2015

Sensation! 2015 habe ich nicht mehr alte Musik als neue gehört. Ein gutes Jahr für Musik, ein schlechtes für den Weltfrieden, aber das geht ja oft Hand in Hand. Und ich sags lieber gleich, bevor mich jemand in Fachgespräche verwickeln will – etliche der neuen Platten hab ich nur einmal gehört, ich bin kein Musikfanatiker. Nie gewesen entgegen popular belief.

Platten:
Sufjan Stevens – Carrie & Lovell
Grimes – Art Angels
Bilderbuch – Schick Schock
Kendrick Lamar – To Pimp A Butterfly
Iron Maiden – Book Of Souls
Slayer – Repentless
Courtney Barnett – Sometimes I Sit And Think…
Tribulation – The Children Of The Night
Albert Hammond Jr. – Momentary Masters
Kacey Musgraves – Peageant Material
Jeff Lynne’s ELO – Alone In The Universe
The Go! Team – The Scene Between
Bry Webb – Provider (2014)
Chvrches – Every Open Eye
The Weeknd – Beauty Behind The Madness
Baroness – Purple
Beach Slang – The Things We Do To Find People Who Feel Like Us
Vince Staples – Summertime 06
Third Eye Blind – Dopamin
Kamasi Washington – The Epic

Alte Platten:
Leatherface – Razorblades & Aspririn (Boots, Mush, Minx Remastered)
ZZ Top – Tres Hombres
Simon & Garfunkel – Sounds Of Silence
James Taylor – Sweet Baby James
Thelonius Monk – Monk’s Dream
Charlie Mingus – East Coastin
The Pogues – Rum Sodomy And Lash
Steely Dan – Countdown To Ecstacy
Megadeth – Rust in Peace
The Grateful Dead – The Best Of Skeletons From The Closet
Bry Webb – Free Will
Kashmir – No Balance Palance

Lieder:
Baroness – Shock Me
Kendrick Lamar – King Kunta
Bilderbuch – Schick Schock
Chvrches – Leave No Trace
Grimes – California
The Weeknd – Can’t Feel My Face
Macklemore & Ryan Lewis – Downtown
Slayer – Repentless
Iron Maiden – Empire Of The Clouds
Whiz Kalifa/Charlie Puth – See You Again
Frank Turner – The Next Storm
Third Eye Blind – Say It
Jason Derulo – Want To Want Me
Carly Rae Jepsen – I really like you
Jeff Lynne’s ELO – Dirty To The Bone
Albert Hammond Jr. – Losing Touch
The Go!Team – The Scene Between
Deichkind – So ne Musik
Bry Webb – River Of Gold (2014)
Kacey Musgraves – Dime Store Cowgirl
Ghost – From The Pinnacle To the Pit
Sufjan Stevens – Fourth Of July
Bry Webb – Rivers Of Gold

Alte Lieder:
Kendrick Lamar – Backstreet Freestyle
Action Bronson – The Come-Up
The Grateful Dead – Casey Jones
The Grateful Dead – Onkel John’s Band
ZZ Top – Waiting for the Bus
James Taylor – Fire And Rain
Thelonious Monk – In Walks Bud
Tori Amos – Pretty Good Year
Jimmy Cliff – Vietnam
Simon & Garfunkel – Blessed
Kashmir – California
Johnny Nash – I Can See Clearly Now
The Pogues – The Main Drag
Nick Cave – From Her To Eternity
Tygers Of Pan Tang – Take It
The Knife – You Take My Breath Away
Iron Maiden – To Tame A Land
Rush – Great Designs
Beyonce – Countdown
Scout Niblett – Gun
Ryan Adams – Starting To Hurt
NWA – Fuck the Police
Leatherface – I Live For You

Spiele:
Knights Of The Old Republic II (MacOS)
Batman: Arkham Knight (PS4)
Shadow of Mordor (PS4)
Fallout 4 (PS4)
FIFA 15 (PS4)
Crossy Road (iOS)
Wrestling Revolution 3D (iOS)
Altos Adventure (iOS)
Yeti Skiing (iOS)
Sword Of Xolan (iOS)
The Banner Saga (MacOS)

