Kurzkritik zu Skyfall

Skyfall fängt berauschend an und serviert gleichzeitig mit Pokerface und angenehmer Ironiefreiheit seine zu erwartenden Stunts. Und noch übersieht man die ein oder andere flapsige Bond-Konvention, weil man sie Sam Mendes zunächst nicht zutraut. Aber der Hälfte, genauer gesagt ab Javier Bardem (alias Cesar Romero’s Joker, siehe Bild), driftet der Film aber dermaßen ins irrelevant Herkömmliche ab, dass man denkt, man sei in Cloud Atlas und grade habe wieder der Regisseur gewechselt.

Es wird so schnell so meta-albern, kalauernd und klischeetreibend, das hätte man sich mit keinem noch so hochmodernen Sony-Produkt der Welt ausrechnen können. Bis man sich dann von Plotloch zu Plotloch quälend langsam bis zum melodramatischen Ende durchgepattet hat, ist längst die Lust auf einen neuen Bond vergangen. Mag schon sein, dass Mendes uns lediglich den Dualismus zwischen der guten alten Zeit (dem Agentenfilm alter Schule) und der Allmachtsphantasie einer total kontrollierten Gegenwart (siehe Bourne & Co) einbläuen wollte, aber er hätte ja nicht gleich den ganzen zweiten Teil des Films dafür opfern müssen. Am Ende ist man – und man verzeihe wenigstens mir das altmodische und flapsige Wortspiel – eher erschüttert als gerührt von dem Nonsens.

Und vielleicht gehört auch das zu Sam Mendes‘ Retrospirenzien, aber das Frauenbild hat er bestenfalls einem Connery-Bond entnommen, siehe Frau fährt Außenspiegel ab, Frau muss man ins Lenkrad greifen, zu einer duschenden Frau steigt man ohne Ermunterung nackt in die Dusche, und Frau kann eh nicht schießen und gehört an den Sekretärinnen-Schreibtisch und nicht in den Außendienst.

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Kurzkritik zu Led Zeppelin – Celebration Day (Uraufführung Berlin)

Das Schlechte vorneweg: seelenloses Bühnenbild und nackiger Sound, vor allem für eine Band, die wie keine andere für röhrenwarmen Blueskrach der 70er steht. Ansonsten erstaunlich viel Liebe und Vertrauen auf der Bühne. Die Band steht so nah zusammen, als müsste sie auf der Bühne Fußballergebnisse austauschen, aber genau das macht es so schön kommunig.

Plant singt super, improvisiert geschmackvoll, Page sieht aus wie ein alternder, aber immer noch sexuell top im Saft stehender Baulöwe und bluest einen ins Rohr, als hätten sie ihn gerade aus dem Mississippi-Delta gefischt, John Paul Jones gentlemant sich an Bass und Keyboard fehlerfrei und wie das gute Gewissen der Band durch den Abend und Jason Bonham ist eben kein Bonzo. Er sieht aus wie der entfernte Cousin aus Eggenfelden, der beim Zoll arbeitet und seine Abende beim Eisstockschießvereinsstammtisch absitzt und er hat nicht auch nicht wie sein Vater eine Magnum-Flasche Schnaps neben dem Drumkit stehen, was meiner Meinung nach das zurückgelehnte Spiel vom Papa erklärt. Außerdem sieht er selbst mit einer Generation Rückstand fast älter als der Rest der Band aus. Gut getrommelt hat er trotzdem.

Über die Songauswahl zu debattieren ist ja leidig, und welcher Musiker entspannt sich nicht gerne mal bei einer halben Stunde „Dazed & Confused“. Das hat schon alles gepasst mit den Hits und den Mucker-Stücken. Es ist ja eh erstaunlich, wie sperrig diese Band ihre sehr guten Kompositionen doch oft rüberbringt und wie unverhältnismäßig exakt sie dennoch auch heute noch einen Massengeschmack treffen. Für mich war das auch deswegen ein sehr schöner Abend, weil ich auf der Großleinwand Jimmy Page mal wirklich auf die Finger schauen konnte und sehen, dass er zwar kein Houdini, aber ein verdammt, verdammt guter (und immmer noch sehr schneller) Bluesgitarist ist, an dem ich mir gerne weiterhin ein Beispiel nehme, auch was die Altersfrisur betrifft.

