Das falsche Tagebuch: 24. November 2015

Neulich mit dem Intercity nach Erlangen gefahren. Und wieder zurück. Am Tisch vor uns saßen ein paar ältere Damen und ein älterer Mann. Die haben stundenlang so plüschige Sätze von sich gegeben wie „Man muss doch auch ein Hobby haben“ oder „die deutsche Tanne ist gesund“.

Und so einengend und finster ich die Achtziger teilweise in Erinnerung habe, so sehr habe ich mich nach diesen furchtbar faden Kaffeekränzchen gesehnt, zu denen einen die Mama mitgeschleppt hat, die sie sicher aber auch selber fad fand. Man sitzt mit der Han-Solo-Figur und der Schreckschusspistole unter dem Tisch und kann keine Vanillekipferl mehr sehen, während oben die Leute an Kaffee auf sanft klappernden Untertassen nippen und draußen der Schneeregen fällt.

Wie in besagtem Intercity. Auf der Hinfahrt war ich beinahe allein im Zug. Das war wie Urlaub. Hab mir im Geiste notiert, das nächste Mal in Jena Paradies auszusteigen und ins Phyletische Museum zu gehen. Habe außerdem „phyletisch“ gegoogelt. Höre dauernd „Dirty To The Bone“ von Jeff Lynne’s ELO. Der fatalistische Wunsch nach Unsinn steckt da drin, oder vielleicht höre auch nur ich ihn heraus.

10 comments / Add your comment below

  1. Han Solo und Vanillekipferl in einem Satz – schöööön! <3 Es ist Weihnachten.
    Ich hab auch "phyletisch" gegoogelt!

  2. Ich hab den Songtext gegoogelt und stimm dir vor allem beim Begriff „fatalistisch“ zu. Wünschenswerter Unsinn läuft ja oft darauf hinaus. „Phyletisch“ war für mich aber auch googlenswert, ebenso wie der Ausdruck in den ELO lyrics „till the cows come home“.
    Deinen Throwback in die 80er hab ich wie immer einfach nur ohne Hintergedanken genossen.

  3. Ein Paradies ist angeblich sowieso der Ausgangspunkt jeder phyletischen (geguhgelt) Forschung. Und einsame Zugfahrten sind fast unschlagbar. Wobei… mein Verlangen nach Erlangen muss ich erst wieder erlangen. Autsch :-)

  4. Beim nächsten Buch werd ich auf jeden Fall mal eine Buchhandlung/Leseort in OB angehen. Das kann allerdings noch ein gutes Jahr dauern. Ansonsten kommen wir einfach mal mit Gebruder und legen alles in Schutt und Asche.

  5. Nächste Woche ist wieder Adventskaffeekränzchen (mit Vanillekipferln, Zimtwaffeln und Spritzgebackenem), und ja, es ist ein bisschen fad – ein angenehm einlullendes fad. Ich muss gestehen, dass ich auch den Pokemonkarten-Tauschhandel und das Gerangel um irgendwelche Legoritter unterm Tisch nicht wirklich vermisse (das ist seeehr lange her), obwohl es das Konzentrationsvermögen enorm geschult hat, den Gesprächsfaden nicht zu verlieren, obwohl man praktisch nie einen Satz zu Ende gesprochen hat.
    Außerdem hab‘ ich jetzt einen schlimmen Erlangen-Ohrwurm. Foyer des Arts, du weißt schon.

  6. Ich hätt‘ auch mal nicht gedacht, dass fad mein Hafen in einer zusehends bekloppter und hämischer werdenden Welt werden würde. (Außer Musik, natürlich. Musik ist immer mein Hafen.)

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