Filme:
Sicario
Locke
It Follows
Slow West
Whiplash
Birdman
Star Wars: The Force Awakens
Bone Tomahawk
Blackfish
Arts & Craft
The Impostor
Inside Out
Avengers: Age Of Ultron
Das ewige Leben
Mad Max: Fury Road
Predestination
Inside Out (Alles steht Kopf)

Alte Filme:
Three Days of Condor
Chinatown
Jaws
She Wore A Yellow Ribbon

Serien:
Justified S06
Fargo S02
Daredevil S01
Narcos S01
Better Call Saul S01
Master Of None S01
Jessica Jones S01
Crossbones S01
Game Of Thrones S05
Bojack Horseman S02
Making a Murderer S01

Bücher (2015 gelesen):
Steffen Kopetzky – Risiko
E.M. Remarque – Im Westen nichts Neues
Daniel Bryan – YES! My Improbable Journey…
Michael Eberth – Eidinger (Interviewbuch)
Reynolds/Alvarez – The Death Of WCW (Revised Edition)
Alan Sepinwall – The Revolution was Televised
Don Winslow – Power Of The Dog
Don Winslow – The Cartel
Vaughan/Staples – Saga Vol. 5 (Comic)
Snyder/Capullo – Batman: Endgame (Comic)
Charles Soule – The Death Of Wolverine (Comic)
Miller/McNiven – Old Man Logan (Comic)
Wilson/Alphona – Ms. Marvel (Comic)

Das falsche Tagebuch: 24. Dezember 2015

weihnacht15

Ich glaub ja schon an den Fortschritt.
Heute Nachmittag rauf zum alten Kloster gefahren. Die Allee mit den moosgichtigen Krüppelbäumen entlang gelaufen, vorbei an den Apfelgärten und dem neuen Sportzentrum bis ganz nach hinten zum alten Klosterkrankenhaus, wo ich auf die Welt gekommen bin. Ehrfürchtig herumgestanden und wieder nach Hause gefahren. Es war gar nicht das Alter und gar nicht die Sentimentalität, es war die Neugier, die mich trieb.

Tollste Sache am Älterwerden: die Neugier. Was mich heutzutage alles interessiert, das hätte ich als Jugendlicher nie gedacht. Im Grunde interessiert mich jetzt alles, während mich früher nichts interessiert hat. Ich bin mit 41 in der Lage, mich in Details und Marginalien von Fachgebieten hineinzufriemeln, für die ich bisher nichtmal als interessierter Laie in Frage gekommen wäre. Handwerkliche Tätigkeiten, Blumen gießen, Kopfrechnen, Kommasetzung. Na gut, streichen wir Letzteres.

Ich glaub wirklich den Fortschritt, allerdings nicht an seine Geschwindigkeit. Ich glaube an eine humanistische Erosion. Was mich nur so schreckt, ist die unverwüstliche Eitelkeit. So komplex sich die meisten Konflikte auf der Welt darstellen, so unlösbar sie scheinen und so situative Superkräfte sie uns auch abringen mögen, so klar und erschreckend deutlich ist die Eitelkeit, die die Kriegstreiber und Fanatiker dahinter antreibt. Es ist meist nicht Armut, Hunger oder Perspektivlosigkeit – so findet man halt seine Arschgesellen – sondern die schiere Angst vor der Bedeutungslosigkeit. Und ein jeder ist so grausig korrumpierbar von ein bisschen Bedeutung, die vielzitierten 15 Minutes of Fame sind zur globalen Maxime geworden. Scheißegal welcher Religion du angehörst, ob du beim IS, bei Pegida oder im Kegelverein bist, du willst for fuck’s sake nochmal was darstellen. Und das schneller und potenter als die anderen. Und wenn nicht du, dann dein Kind, um mal als Vater zu sprechen, der täglich mit Eltern zu tun hat, die ihre Geltungssucht in Stellvertreterkriegen ihre Kinder austragen lassen.

