Kurzkritiken zu The Cabin In The Woods, Hunger Games, The Raid: Redemption

The Cabin In The Woods:
Drew Goddard und Joss Whedon nehmen eine absurde Idee für einen Meta-Horrorfilm und gehen mit ihr den ganzen langen Weg bis zum Ende. Brutal lustig, bizarr und herzlich – eine Perle.

Hunger Games:
Gary Ross nimmt eine geklaute (Battle Royal) Idee und geht mit ihr ebenfalls den ganzen langen Weg bis zum Ende. Und auf dem langweilt man sich ab der Mitte beinahe zu Tode.

The Raid: Redemption:
Der indonesische Action-Splatscher braucht überhaupt keine Idee und choreographiert und parodiert sich in ausufernder Gewalt den ganzen langen Weg bis zum Filmende durchgehend selbst. Das knackt!

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Kurzkritik zu Prometheus

Kulissen für die Ewigkeit, Logikkrater noch und nöcher, ein überzuckertes Ende, und die dümmste Raumschiffcrew, die es jemals durch den interstellaren Zoll geschafft hat. Die Streihanseln auf der Nostromo damals waren Preußische Beamte dagegen. Typisch für ein Drehbuch von Lindelof („Lost) ist das Aufwerfen von mehr Fragen, als man selbst jemals zum Alien-Mythos hatte und die absolut frustrierende Weigerung, auch nur eine davon zu beantworten. Am Ende weiß man nichts, aber doch mehr, als man jemals über die Entstehung der Xenomorphen wissen wollte. Und der Android (an sich gut gespielt vom Fassbender) ist ein offensichtlicherer Falschspieler als Horst Seehofer. Der Film hat trotzdem soviele zünftige Optiken, das man ihn sich unbedingt anschauen sollte.

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Kurzkritik zu The Dark Knight Rises

„This is a stock exchange. There’s no money for you to steal.“
„Then what are you people doing here?“

Bevor ich jetzt die Mängelliste anbringe, will ich vorausschicken, dass ich mich großartig unterhalten habe und dass ich Christopher Nolan als Revisionär des Superheldenkinos auch nach diesem Film hoch ansehe. Und jetzt ist aber auch wieder gut mit dem Ultrarealismus seiner Batman-Filme. Man muss ja nicht gleich wieder zurück zur tragikomischen Gothik eines Tim Burton (geschweige denn zum Edel-Trash eines Joel Schumachers), aber ein bisschen mehr Nacht und Mystik tun der Figur jetzt sicher wieder gut.

Genau wie einfachere Plots. Denn letztlich läuft die vollkommen zerfahrene Handlung lediglich auf den üblichen Rache- und Vergebungskonflikt hinaus, da hätte es keine Verwicklungen gebraucht, die man in der Regel in 12 Folgen The Wire erzählt. Am Ende geht’s ja doch nur wieder um eine Atombombe.

Die Figuren gestalten also den Film: Hardys Bane ist ein harter Typ (auch ohne das Venom) mit einer nicht immer ganz leicht zu dechiffrierenden Phonetik (nach den ersten Screenings sogar noch überarbeitet worden), aber er ist eben auch kein Joker, dessen puristische Lust an der Bösartigkeit ganz ohne Masterplan auskam. Anne Hathaway spielt eine gute Selina Kyle (Catwoman) und sieht wider Erwarten nicht albern in ihrem Kostüm aus. Christian Bale, seit jeher mimischer Schwachpunkt der Reihe, zieht endlich alle vorhandenen Register und Gary Oldman ist nach wie vor der fleischgewordene Gordon, als ob er direkt aus einem Loeb & Sale-Batman herausgesprungen wäre. Nichts gegen Joseph Gordon-Levitt, aber seine Rolle ist so sehr auf eine einzige Schlusspointe ausgelegt, dass man sie samt der Pointe auch hätte weglassen können. Ähnliches gilt in abgeschwächter Form auch für die Cotillard.

Der einen Tick zu bedeutungsschwangere Soundtrack von Hans Zimmer ist erneut eine Stimmungskanone, auch wenn er manchmal sogar den einen oder anderen Dialog verschluckt. Der Film ist monströs groß, breit und lang, so dass er zuviel mit Pseudo-Intellekt verknüpft, um ihn gar nicht zu mögen. Für die Batman-Geeks gibt’s ein paar nette Anspielungen an das Comicuniversum (Killercroc, Knightfall, Thalia Al Ghul, Lazarus Pit etc.), aber über Nolans Version von Robin müssen wir nochmal reden. Manchmal erscheint der Film zu absichtlich wie eine Meditation über Bankenkrise, Occupy-Dings und die Auflösungserscheinungen der Zivilgesellschaft, aber das drängt sich nicht unangenehm in den Vordergrund. Wenn man ein bisschen den Schwamm über die unnötig komplexe Struktur (hinter der sich eigentlich nichts verbirgt) und diverse Risse in der Logik macht, dann ist das ein okayer Abschluss für eine jetzt schon legendäre Trilogie.

