Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (9)

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SPIELTAG 9

Gladbach – Bayern 0:0 (0:0)
Nach der ersten Halbzeit fiel mein Fazit noch ziemlich nüchtern aus. Typisches Bayernspiel gegen zugegeben defensiv extrem gut organisierte Underdogs, die sich außer Kontern nichts zutrauen. Das war vermutlich auch Favres Plan aber zum Wohlgefallen des deutschen Fußballästheten hat bei Gladbach noch während des Spiels eine Evolution stattgefunden, die diesem nominellen Spitzenspiel dann auch gerecht wurde. Auf deutsch: Die Gladbacher haben sich was getraut, sie haben gewerkelt und gewuchtet, aber nie den Kopf verloren. Sie haben ihr System im Spiel selbst verschärft und weiterentwickelt, und das hat sie zumindest für diesen Abend zu einer Bayern absolut ebenbürtigen Mannschaft gemacht. Und damit haben sie die Roten auch ab Hälfte zwei kolossal verunsichert, zu Schlurigkeiten und damit in die Abhängigkeit von „Wunderpranke“ (J. Guardiola) Neuer und seiner Defensive gezwungen. Die aber bis auf zu verzeihende verlorene Laufduelle ohne Murks agiert hat und dank Xabi Alonso auch nie in Panik verfallen ist. Lediglich Benatias körperliches Spiel war eine tickende Zeitbombe und Rafinha musste man aus dem Spiel nehmen, sonst hätte er Hahn einen Arm abgebissen. In der Summe das bisher spannendste Unentschieden der Saison, lediglich den Ionesco um Xhaka hätte man sich sparen können, der Mann war ja praktisch schon ohne Fuß als er wieder auf den Platz zurückkam. Habt ihr übrigens gesehen, dass Kramer vor Wut das Richtmikro aus dem Stadion getreten hat? Ist das ein Vergehen? Und wenn ja, kann sich der Delinquent überhaupt daran erinnern? Und was patscht Pep Guardiola denn so ungehalten an Bibiana Steinhaus herum? Muss ja nicht gleich einen #Aufschrei geben, aber sowas ist zu unterbinden, wie überhaupt das dauernde Umarmen und Herzen von Schiedsrichtern (siehe Rafinha). Letztlich aus Bayernsicht nicht das beste Spiel der letzten Zeit aber dennoch alles easy und alle Ecken bitte auch weiterhin genau auf den Torwart schlagen, liebe Bayern, wenn ihr die Liga spannend halten wollt. (…und wie sehr immer wieder Robben fehlt)

Leverkusen – Schalke 1:0 (0:0)
Seien wir ehrlich. Die ersten drei Schalke-Spiele unter Di Matteo waren bäher als ein Worst Of Jens Keller. Das war genau die traurige Taktik, die das Finale Dahoam Of Doom (nein, ich bin nicht drüber hinweg) zum beschissensten Fußballspiel aller Zeiten gemacht hat. Man kann ja gerne etwas tiefer stehen und auf Konter spekulieren, man kann sich aber auch wie Schalke in der eigenen Hälfte vergraben und auf „lange Bälle“ (verräterisches Zitat Höwedes) hoffen. Klar will man dem Leverkusener Power-Pressing nicht vor die Flinte geraten, aber im besten Fall holt man so ein Unentschieden heraus, was einem auf Tabellenplatz 12-15 einen Scheißdreck hilft. Dass die Schalker dann ausgerechnet kurz vor dem Sechzehner sinnlos herumgrätschen und so einen Chalanouglu-Freistoß generieren, ist die Krone der Dummheit. Hat mal jemand, inklusive Fährmann, in die Statistik oder in die Sportschau geschaut und gesehen, was dieser Mann aus Freistößen macht? Als würde man ihn mit einer Pistole bedrohen, so akkurat versenkt der Mann die Dinger im freien Eck. Sinnbild des Spiels: der traurige Defensivspezialist Jan Kirchhoff.

Frankfurt – Stuttgart 4:5 (1:2)
Hoppala, war das ein Fußballspiel oder eine Aufführung zu Ehren von Armin Vehs Homecoming? Man kann noch nicht einmal behaupten, dass die Mannschaften kopflos gespielt hätten, der Ball lief einfach. Vor allem bei den extrem sturmfreudigen Stuttgartern konnte man das erste Mal seit dem DFB-Pokal-Finale gegen Bayern wieder so etwas wie echte Kunst sehen, aber die Hochdruckeffizienz der Frankfurter hatte auch was für sich. Harnik (endlich mal ganz vorne), Gentner und Kostic spielten eine Gala, Alex Meier und Aigner ließen sich dadurch mitnichten beeindrucken und überhaupt hatten alle Feuer unterm Arsch. Auch die Schiedsrichter wollten ihren Teil zum Spektakel beitragen, sahen weder das Abseits beim ersten Stuttgarter Treffer noch gönnten sie Frankfurt den Elfer zum potenziellen 5:5 am Ende. Dass der Sieg dennoch kein schwarzes Karmaloch erzeugt, liegt an dem besseren Spiel der Stuttgarter, die mit Toren wie dem menschlichen Slalom von Werner einfach den ästhetischen Mehrwert boten. Das Rot gegen Seferović muss man per DFB-Beschluss annulieren, dafür war seine Fernglas-Geste gegenüber dem Außenschiri zu originell. Am Ende war Schaaf zwar sauer, aber irgendwie auch beeindruckt. Anbei: Armin Veh (in skinny Jeans und Undercut) ist der erste Trainer, der den Stuttgartern in einem Jahr einen Auswärtssieg beschert hat.