Das Kompetitive muss aus der Gesellschaft verschwinden und ich möchte vom Kapitalismus mal hören, wie er sich das in Zukunft vorstellt. Das Perfide ist ja, dass das ein uralter humanistischer Gedanke ist, den grade jetzt immer mehr teilen und der auch durch die moderne Presselandschaft spukt, die allerorts auf Fairness, Gleichberechtigung und Pazifismus pocht. Gleichzeitig ist unsere Presselandschaft so eitel, so hyänig, so unruhig, unrund, ungeduldig, ja ungehalten geworden. Es ist natürlich keine Lügenpresse und ich will sie auch keineswegs verdammen, ich bin ja ein Teil davon – wir sind nur alle so panisch auf der Suche nach Kanten und Meinungen und erfinden die Schlagzeilen vor dem Inhalt und somit auch vor der Wahrheit. Viele Schreiber, die sich zurecht seit der Schulzeit über die Bildzeitung aufgeregt haben, haben den Hang zur Schaumschlägerei, zur Essenzialisierung der Inhalte, egal wie komplex sie sind, übernommen, weil es ihnen am meisten Aufmerksamkeit und Applaus verschafft.

Aber egal, ich glaub‘ an den Fortschritt, daran, dass der Homo Irritatus lernen muss, seinen brutalen Ehrgeiz zu zügeln, egal ob er gerne Andersgläubige köpft, leidenschaftlich Mieten erhöht oder Bücher über seinen Darm schreibt. Oder wie neulich mal der Cafébesitzer bei mir im Viertel gesagt hat: „Wenn du nicht mehr unbedingt so viel Geld verdienen willst, bist du auf dem besten Weg, ein moderner Mensch zu werden.“

An unserem alten Kloster hat mir das alte Klostergefängnis gefallen. Schöner Bau am Hang, wo jetzt Leute auf eigene Kosten drin wohnen, hoffentlich mit überschaubarer Miete. Sah wahnsinnig gemütlich aus. Frohe Weihnachten allerseits.

(Kurz)kritik zu Star Wars: The Force Awakens

Ums gleich vorweg zu nehmen: ich hatte eine Fetzengaudi, fühle mich aber ein wenig benutzt.

Im Einzelnen: Sehr gutes Ensemblekino, originelle, sich das offensichtliche Augenzwinkern meist sogar sparende Dialoge, mitunter liebenswerte Sidekicks inkl. Roboter (von der Hackfresse C3PO mal abgesehen) und mit Daisy Ridley eine Hauptdarstellerin, der ich auch nackt mit Ewok-Allergie nach Endor folgen würde. Dazu Effekte und Setpieces, die sich trotz Ikonenstatus sehr natürlich anfühlen (I’m looking at you, broken down AT-AT)

Auch Darth Vader Junior und seine sich ankündigende Evolution in Gestalt von Kyle Reno (oder so) macht sofort Appetit auf mehr interstellare Gehässigkeiten. Adam Driver hat einfach die Ohren für einen kleinkarierten Supervillain. Das kann man leider von Darth Gollum (bzw. Snoke bzw. Darth Plagueis? bzw. Andy Serkis) als Imperator-Epigone nicht behaupten. Aber der ist ja auch bisher nur fernmeldetechnisch anwesend. Und wie gesagt, auf der Schaupspieler/Figurenebene gibt’s nichts zu meckern. Alle funktionieren beim Zuschauer so wie sie sollen, niemand ist seelenlos platzhalterisch.

Dafür die Handlung. Der Plot ist mutlos bis zu einem Punkt, wo aus der eigenständigen Handlung lediglich eine Referenz wird. Formulaisch ist das richtige Wort, Remake (von „A New Hope“) vielleicht auch kein falsches. George Lucas war da mit den Prequels innovativer, er hat zwar hochdubiose Green-Screen-Panoptiken mit miesen Dialogen und ohne Spannungsbögen gedreht, aber in Punkto Star-Wars-Mythologie hat er sich doch weiter aus dem Fenster gelehnt als nur die originale Trilogie zu recyclen. Force Awakens ahmt in den wichtigsten Handlungsschritten den ersten Star Wars so originalgetreu nach, dass der Plot bis ins Detail vorhersehbar wird.