Und es war sehr schön, im Anschluss John Paul Jones im Gespräch mit Alan Bangs (dessen Outfit: weniger schön) zu erleben, weil er wirklich so ein feinsinniger und höflicher Mensch ist, also Jones nicht Bangs. Gelungener Abend oder wie mein Vater, der im Geiste immer neben mir saß, sagen würde: „San scho guat, die Led Zeppelins.“

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Garten

Kleine Improvisation zwischendurch. Wind, Wetter, Tod und Zen, kennt man ja von früher, als ich noch über was anderes als meine Bücher und Fußball geschrieben habe. Ergo gebloggt.

Atlantisches Nordamerika steht auf dem Schild und kurz danach kommt das Pazifische und man gerät ins Schwimmen. Von grünen Gezeiten wird man verschleppt auf eine Anhöhe der Gleichgültigkeit, in der man vor lauter Sehenswürdigkeit nichts mehr sieht und nur noch spürt, dass es längst nichts mehr zu sehen gibt. Eine milddunkler neonfarbener Laubmantel wird über die Schultern gelegt, dass einem der stumpfe Oktoberwind gestohlen bleiben kann, und wenn die herbstliche Sonne die bereits an die Dunkelheit gewöhnte Sehschärfe endgültig erblinden lässt, ist man im Auge des späten Jahres, auf dem goldenen Höhepunkt angekommen, bevor es hinab geht in die eisigen Tiefen des ostdeutschen Winters. Es ist liegt wieder so etwas Sterbendes in der Luft, so etwas Platzschaffendes, so ein Raunen, so ein Enden. Und eine Reise, die man mit der größtmöglichen und schönsten Gleichgültigkeit antreten kann, denn besser wird das Wetter jetzt eh nicht mehr.

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Kurzkritiken zu Looper, Dark Shadows, Snow White And The Huntsman, Men In Black 3

LOOPER
Zeitreise-Sci-Fi-Noir-Nerdstückwerk ohne Charaktertiefe und hohem Anbiederungswert bei Remake-, Reboot- und Comicverfilmungsübersättigten inklusive dem ein oder anderen massiven Zugeständnis an Die-Hard-Bruce-Willis-Fans (Knarren, Explosionen, One-Man-Army und so). Im Prinzip ein guter Film, der bei mir nicht die erwünschten Zeitreiseparadoxonfragen hinterlässt, sondern zwei andere: 1. Warum werden neuerdings dauernd kleine Kinder in Filmen umgebracht? und 2. Was zur Hölle ist mit Joseph Gordon-Levitts Gesicht los?

DARK SHADOWS
Sehr amüsante, wenn auch etwas zusammengeschusterte Gruselette, die anfangs eher auf subtilen Humor setzt, bevor sie ab der Mitte unnötig albern, kitschig, brutal und damit überhaupt nicht mehr subtil ist. Fühlt sich stellenweise ein bisschen so an wie „Der Tod steht ihr gut“, erreicht aber nie dessen Gemeinheit. Wunderschönes bleiches Mädchen, diese Bella Heathcote. Und das als Australierin.

SNOW WHITE AND THE HUNTSMAN
Der reinste CGI-Swinger-Club und deshalb trotz dünner Handlung feist anzuschauen. Chris Hemsworth gekonnt hemdsärmelig, Charlize Theron herrlich herrisch und Kristen Stewart eine glatte Null auf der Charaktertiefenskala. Letztlich nicht mehr als eine Fingerübung im neogrimmigen Effektkino.