Dortmund – Hannover 0:1 (0:0)
Ich bekomme ja neuerdings jedes Wochenende hämische Dortmund-SMS. Da ich zwar ein schadenfroher Mensch bin, aber niemand, der auf Schwächeren herumhackt, weise ich die Kritik am BVB meistens mit „Die ham aber auch Pech“ oder „Pass auf, wenn die mal in Fahrt kommen“ ab. Das könnte man nun auch beim im Hannover-Spiel vortrefflich anwenden, aber langsam muss selbst ich mich als Advocatus Dortmunduli fragen, was das Ganze soll. Wieso schießt Reus solange ans Außennetz bis ein Kießling fällig wird, wieso spielt Weidenfeller als würde er nebenbei telefonieren und warum passiert Hummels immer dann der Mumpitz, wenn ein Gegentreffer für die Psyche der Todesstoß wäre. Und was soll die Schizophrenie in der Championsleague, in der man so spielt, als könnte man sie jederzeit im Handstreich gewinnen? Ich vermute einen luziferianischen Geheimplan von Klopp. Meisterschaft ist eh abgehakt, was jetzt noch zu tun ist: DFB-Pokal gewinnen, Championsleague gewinnen und die Bayern nächste Woche aus dem Nichts 7:1 vom Platz fegen. Dafür den Underdog markieren und 5 Spiele in Folge verlieren – alle Achtung, das muss man erstmal durchziehen. That being said: Ron Robot Zieler war erstklassig und der RKO outta nowhere (Wrestling-Meme, schlag’s nach oder auch nicht) von Kiyotake konnte sich auch sehen lassen.

Bremen – Köln 0:1 (0:0)
So, endlich wieder Bremen Duttlos. Jetzt kann’s nur besser werden. Ich mag den guten alten Robin mittlerweile irgendwie, aber ich konnte beim besten Willen nicht erkennen, was er von der Mannschaft wollte und die Mannschaft offensichtlich auch nicht. Jetzt hat man den Trainer in der Liga mit den meisten „Ks“ im Namen befördert (Vikkkktor Skkkripnikkkk), zu dem mir nichts einfällt (zu faul zum Recherchieren), außer dass Griesmuffel Frings ihm als Sidekick und Motivator (ähem) zur Seite steht. Aber wie gesagt, es kann nur besser werden. Zu Köln hat mir neulich ein geschätzter Effzeh-Fan anvertraut, er habe unter Stoeger das erste Mal in der jüngeren Geschichte das Gefühl, dass die Mannschaft sich auf ihren jeweiligen Gegner einstellt.

Augsburg – Freiburg 2:0 (1:0)
Aux drastisch überlegen, Freiburg fiel ja gar nichts ein. Und wusstest du, dass Altintop schon beinahe 60 Tore in der Bundesliga geschossen hat? Und gab es an diesem Spieltag Prämien für Aussennetzschüsse? Mal den Ex-Dortmunder Marco Reus fragen. Schaut nicht gut aus in dieser Hinrunde für Freiburg, aber ist das nicht jedes Jahr so?

Hoffenheim – Paderborn 1:0 (0:0)
Rudy verditscht zwar seinen Elfer, aber Hoff ist viel zu konzentriert auf seine beste Bundesliga-Saison, um die Paderborner zu unterschätzen wie so viele vor ihnen. Kachunga hätte freilich auch seinen Elfer verdient und das nicht nur, weil er der coolste Prekariatsstürmer der Liga ist.

Hertha BSC – Hamburg 3:0 (0:0)
Berlin chuzpös, Hamburg dösbackig, als sei die Saison schon wieder in trockenen Tüchern, seitdem Bremen letzter ist. Dass ausgerechnet Lasogga so flatlinet, ist ist nicht unbedingt seine Schuld, schließlich lebt ein Offensivspieler vom Zuspiel seiner Kollegen. Wusstest du übrigens, dass der HSV erst drei Tore in neun Spieltagen geschossen hat? Da muss ich keine Statistik bemühen, um zu wissen, dass das zumindest futurtabellarisch ein Abstiegskriterium ist.

Wolfsburg – Mainz 3:0 (1:0)
Endlich mal ein vorhersagbares Spiel, weil die beiden Kader eben genau jenes Ergebnis hergeben. Weil Wolfsburg oben- wie untenrum super bestückt ist, sind auch sie jetzt ein Bayernjäger. Come and get some. Schöne Zwischenüberschrift hab ich noch bei kicker.de gelesen: „Karies verhindert Schlimmeres“. Ja, es hieß natürlich „Karius“ habe ich dann auch enttäuscht festgestellt.

TIPPSPIEL
Gratuliere zum Tagessieg, good old feinschmeckerle!

1. Heisenberg 116
2. ChrisKurbjuhn 114
3. benchman 113
4. Thomas_Pfa 113
5. ankegroener 110

Die Tipptabelle für den aktuellen Spieltag
Die Tipptabelle in der Gesamtübersicht

>> BRENNERPASS TIPPSPIEL 2014/2015: HIER ENTLANG!

3 comments / Add your comment below

  1. Bei diesen Schiedsrichterbetatschereien kommt mir immer der Film von der EM 2008 in den Sinn („there’s a big storm in the city“). Da erklärt Platini den Schiedsrichtern bei einem Empfang, dass sie sich nicht ärgern lassen sollen und mit den Karten ein wirksames Instrument haben.

    Als Schiedsrichter würde ich jede absichtliche Berührung mit einer Roten belohnen. Und für die Strategen, die bei ihrer Auswechslung in der 91. Minute noch 25 Meter Umweg watscheln, um sich per Handschlag zu verabschieden: gleich noch eine Watschn dazu.

    Vielleicht kam aber auch genau deshalb nie jemand auf die Idee, mich als Schiedsrichter einzusetzen.

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