Für die Erbsenzähler in Sachen Plotlöcher ist das hier der richtige Artikel. Aber Achtung, der spoilert gewaltig und kann einem auch ansonsten die Lust an dem Film verderben, wenn auch fast jeder Einwand seine Berechtigung hat (v.a. die Frage, ob Batman neuerdings Street Artist ist)

NACHTRAG: Und hier mal ein Beispiel für eine Überinterpretation. Das ist das Schlimme an der ZEIT: sie kann nicht einfach einen Film rezensieren, sie muss gleich eine völlig überinterpretierte Zeitgeist-Groteske draus stricken. (Noch schlimmer ist nur der Spiegel, der was von Helden in Strumpfhosen faselt.)

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Kurzkritiken zu 13 Assassins, 21 Jump Street, Wrath Of The Titans, Iron Sky

13 Assassins:
Zahm für Miike-Verhältnisse, aber immer noch brutal. Die Charaktere sind für einen Rachethriller fast liebenswert kauzig, wenn auch zunächst schwer zu unterscheiden wegen dem einheitlichen Samurai-Schnitt. Keine Synchro, sondern Untertitel, was dem Film gut tut. Der halbe Film besteht aus dem Endkampf. Freude.

21 Jump Street:
Nicht, dass die Originalserie jetzt Hochkultur gewesen wäre, aber die pubertäre Scheiße die man jetzt draus gemacht hat, braucht auch kein Mensch. Und diese Meta-Witzchen über Remakes in Remakes noch weniger.

Wrath Of The Titans:
Furchtbarer Schnitt. Dass ich nicht eingeschlafen bin, ist dem völlig arhythmischen Timing geschuldet. Der Vorgänger war schon keine Leuchte, aber hier geht endgültig das Licht im Tartarus aus.

Iron Sky:
Hat mich die ganze Zeit an Bully Herbigs „Traumschiff Surprise“ erinnert.

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Kurzkritik zu The Amazing Spider-Man

Anfangs dank der Hauptdarsteller Stone/Garfield noch ganz erträgliche Spidey-Schmonzette, die sich ab der Hälfte mit einem 0815-Bösewicht (schwach: Rhys Ifans), einer erzdrögen Handlung (warum in Gottes Namen schon wieder die ganze Mythologie aufrollen) und einer Überdosis Kitsch ihr eigenes Grab schaufelt. Und James Horner erledigt hier einen dermaßen schlechten Job beim Soundtrack, dass ich das erste Mal in meinem Leben von einer Filmmusik mehr genervt bin als vom eigentlichen Film. Trotz der schön inszenierten Akrobatik also eine herbe Bauchlandung für Regisseur Mark Webb, dessen Handschrift (vgl. 500 Days Of Summer) farblos bis nicht vorhanden ist, um’s mal mit Monaco Franze zu sagen.

NACHTRAG: Und warum ist Peter Parker in jedem Spider-Man-Film so eine betonte Heulsuse statt ein schlagfertiger, ironischer Typ. Es geht doch auch beides, sieht man bei mir. Und warum reisst er sich (auch schon bei Raimi) ständig seine Maske vom Kopf? Batman macht das doch auch nicht.

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Kurzkritiken zu Moonrise Kingdom, Mission Impossible 4, Haywire, The Thing, Sherlock Holmes 2, The Woman In Black, We Bought A Zoo

Moonrise Kingdom:
Zu wenig Murray, zu wenig Mysteriöses, zu coole Kids. Wohl dosiert dagegen: Musik, Willis, Norton.

MI4:
Tom Cruises Frisur spielt wie entfesselt.

Haywire:
Lässiger ist noch kein Actionfilm an mir vorüberspaziert. Unglaublich laszive Zweikampfszene mit Carano und Fassbender. Das war „Salt“ in gut!

The Thing:
Ach ja. Mary Elizabeth Winstead edelt für mich ja jeden Film. Wahrscheinlich ist er auch so gar nicht so übel, aber seit dem Original ist viel Zeit und Monsterkram vergangen, das Herumtentakeln haut einfach niemand mehr vom Hocker. Schon gar nicht wenn man eh nur noch auf „Prometheus“ wartet.

Sherlock Holmes – A Game Of Shadows:
Überraschend unüberzogen. Eloquent und elegant hoffnungslos und sinnentleert noch dazu. Mad Mens Jared Harris als Moriarty taugt was.

The Woman In Black:
Grandios ausgestatteter Retro-Horror mit einem dämlichen Ende.