MEN IN BLACK 3
Alleine wegen Michael Stuhlbarg (der geniale Arnold Rothstein aus „Boardwalk Empire“) sehenswert. Josh Brolin und sein altes Ego Tommy Lee Jones ergänzen sich perfekt in der Ahnentafel der Agentengrantler, während Scientology-Opfer Will Smith den Film nicht weiter daran hindert, lustig zu sein. Auch Jemaine Clement (Flight Of The Conchords) liefert einen gutturalen Superjob als Boris The Animal („It’s just Boris!!“) ab. Sehr spaßiges Ensemblekino.

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Black Mandel: Buchtrailer

Wie hoffentlich alle verinnerlicht haben, kommt am 12.11. mein zweites Buch „Black Mandel“ heraus. In dem ermitteln die beiden Chaos-Detektive Max Mandel und Sigi Singer im norwegischen Black-Metal-Milieu, und man könnte fast meinen, es wäre in Bergen, Norwegen eigentlich ganz friedlich zugegangen bis die beiden Wirrköpfe dort auftauchen. Um das bereits im Vorfeld zu illustrieren, habe ich über mehrere Monate an einem Trailer herumgebastelt und es hat sich als geradezu Odinhafte Aufgabe erwiesen, das passende Footage aus Norwegen zu bekommen. Am Ende hat es grade noch geklappt, deshalb ein Riesendankeschön an Giggi Rettberg und Bjørmar Vik Moldskred. Die Musik am Ende des Trailers ist von meiner Band The Gebruder Grim und für Musik im Auto hat sich die fiktive Band Dark Reich nicht gerade lumpen lassen. Es sprechen: meine Wenigkeit und der grandiose Markus Kavka. Viel Spaß beim Blair-Mandel-Project.

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Ein paar Rezensionen…

…zur „Bamberg Apocalypse“ gibt’s hier. Previously on burnster.de: Meine Metal-Kapelle THE GEBRUDER GRIM hat grade ihr erstes Album veröffentlicht.

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Bamberg Apocalypse

Mein erstes Metalalbum herausgebracht, und das mit 38. Das kann uns doch allen noch Mut machen, lebt Euren Traum, haha. Ich übernehm mal einfach den Text von der Bandwebsite.

The BAMBERG APOCALYPSE is upon us. Loud and proud we officially unleash our first full length album „Bamberg Apocalypse“. You can get it:
via iTunes
via amazon.de
via amazon.com
via bandcamp

You may also listen to it on bandcamp in full length or order a limited physical copy with an original Gebruder T-Shirt for 15 Euros or just the album for 10 Euros at info(at)gebruder.com! Greatest thanks to Alex Fuchs for the cover photography and the video (along with Tobias Wulff), Barbara Mayer for the artwork, Dirk Bremshey and Skycap for distribution and most of all our eternal Gebruder and ex-bass-player GRIM for playing bass on „Supercharged“, „We Are The Dead“ and „Waltz Of Death“. Special thanks to MC Fitti for appearing in the „King Of The Graves“ video.

Bring the noise!
The Gebruder
(Wolfman X, The Goat Bishop, Tower)

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Kurzkritiken zu The Cabin In The Woods, Hunger Games, The Raid: Redemption

The Cabin In The Woods:
Drew Goddard und Joss Whedon nehmen eine absurde Idee für einen Meta-Horrorfilm und gehen mit ihr den ganzen langen Weg bis zum Ende. Brutal lustig, bizarr und herzlich – eine Perle.

Hunger Games:
Gary Ross nimmt eine geklaute (Battle Royal) Idee und geht mit ihr ebenfalls den ganzen langen Weg bis zum Ende. Und auf dem langweilt man sich ab der Mitte beinahe zu Tode.

The Raid: Redemption:
Der indonesische Action-Splatscher braucht überhaupt keine Idee und choreographiert und parodiert sich in ausufernder Gewalt den ganzen langen Weg bis zum Filmende durchgehend selbst. Das knackt!

