Warum ich keinen „FB-Like-Button“ einbaue, MC Winkel

Langsam komm ich mir ausgestoßen vor. Ich bin jetzt seit ein paar Monaten ein deaktiviertes Facebook-Mitglied, weil ganz entkommt man der Saubande ja nicht mehr. Es war gar nicht unbedingt eine politische Entscheidung, mich aus dem sozialen Hetzwerk zurückzuziehen, sondern eher eine soziale. Beziehungsweise asoziale. Weil mir in diesem Facebook einfach zuviele Leute sind und ich plötzlich nicht mehr das Gefühl habe, den gesellschaftlichen Teil meines Lebens ganz unter Kontrolle zu haben. Ich entscheide eigentlich gar nicht mehr selbst, wen ich sehen will. Es sind ja immer alle da und meist auch noch zur selben Zeit. Das war mir schon damals auf den Sommerfesten meiner Eltern zuviel. Aber da gabs wenigstens ein kaltes Buffet.

Klar muss ich jetzt auch auf die Facebook-Bonmots vom Rationalstürmer verzichten, aber die Freiheit hatte schon immer einen hohen Preis. Immer öfter kommt es vor, dass Bands, die mich interessieren, ihre Mp3s oder neue Videos auf Facebook erstaustellen oder irgendwelchen exklusiven Videoinhalten eine Mitgliedschaft voraussetzen. Und gerade in meinem Berufszweig, wo sich sowieso keiner richtig, aber jeder jeden kennt, hat sich FB zum Laufsteg der Branchenbefindlichkeiten entwickelt. Ich will auch gar nicht einen auf Netzrebell machen und bei der Ehre meiner Mama schwören, dass ich mich da nie wieder blicken lasse, aber der wachsende Gruppenzwang – ein wichtiges und viel zu selten gebrauchtes Wort für soziale Netzwerke – macht mich trotzig. Und deswegen werde ich entgegen aller sozialen Quarantäne auch keinen Facebook-Button hier einbauen, mein guter alter MC.

Neuanfang

Das neue Jahr fängt mit einem guten Witz an, der sich – wie die besten Witze – sofort als Wahrheit entpuppt.

Etwas weniger mutig dürfte das im Frühjahr folgende Emo-Event „Marco W. – 247 Tage im türkischen Gefängnis“ ausfallen, der die Geschichte des deutschen Halbwüchsigen Marco W. aus der Perspektive seiner leidenden und kämpfenden Mutter zeigt. Und wer spielt die wohl? Genau: Veronica Ferres.
(Quelle: Spiegel.de)

Into Action: unreflektierter Montagsgrant

Weiß man ja immer nicht, ob man berechtigt sauer ist, oder obs einfach nur die Tagesform ist. Ich bin auf jeden Fall unleidig heute, vielleicht auch weil der Fotzenwinter einem serielle Striche durch die Pläne macht (Wenn der Winter überhaupt noch was Gutes bringen könnte, dann das, nur mit dem Stadion auf Schalke). Aber zum Thema:

Was denken sich eigentlich die Medien, wenn sie den VonzuGuttendepp und seine Alte die ganze Zeit hochjubeln? Ich meine auch dich, SZ, du Bildzeitung des bayerischen Bildungsbürgers und Exilberliners. Glaubt irgendjemand ernsthaft, dass dieser Von Donnersmarck der Politik diesem Land irgendwie zu politischen Diensten sein könnte? Der Mann ist bei der CSU, habt ihr das alle vergessen? Ich kanns gerne nochmal buchstabieren: C to the S to the fuckin U. Oder sind wir schon so verzweifelt, dass wir im Angesicht der jüngsten amerikanischen Depeschenplauderei und im Angesicht Angela Merkels jeden Politiker hochjubeln, der nicht aussieht, als wär ihm bei der Planung des nächsten Finanzhaushalts das Gesicht eingeschlafen. Aber was will man auch erwarten von einem Land, das sich von einem zynischen Eumelpolitiker wie Sarrazin aufwiegeln lässt?

Und dann das Theater um Gottschalk. Soll er aufhören oder nicht? Der Mann ist Moderator, kein Intendant und noch nicht einmal Produzent der Show. Es ist nicht seine Schuld, wenn das ZDF keine Matratzen auslegt. Dass er trotzdem ein schlechtes Gewissen hat, ist ja vollkommen okay und dass er bereit ist, sich verantwortlich zu fühlen, während der Loveparade-Typ (Schaller) ein gefühltes Jahr braucht, um sich für 16 Tote zu entschuldigen, ist auch ein feiner Zug, aber bevor Gottschalk wegen sowas geht, sollte sich erst das gesamte Personal dieser Freakshow-Freimaurer, die sich Privatfernsehen nennen, selbst entlassen. Denn wenn jemand Kopf und Kragen (und Ehre) fremder Leute der Quote zuliebe riskiert, dann die. Aber stimmt, für die zahlen wir ja keine Gebühren. Das ist auch eine traurige Einstellung: Wir zahlen Gebühren, also muss das Fernsehen geil sein. Wir zahlen keine Gebühren, sondern kaufen die Produkte aus den Werbebreaks, dann darf das Fernsehen auch ruhig die niedrigsten Instinkte bedienen.

