Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (7)

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SPIELTAG 7

Bayern – Hannover 4:0 (3:0)
Mann kann ja über die Bahn sagen was man will, aber dass ich in ihr fast das komplette Bayernspiel auf dem Weg nach Frankfurt sehen darf, rechne ich ihr hoch an. Und sie mir auch. 4,99 hoch, um genau zu sein. Aber ansonsten beste Bahnfahrt meines Lebens. Ich spiele gerade FIFA 15 auf der PS3 – nach Jahren mal wieder Konsolenfußball – und als ich gerade noch über die absurd fetzigen und scheinbar viel zu leicht herzustellenden Tore von Robben und Lewandowski (Difficulty: Semi-Pro) lästern will, machen die das plötzlich in echt genau so wie auf der Konse. Und seien wir ehrlich: in der ersten Halbzeit war Hannover nur ein Kratzbaum für die Bayern, deren Abwehr selbst mit Benatia nicht mehr zusammenbricht. Der alte Affe Chancenauswertung hat sich auch endlich den Arsch abgewischt und der Beste von allen ist wieder einmal Xabi Alonso. Der Mann ist dermaßen von Einsatzwillen beseelt, der fährt garantiert auch noch den Mannschaftsbus zum Käferzelt. Und habt ihr das gesehen? Pep hat beim 1:0 hämisch gegrinst. Fuck you, Länderspielpause.

Gladbach – Mainz 1:1 (1:1)
Dringender hätte man eigentlich gar nicht gewinnen können an Gladbachs Stelle. Als einzige Mannschaft an der Tabellenspitze dranbleiben und dann noch die lästigen Mainzer abhängen – Okkasion, Okkasion. Dachte sich garantiert auch Raffael in der 41. Minute. Hjulmand lässt Mainz effektiv spielen, aber auch irgendwie ganz schön fad. Bin gespannt, wo Tuchel ab nächstes Jahr weiterwütet. Schalke, oder?

Wolfsburg – Augsburg 1:0 (0:0)
Haben wir hier schon über Bendtner gesprochen? Nein? Okay, machen wir auch heute nicht. Aber über Naldo. Der hat das Spiel gegen notorisch renitente Augsies praktisch alleine gewonnen. War vorne und hinten präsent wie ein Endgegner. Der Mann hat außerdem in seiner Bundesligalaufbahn schon 33x getroffen, sagt mir der Kicker (nicht persönlich), alleine das rechtfertigt die heutige Sondererwähnung. Man of the Match bleibt aber trotz verdöselter Großchance Tobias Werner, der zwar nicht mit dem Ball das Tor, aber dafür mit dem Schuh De Bruyne trifft. Schuhld war nur der Bossanova. Ha, das Wortspiel hat garantiert niemand außer mir gebracht.

Dortmund – HSV 0:1 (0:1)
Okay, okay, okay, ich erkenne tatsächlich Fortschritte beim HSV. Es ist jetzt nicht mehr nur der pure Überlebenswille, der die Mannschaft zusammenhält. Es ist mittlerweile tatsächlich so etwas wie Ordnung zu erkennen und das macht es auch Leuten wie Lasogga leichter, weil sie wissen, was sie tun müssen, um den Ball zu bekommen und nicht mehr warten dass er durchrutscht wie bei bei einem Candy Crush Delicious. Pep Zinnbauer hat den Hamburgern nach drei Spielen schon mehr System verschreiben könnnen als Dutt den Bremern nach zirka 30. Da ist es nur folgerichtig, dass der letzte Tabellenplatz jetzt von Bremen übernommen wird. Apropos Abstieg: da kann der Klopp ruhig immer den neusten geilsten superkumpligen BVB-Pulli anziehen, der Dortmunder Aufwandsfußball verpufft derzeit einfach und sogar bedauernswerterweise an individuellen Clownereien in der Defensive und der Rezeptlosigkeit gegen das Gegenpressing zum Gegenpressing. Eat this, Spielverlagerung.

