(Kurz)kritik zu Star Wars: The Force Awakens

Ums gleich vorweg zu nehmen: ich hatte eine Fetzengaudi, fühle mich aber ein wenig benutzt.

Im Einzelnen: Sehr gutes Ensemblekino, originelle, sich das offensichtliche Augenzwinkern meist sogar sparende Dialoge, mitunter liebenswerte Sidekicks inkl. Roboter (von der Hackfresse C3PO mal abgesehen) und mit Daisy Ridley eine Hauptdarstellerin, der ich auch nackt mit Ewok-Allergie nach Endor folgen würde. Dazu Effekte und Setpieces, die sich trotz Ikonenstatus sehr natürlich anfühlen (I’m looking at you, broken down AT-AT)

Auch Darth Vader Junior und seine sich ankündigende Evolution in Gestalt von Kyle Reno (oder so) macht sofort Appetit auf mehr interstellare Gehässigkeiten. Adam Driver hat einfach die Ohren für einen kleinkarierten Supervillain. Das kann man leider von Darth Gollum (bzw. Snoke bzw. Darth Plagueis? bzw. Andy Serkis) als Imperator-Epigone nicht behaupten. Aber der ist ja auch bisher nur fernmeldetechnisch anwesend. Und wie gesagt, auf der Schaupspieler/Figurenebene gibt’s nichts zu meckern. Alle funktionieren beim Zuschauer so wie sie sollen, niemand ist seelenlos platzhalterisch.

Dafür die Handlung. Der Plot ist mutlos bis zu einem Punkt, wo aus der eigenständigen Handlung lediglich eine Referenz wird. Formulaisch ist das richtige Wort, Remake (von „A New Hope“) vielleicht auch kein falsches. George Lucas war da mit den Prequels innovativer, er hat zwar hochdubiose Green-Screen-Panoptiken mit miesen Dialogen und ohne Spannungsbögen gedreht, aber in Punkto Star-Wars-Mythologie hat er sich doch weiter aus dem Fenster gelehnt als nur die originale Trilogie zu recyclen. Force Awakens ahmt in den wichtigsten Handlungsschritten den ersten Star Wars so originalgetreu nach, dass der Plot bis ins Detail vorhersehbar wird.

Fazit: Ich war trotzdem glücklich und bin sehr neugierig drauf, wie’s weitergeht, bin aber auch zu beiden Gefühlen erpresst worden. Zum einen weil der Nostalgiefaktor so hoch ist, dass man als jemand, der Return Of The Jedi noch im Kino gesehen hat, zwangsweise schon beim Intro hyperventiliert, zum anderen weil sich der Film absichtlich enigmatisch und andeuterisch gibt, um Interesse am neuen „expanded universe“ (würg) zu wecken. Wirtschaftsprognose: Star Wars wird basierend auf diesem ersten Eindruck noch ziemlich long und prosper leben.

PS: Die lausige Schlusseinstellung (ein „spinning shot“) würde sich selbst ein Filmschüler verkneifen. Da kommt dann doch wieder der lens-flare-Poser in Abrams durch.

3 Gedanken zu „(Kurz)kritik zu Star Wars: The Force Awakens

  1. Als jemand, der „A New Hope“ damals im Kino gesehen hat, kann ich eigentlich nur verlieren. Ich hatte damals ein Erweckungserlebnis (ein adäquateres Wort finde ich leider nicht), das sich vermutlich niemals wiederholen wird. Hat es zumindest in all den vielen Jahren und Filmen nicht getan. Na ja, we will see. Aber es stimmt mich schon ein wenig optimistisch, dass du nicht enttäuscht bist.

  2. Ja, ich finde, das muss man auch mal würdigen, dass bei soviel Erwartungshaltung so wenig schief gegangen ist. Frohe Weihnachten und viel Spaß im Film, Werteste.

  3. Ich fand ihn fabelhaft. Ja, man wird schamlos emotional manipuliert, aber ich war trotzdem größtenteils glücklich. Das sah alles wirklich gut aus und fühlte sich auch so an.
    Dir und deiner Familie ein frohes Fest!

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