Das falsche Tagebuch: St. Maxime

Neulich an der Côte d’Azur gewesen. Ein paar Sachen sind mir aufgefallen: weniger in die Ewigkeit hineindarbende Bausünden als an der italienischen Adriaküste oder der Costa Brava, keine Imbisse, ständig nur Spezialmenüs aus der gottgleichen provenzalischen Küche zu gesalzenen Preisen, alle Männer tragen leicht herausgewachsenes weißes Haar und Poloshirts mit Emblemen drauf, ähnlich abstößlich wie von Camp David.

Der Opel Klopp (verwirrenderweise auch firmierend unter Opel Mokka) war unser Leihauto und abgesehen davon, dass man das Telefon per Bluetooth anschließen konnte, um fünfmal hintereinander Kendrick Lamars „Backstreet Freestyle“ auf Wunsch des Vierjährigen zu hören, weil K.L. da einen Maserati („Vroom Vroom“) nachmacht und außerdem so schön und oft „Biatch“ sagt, was der Vierjährige jetzt auch kann – also davon abgesehen ist dieser Opel Mokka ein fahrbarer Haufen unnütze Technologie mit einer Bedien-Konsole, die selbst einen Windows XP-Benutzer verwirren muss.

Zurück zu den Franzosen. Natürlich sprechen sie wirklich kein Englisch. Und kein Spanisch. Und kein Deutsch. Stell dich also mal ohne die Leo-App (weil kein Internet) und ohne Sprachführer in den Supermarkt und frag nach Haferflocken. Die Resultate sind ganz erstaunlich. Ganz erstaunlich war auch die Alarmanlage von der Nachbarsvilla, die zwei Nächte fröhlich durchgeblasen hat wie ein kaputter Defenders-Automat über die Rock-Am-Ring-Hausanlage. Aber hey, der Inhaber war im Ausland, die Polizei hat gesagt, heute ist Sonntag und der Greenkeeper hat behauptet, es wäre das Auto vom Parkplatz gegenüber.

Aber ich will nicht nur meitern, wie man im Süden Deutschlands sagt. Denn selten so was Schönes wie St. Tropez gesehen, selten – eigentlich noch nie – ein dergestalt gutes Pistazien-Softeis gelutscht. Auch in Port Grimaud, einer Art mediterranem Bauhaus-Venedig in petite sehr wohl gefühlt und oben in den buchstäblich hautengen Gassen von Gassin. Letztlich doch ein schöner Urlaub, wären da nur nicht die vielen Familienmitglieder gewesen, die einen ständig vom „Risiko“ (von Steffen Kopetzky)-Lesen abgehalten haben mit so Sonderwünschen wie Badengehen, Ausflügemachen, Windelwechseln oder Transformers-Rollenspielen.

Aber am Schönsten war das Ende vom Urlaub, als ich am Flughafen in Nizza die Reisetasche vom Sohn hab stehen lassen. Als ich zehn Minuten später an den Ort des Geschehens – ergo des Vergessens – zurückkehre, hat eine Division von Sicherheitsbeamten schon ein Dreieck aus Absperrband um die Tasche gespannt, aus der vorwurfsvoll der Bärbär vom Vierjährigen lugt. Das Bombenkommando wird auf meinen ausdrücklichen Wunsch abbestellt und ich muss auch die angedrohten 7.000 Euro nicht zahlen – es ist wie gesagt alles etwas teurer in Südfrankreich. Als ich auf Englisch wissen will, wo die Tasche gefunden wurde, versteht man mich nicht. Ist ja auch nur eine potenzielle Massenlebensgefahr durch einen Sprengstoff-Teddy, wer muss dazu Englisch können. Ansonsten Bombenurlaub.

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PS: Schade um Dusty Rhodes.