Fazit: Ich war trotzdem glücklich und bin sehr neugierig drauf, wie’s weitergeht, bin aber auch zu beiden Gefühlen erpresst worden. Zum einen weil der Nostalgiefaktor so hoch ist, dass man als jemand, der Return Of The Jedi noch im Kino gesehen hat, zwangsweise schon beim Intro hyperventiliert, zum anderen weil sich der Film absichtlich enigmatisch und andeuterisch gibt, um Interesse am neuen „expanded universe“ (würg) zu wecken. Wirtschaftsprognose: Star Wars wird basierend auf diesem ersten Eindruck noch ziemlich long und prosper leben.

PS: Die lausige Schlusseinstellung (ein „spinning shot“) würde sich selbst ein Filmschüler verkneifen. Da kommt dann doch wieder der lens-flare-Poser in Abrams durch.

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Kurzkritiken zu Bridge Of Spies, Insidious 3, Prisoners, The Gift, Bone Tomahawk

BRIDGE OF SPIES
Vielleicht habe ich zuviel Don Winslow in letzter Zeit gelesen, aber BoS kam mir dagegen vor wie eine alterschwache Angorakatze, die mir in der Novemberkälte die Füße wärmt, weil sie zu faul ist aufzustehen. Bedeutet: Altmodische aber erfreulich klare amerikanische Moralvorstellungen, das Pacing ein langer ruhiger Fluss aber auch nur selten das Gefühl von Ohnmacht gegenüber den Verhältnissen. Selbst der gehässige DDR-Unterhändler Vogel wirkt zu keiner Zeit bedrohlich und bekommt sein Fett ausreichend durch einen verweigerten Handschlag weg. Aber Spielbergs Zen-Filmerei dürfte dann von mir aus dennoch etwas verstörender ausfallen, zumindest wenn die Coens das Drehbuch schreiben und nicht in eine Art Tom-Hanks-Nummern-Revue ausarten, welche die Tristesse des kalten Krieges (dessen atomare Drohkulisse hier seltsam ungefährlich wirkt) ausgerechnet mit völlig überinszenierten Szenen des Berliner Mauerbaus bei 20 Grad Minus bebildert. Russenpeitsche deluxe quasi. Am Ende wird es mir dann wie bei so vielen Spielberg-Filmen zu staatstragend, aber in Zeiten wie diesen ist daran grundsätzlich nichts auszusetzen.

INSIDIOUS CHAPTER 3
Im Grunde überflüssiges Prequel zu zwei guten Vorgängern (Nachgängern?), das beinahe die letzte Luft aus meiner ursprünglichen Begeisterung für Geisterjägerfilme a la The Conjuring rauslässt. Mal schauen, ob Conjuring 2 noch reinhaut, denn das für all diese Filme Pate stehende Familienghostbusterunternehmen Warren hat eigentlich eine Menge mehr zu erzählen als das Standard-Repertoie von Jumpscares und Gruselomas. You know what? Eigentlich hab ich mich doch ganz gut amüsiert, die Hauptdarstellerin Stephanie Scott lässt einen dann irgendwie gut mitleiden bei ihrer Haunted-House-Migräne.

PRISONERS
Weil ich Denis Villeneuves Sicario so großartig fand, hab ich auch dem völlig deprimierenden Entführungsfilm „Prisoners“ eine Chance gegeben. Und fand ihn zu niederschlagend, um ihn zu Ende zu sehen. Freudlos und dann doch zu gewollt Freudianisch.

THE GIFT
Unfetziger Psychothriller-Shit, wie er in den Nullern zurecht ausgestorben ist. Dachte ich. Immer im Unklaren sein ist nur dann ein valides Stilmittel, wenn es nicht zum Selbstzweck erhoben wird. Außerdem ist der Zeitgeist einfach längst an solchen Nachbarschafts-Slashern vorübergaloppiert.

BONE TOMAHAWK
Leck mich am Arsch, was für ein Gorefest. Allerdings erst im letzten Drittel. Bis dahin wirklich ein guter Western. Ob man allerdings 2015 noch fleischfressende Native Americans zeigen darf, die anständige Siedler verschleppen und verspeisen, ist die andere Sache. Ich halt mich da raus, und erfreue mich wie schon in Fargo Season 2 an der nonchalanten Aufrichtigkeit von Patrick Wilsons Charakter und natürlich an Kurt Russels Schnauzer.

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