Und apropos Film & Fernsehen: Seit ich in Mitte wohne, hab ich einen neuen Typ Frau entdeckt. Mitte dreissig, mittelmäßig bis mies aussehend, mit eher gutaussehendem Typ im Café sitzen und stundenlang über den Job in der Filmbranche labern. Meistens angebliche Regisseurinnen, Producerinnen, Koordinatorinnen, Projektleiterinnen oder Drehbuchautorinnen. Hören nicht mehr auf zu reden und wenn das Gegenüber auf dem Scheißhaus sitzt, ruft man einfach schnell jemand auf dem iPhone an, damit man bloß nicht aufhören muss zu redeb. Es mag auch nicht jedermanns Sache sein, wenn ich mich stundenlang im selben Café mit jemand über Fußball unterhalte, aber immerhin will ich nur mich und mein Gegenüber unterhalten und nicht das ganze Café. Ausserdem seh ich nicht so scheiße aus und kleide mich dazu aber so auffällig, dass es auch noch jedem auffallen muss, wie scheiße ich aussehe.

Es ist übrigens nicht so, dass ich mich supersympathisch finde, wenn ich so vollgasmosere. Im Gegenteil, meine Misanthropie ist so gerecht, dass ich mich auch gleich selbst mithasse. Aber jetzt entschuldige ich mich schon für meine renterhafte Grantelei. So weit kommts noch.

Booklet

Heute hab ich mich gefragt, warum man nicht mehr die Texte mitliest bei seinen Lieblingsplatten. Früher saß ich bei jedem neuen Album über dem sogenannten Inner Sleeve und habe jede Textzeile genauestens mitverfolgt und unbekannte Vokabeln nachgeschlagen und meinem aktiven englischen Wortschatz hinzugefügt. Besonders im Heavy Metal konnte man viele Fachbegriffe aus der Mythologie und Kriegshistorie dazu lernen.

Klar, heutzutage Flut von Platten und überbordender Zugriff auf zu viel Musik von zu vielen Künstlern, aber das ist es nicht. Nein, als ich neulich bei einer Iron-Maiden-CD versucht habe, die Texte mitzulesen wusste ich plötzlich wieder, warum ich das nicht mehr mache. Die Texte sind zu klein abgedruckt in den CD-Booklets. Kein Mensch kann das lesen. Selbst mit meiner Tausend-Augen-Brille wurde mir nach einer Minute schwindlig. Jetzt habe ich angefangen, die Texte im Netz nachzuschlagen. Das kann’s ja auch nicht sein.

Na ja, wollte ich mal gesagt haben, dass die Texte in den Booklets zu klein sind. Na und? Man kann auch mal über etwas Belangloses bloggen. Es ist ja grade keine Bundesliga.

3D

Fick dich, 3D. Und zwar überall: auf der IFA, im Fernsehen, im Kino, auf der Playstation und auf dem iPhone. Fick dich, verpiss dich, keiner braucht dich. Du verdunkelst das Bild und machst Schädelweh. Du siehst albern aus und bildest alles andere als die Realität ab. Ernsthaft: jemand, der behauptet 3D wäre näher am echten Leben, hat einen kolossalen Sehfehler. Die Deutschen kann man ja verarschen, die stecken ihr kollektives Monatsgehalt dann ins Leasing eines 3D-Flatscreens. Eine Technologie aus den 50er Jahren woll’n die uns andrehen. Eine Second-Hand-Innovation. Frechheit und deshalb Selbstfickung, 3D! Was kommt als nächstes? Virtual Reality? Das Internet?

So wird das nie was…

..mit dem Bezahlfernsehen in Deutschland. Weil, wenn ich euch nämlich jetzt erzähle, dass Sky mir schon zum zweiten Mal eine falsche Smartcard geschickt hat und ich voraussichtlich deswegen schon den zweiten Bundesligaspieltag verpasse, dann überlegt ihr es euch sicher auch zweimal ob ihr da ein Abonnement abschließt. Damit ist Sky automatisch auf Platz 2 in die Top 3 meiner Dienstleistungsdeppenliste eingestiegen. Aktuelles Ranking:

1. T-Mobile (1)
2. Sky (-)
3. Versatel (2)

Kachelmann

Sitz ich neulich so auf dem Pfaffenberger Volksfest bei einem Schweinebraten, einem gesalzenen Emmentaler und einer Maß Stöttner-Festbier, da sagt meine Mutter – hoffentlich schon angetrunken – Hey du siehst ja aus, wie der Kachelmann. Mir fällt quasi die Gabel aus der Hand und ich sage Frechheit. Mein Vater lacht herzlich mit und sagt was von Spaß verstehen. Ich verstünde in dieser Hinsicht keinen Spaß, sage ich, der sich mit längeren Haaren immer eher als der deutsche Johnny Depp sieht als der Kachelmann. Die Eltern lachen weiter, nur meine Frau versteht, dass ich da keinen Spaß verstehe. Ich sage zu meiner Mutter, sie wolle ja auch nicht, dass ich sage, sie sähe aus wie Inge Meysel. Jetzt ist meine Mutter auch gekränkt. Das wollte ich eigentlich gar nicht. Vielleicht liegt es daran, dass die Meysel schon tot ist. Der Kachelmann hat nur Unglück über meine Familie gebracht. Mehr Unglück könnte eigentlich jetzt nur noch Google-Streetview bringen und den Neidern im Dorf verraten, wieviel Solarzellen wir auf dem Dach der Werkstatt haben. Aber bis sich mal ein Streetcar nach Grafentraubach verirrt, hab ich wahrscheinlich wirklich das Alter und das Doppelkinn vom Kachelmann erreicht.

Transpirationsvarianten

Es gibt Schweiß und es gibt Schweiß. Es gibt den, der sich mit der Sonnencreme vermischt und mit dem Chlor aus dem Freibad. Der, der einfach den ganzen Tag über nur beweist, wie sehr die Sonne scheint. Und dann gibt es den heutigen Schweiß. Der vermischt sich mit den Abgasen, mit dem Gestank der Müllabfuhr und den Knoblauchausdünstungen vom Italiener gestern. Meine Sonnencreme ist machtlos gegen dieses Ekel.