Frankfurt – Köln 3:2 (1:1)
Ich bin froh, dass das so ausgegangen ist, hab ich doch quasi im Anschluss zum Abpfiff in Frankfurt gelesen und es gibt nichts schlimmeres als ein Lesungspublikum das grade verloren hat und dann einem Bayernfan gegenüber sitzt. Zum Spiel kann ich nicht viel sagen, zur Lesung, zur Stadt und den Leuten aber schon: Ein Auswärtsspiel nach Maß. Und auch endlich mal wieder in einer alternativen Kellerrockdisko mit jungen Leuten gewesen, die zu Floggin Molly pogen. Wo sich gegen drei Uhr morgens auf der Tanzfläche der prädominante Odor aus Dönerrülpsen, Bierpupsen, Männerschweiss und Trockeneis breitmacht. Ich finde übrigens, dass Alex Meier aussieht wie der hessische Beckham. Ich müsste ihn allerdings noch in Unterwäsche in kontrastreichem Schwarzweiß sehen, um das zu verifizieren. Diesen Seferovic muss man übrigens auch im Auge behalten.

Hoffenheim – Schalke 2:1 (2:0)
Gut, dass Schalke nur meine zweite Lieblingsmannschaft ist, das ist ja die reinste Schocktherapie, was der gemeine Fan da mitmachen muss. Selbst Kevin P. Boateng hat schon Schüttelfrost (im Ernst jetzt). Was Schalke derzeit trotz gelegentlicher Erfolgserlebnisse auszeichnet: sie können JEDERzeit JEDES Spiel aus der Hand geben. Die Personalmisere hat noch ein wenig Bestand, aber klingt zunehmend wie eine Ausrede aus Kellers Mund. Dann wiederum hat man gegen eine Spitzenmannschaft verloren. Ab Spieltag 7 lügt die Tabelle nicht mehr.

Bremen – Freiburg 1:1 (1:1)
Für den neutralen Zuschauer hauptsächlich wegen der Galligkeit der beiden Trainer sehenswert, die sich trotz (oder eben wegen) der gemeinsamen Freiburger Vergangenheit nicht riechen können. Whodunit des Spieltags ist dann eben auch, wer zu wem „Halt die Klappe” nach der Elfmeterstreitigkeit gesagt hat. Dutts Uhr läuft langsam ab, glaube ich, denn außer nicht aufgeben hat er den Bremern bisher nichts beibringen können.

Leverkusen – Paderborn 2:2 (1:1)
Bisher hat man ja gedacht, Roger Schmidt wäre der größte Leverkusener Glücksgriff in dieser Saison, aber es ist Karim Bellarabi, der allerdings – wenn man genau hingeschaut hat – schon bei seiner Ausleihe an Braunschweig ein Garant für schwer ausrechenbare Angriffe war. Und lustig: als ich bei FIFA am Freitag noch gegen Paderborn gespielt habe, schoss ein gewisser Koc das Führungstor. „Wer ist Kotsch?”, hat der Vierjährige mich noch gefragt und zu dem Zeitpunkt hätte ich es ihm auch nicht sagen können. Wäre ich Marketingleiter bei EA Sports, ich würde Nostradamus in einem Fußballtrikot aufs nächste Cover machen statt zum hundertsten Mal Messi.

Berlin – Stuttgart 3:2 (1:1)
Herrlich, der Kicker hat die tollsten Vokabeln. Von ihm hab ich ja das geradezu tolldreist manieristische “Fuggerstädter” für den FCA, aber in der aktuellen Ausgabe übertrifft er sich selbst. In einem Absatz über den Schweizer Nationalspieler Stocker nennt der Kicker die Fußball-WM völlig selbstverständlich das “globale Championat”. Hammer. Das ist ja so, als würde ich den Brennerpass als “delektablen Ballsportessayismus” bezeichnen. Ach ja, es gab auch noch ein Spiel, in dem dann besagter Stocker und der andere teure Neue bei Hertha glänzen durften, wobei “Glanz” bei der Hertha relativ ist. Nennen wir es einen “situativen Euphemismus der aktuellen Spielkultur“. Veh spricht im Gegensatz zum Kicker eine bürgernähere Sprache: “Saudummer Elfmeter”, den Gruezo da angezezettelt habe. Quasi eine „craniale Absenz”.

TIPPSPIEL
Gratuliere zum Tagessieg, derFobert!

1. ChrisKurbjuhn 89
2. benchman 88
3. Heisenberg 85
4. Milan10 84
5. don_miguel 83

Die Tipptabelle für den aktuellen Spieltag
Die Tipptabelle in der Gesamtübersicht

>> BRENNERPASS TIPPSPIEL 2014/2015: HIER ENTLANG!

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