber auch klar, dass man bei so einem Unwahrscheinlichkeits-Bash für den Tagessieg nicht mehr als 9 Punkte braucht.

1. ChrisKurbjuhn 48
2. Heisenberg 47
2. sebastian 47
4. benchman45
5. Maik 42

Die Tipptabelle für den aktuellen Spieltag
Die Tipptabelle in der Gesamtübersicht

>> BRENNERPASS TIPPSPIEL 2014/2015: HIER ENTLANG!

3 comments / Add your comment below

  1. Das einzige, was ich zum Eintracht-Spiel noch sagen will: Schön, dass es Alex Meier so scheissegal ist, was sein Frisör mit ihm anstellt. Falls er einen hat.

  2. Fällt jemandem ein vernünftiges Argument gegen den Videobeweis ein? Ich komme beim besten Willen nicht drauf, wer, außer der Wettmafia, ein Interesse daran hat, dass mindestens ein Spiel pro Spieltag durch Fehlentscheidungen entschieden wird.

    PS: Lieber Burnster, bitte immer genau so weiter. Es ist mir jeden Sonntag ein inneres Blumenpflücken.

  3. mq: Ich hab ja meine Eintracht-Analyse dem Blickwinkel auf Schalke geopfert, deshalb auch keine Alex-Meier-Witze. Immerhin scheint er trotz (oder grade wegen) seinen Haarmoden endlich das Vertrauen von Schaaf erlangt zu haben.

    Hennes IX: Danke, ich pflanze gerne. Und das mit dem Videobeweis ist der letzte und unwitzigste Witz des Fußballs. Ich hab ein Buch über die Wettmafia mitübersetzt, die Leute sind die einzigen, die noch lachen.

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