The Making Of Black Mandel

Der Verlag hatte mich damals, gleich nach der Abgabe des Black-Mandel-Manuskripts gebeten, eine Art Brief an den Leser zu verfassen, um ein wenig die Motivation hinter dem Buch zu erläutern. Herausgekommen ist eine Art schriftliches Making-Of, wie ich finde.

Berlin, der 7. März 2012

Lieber Leser,

ich weiß nicht, ob Sie „Mandels Büro” gelesen haben, aber erlauben Sie mir noch ein paar Worte dazu. „Mandels Büro” war ein Zwitter aus Kriminalroman, Mediengroteske und der Geschichte einer langsam zum Teufel gehenden Freundschaft. Wenn ich das Buch heute in die Hand nehme, sehe ich auch die Satire und eine sanfte Entblößung der Musikindustrie darin – als ich es geschrieben habe, ging es mir nahezu ausschließlich um die Evolution oder eher die Regression der Beziehung zwischen Max Mandel und Sigi Singer. Am Ende des ersten Romans war mir klar, dass er lediglich den Anfang einer Entwicklung bei meinen Charakteren darstellt und ich fühlte mich förmlich gezwungen, den Figuren weiter zu folgen. Max Mandel, der nie ganz greifbaren Lichtgestalt, den selbst der missmutigste Kommentar des Erzählers Sigi Singer nicht zu entzaubern vermag und eben Sigi Singer selbst, der Underdog, der im-Windschattenboxer, der ewig zweite Detektiv.

Klar war: für einen zweiten Fall muss die Konstellation bestehen bleiben und trotzdem alles anders werden. Die beiden müssen weg aus ihrem Büro, aus ihrer Stadt, die ja für die beiden Süddeutschen ohnehin schon ein Exil darstellt. Die beiden müssen noch weiter in die Fremde, so weit bis aus der Fremde eine feindliche Umgebung wird, in der nicht nur ihre Freundschaft, sondern auch ihr musikalischer Sachverstand und ihr kriminalistisches Gespür nicht mehr ausreichen, um Herr der Lage zu bleiben. Eine Umgebung, in der sie gezwungen sind, sich mit den drei elementaren Fragen ihres Daseins als Rock’n’Roll-Detektive auseinander zu setzen. Bin ich schon zu alt für Rock’n’Roll? Wogegen rebelliere ich noch? Was zum Teufel tu ich hier überhaupt?

Der Dokumentarfilm „Until The Light Takes Us” über die Norwegische Black-Metal-Szene der 90er Jahre und was von ihr übrig blieb, lieferte mir das Szenario für diese Fragen. Die Geschichte des Norwegischen Black Metals ist nicht nur eine Geschichte voller Grausligkeiten und morbider Kriminalfälle, sondern auch die Geschichte einer gesellschaftlichen Entfremdung. Sie ist spannend, brutal und politisch zugleich. Mandel und Singer poltern mitten in diese Historie hinein und müssen am Ende nicht weniger aufarbeiten als die Vergangenheit einer extremen Jugendbewegung und ihre eigene Jugend gleich mit dazu.

In „Black Mandel” ermitteln Mandel und Singer in Bergen. Ich war dort. Die Leute sind freundlich, es regnet das ganze Jahr und die Stadt wird von Felsen und schlechtem Wetter belagert, so dass nur wenig Licht in sie eindringt. Sie ist sauber und schön designt, aber ihr hängt eine gewisse Traurigkeit an, die dazu führt, die Dinge mit mehr Humor und Kaltschnäuzigkeit zu nehmen als wir das hier in Deutschland tun. Und es scheint fast so, als brächten Mandel und Singer mit ihrer Anwesenheit in Norwegen einen Knoten zum Platzen, der nicht nur sie selbst, sondern eine ganze Stadt dazu zwingt sich die alten Fragen zu stellen: Bin ich schon zu alt für Rock’n’Roll? Wogegen rebelliere ich noch? Was zum Teufel tu ich hier überhaupt?

Viel Vergnügen mit „Black Mandel”.

Herzlich,
Ihr Berni Mayer