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Kurzkritik zu Prometheus

Kulissen für die Ewigkeit, Logikkrater noch und nöcher, ein überzuckertes Ende, und die dümmste Raumschiffcrew, die es jemals durch den interstellaren Zoll geschafft hat. Die Streihanseln auf der Nostromo damals waren Preußische Beamte dagegen. Typisch für ein Drehbuch von Lindelof („Lost) ist das Aufwerfen von mehr Fragen, als man selbst jemals zum Alien-Mythos hatte und die absolut frustrierende Weigerung, auch nur eine davon zu beantworten. Am Ende weiß man nichts, aber doch mehr, als man jemals über die Entstehung der Xenomorphen wissen wollte. Und der Android (an sich gut gespielt vom Fassbender) ist ein offensichtlicherer Falschspieler als Horst Seehofer. Der Film hat trotzdem soviele zünftige Optiken, das man ihn sich unbedingt anschauen sollte.

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Meine Generation

Indie-Leute, Musikfans und erweiterte Bekannte, die Scooter tolerabel, lustig, cool oder gar kultig finden, haben keinen Anstand und keine Vision. Keine Idee, was sie mit ihrem Leben anfangen (oder wie sie es beenden) sollen. Überhaupt habe ich selten so einen selbstbeweinenden, jämmerlich unideellen, langweiligen Haufen gesehen wie meine Generation. Ich muss nur das Facebook aufschlagen oder den Gesprächen in Berlin Mitte lauschen, die Visionslosigkeit, schlägt einem überall hart ins Gesicht. Statt einer Idee nur panische Eitelkeit. Der Unterschied zu früher ist allerdings, dass mir das früher scheißegal war, was meine Generation treibt. Dass ich mich jetzt darüber aufrege und überhaupt analysiere, was andere Leute tun, ist schon ein Schritt in die ganz falsche Richtung. Natürlich kommt das von der guten alten Existenzangst. Familie versorgen und all der Unsinn, der süddeutsche Spießer sitzt tief drin in der Schaltzentrale, auch bei mir. Aber deshalb schreib ich das hier auch auf, als Warnschuss. Und eigentlich, weil ich immer schon mal folgenden Satz zitieren wollte. Weil es nie jemand besser und schöner auf den Punkt gebracht hat als die Band Seaside Stars.

„My generation’s arranging time generating mine.“
(Seaside Stars: My Generation)

Und das ist weiß-Gott kein Protestsong. Es geht eher darum, sich ein wenig in der schönen Nichtsbedeutung der eigenen Person zu verlieren. Ein bisschen über die Girls nachdenken, wie sie über den schmelzenden Asphalt schleichen, darüber wie es jetzt wohl am Meer wäre. Wie großartig es ist, jeden Tag neben solchen Leuten wie Dir aufzuwachen, neue Schnapssorten zu probieren, mit dem besten Freund am Tresen sitzen und zu beobachten, wie die Zeit sich nicht bewegt und nur das Glas immer leerer ist. Dem Bart beim Wachsen zuschauen. Sex tun, schwimmen, laufen, schlafen, scheißen. Aussortieren ohne Zeitdruck, wissen, wem man vertrauen kann, ohne seinem eigen Urteil zu misstrauen. Zeit schaffen, Zeit Zeit sein lassen. Schreiben, aufschreiben. Aufnehmen. Abspielen. Ganze Alben hören, alte Fotos verbrennen, weil vorher egal ist – und dabei Gras rauchen. Weißwein saufen wie Wasser, zum Franzosen gehen, zum Italiener, zum Griechen, zum Spanier, solange es die alte Welt noch gibt. Sich in den Regen stellen bis einen das Wasser aus den Schuhen hebt und nie über die Hitze klagen. Nächtelang wachliegen und fernsehen, sich keine Gedanken über die Maschinenseele von Facebook machen, nicht twittern, belanglos sein. So belanglos, wie wir geworden sind, als wir zuhause ausgezogen sind. Sich vorstellen wie es am Meeresgrund ist. Die Tür zumachen. Das Fenster aufreissen. In den Abgrund lachen und alt werden.

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