We Bought A Zoo:
Mensch, Cameron Crowe.

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Kurzkritik zu Avengers

Was funktioniert: Dialoge, Humor, Mark Ruffalo, Gwyneth Paltrow.

Was nicht funktioniert: Plot, überlanges Finale, Hawkeye ohne Kostüm, der Vergleich mit The Dark Knight, einen solchen Film nach Elfmeterschießen Real Madrid vs. Bayern München anzuschauen

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Kurzkritiken zu The Descendants, Take Shelter, Immortals und Warrior

THE DESCENDANTS:
Das Leben ist in diesem Film trotz Tod, Kapitalismus und Fremdgehen ein langer ruhiger Fluss. Mit einer geradezu unheimlichen Ruhe macht Alexander Payne aus einem Haufen kaputter Leute eine echte Familie. Manchmal muss halt erst einer sterben, bevor was vorwärts geht.

TAKE SHELTER:
Wer Michael Shannon als Federal Agent Van Alden in Boardwalk-Empire kennt, weiß wie gut er ist und braucht sich diesen Film nicht anzusehen. Das ist aufgesetztes Psychogramm-Kino, das mit der Angst der Amerikaner vor Naturkatastrophen spielt und einen Westeuropäer eher in trockenen Tüchern lässt.

IMMORTALS:
Um mich mit einem hellenistischen Metzel-Epos zu vergraulen, muss man schon viel falsch machen. Tarsem Singh kriegt’s hin.

WARRIOR:
Rocky 1-3 trinkt Brüderschaft(!) mit Mixed Martial Arts. Das ist oft bisserl stumpf, aber oft auch erhebend und niemals schlecht geschauspielert.

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Kurzkritiken zu The Innkeepers, Final Destination 5, Crazy Stupid Love

THE INNKEEPERS
Gut ist dieser sogenannte „Slow Burn“, den Ti West in seinen Filmen exerziert. Dadurch rückt selbst das kleinste Details in den Focus, weil man ja weiß, dass man einen Horrorfilm schaut und irgendwann was passieren muss und es an jeder Ecke einen Hinweis darauf geben kann. Die Dialoge geben zwar noch nicht ganz so viel her wie bei erprobten Redefilmern (Sorkin, Tarantino, Allen), aber dafür sind Darsteller wie Sara Paxton wie aus dem Leben gegriffen. Zumindest bis zum Schluss, denn wie schon in House Of The Devil wirds plötzlich ganz furchtbar unplausibel und gehetzt, was den langsamen Aufbau wieder ein bisschen zunichte macht. Und irgendwie ärgert man sich dann doch über die mühsam angesammelten Details, die letztlich gar nichts zu bedeuten hatten. Dennoch der beste Spukfilm der letzten Zeit.

FINAL DESTINATION 5
Ich mag immer noch die Prämisse, dass der grimmige Senser seine verlorenen Schäfchen einsammeln muss, aber dass man selbst in der fünften Inkarnation so sturköpfig beim selben Schema (Ausflugskatastrophe/Tod holt alle Überlebenden/Tod lässt einen aus/Tod holt den Rest) bleibt, ärgert mich. Aber schließlich ist die finale Destination ja nicht der Oscargewinn, sondern die Kinokasse und insofern stehen uns wohl noch ein paar Endhaltestellen ins Haus. Ach ja, der Tod am Reck war super und jeder, der das in der Schule machen musste, wird mitfühlen können.

CRAZY STUPID LOVE
Merkwürdiger Film über das äußerst merkwürdige Verhalten merkwürdiger Leute in merkwürdigen Beziehungen. Die ein oder andere Pointe mag greifen, wenn man Steve Carell nicht so wie ich als total nervig empfindet. Der in dem Film auf parodistisch zum Überaufreisser stilisierte Ryan Gosling entdeckt dann plötzlich seine Gefühle und wird vom archaischen Volldepp zur zentralen Sympathiefigur, das fand ich saustupid, da schaffte es auch die crazy überspielende Emma Stone nicht mehr, mir Love für diesen Humbug abzuringen.

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Kurzkritiken zu Moneyball, Tinker Tailor Soldier Spy, Drive, Ides Of March

Hab die Rubrik lange vernachlässigt, aber jetzt sind wieder ein paar Filme zusammen gekommen.

MONEYBALL
Aaron Sorkin könnte selbst aus meinem Leben noch einen spannenden Film machen. Ich verstehe nach über zwei Stunden zwar noch immer keine einzige Baseball-Regel, aber dadurch ist das fast ein Mystery-Thriller. Monströs coole Vorstellung von Brad Pitt.

TINKER, TAILOR, SOLDIER SPY
Ich hab den deutschen Titel grade nicht parat, aber er klingt nach der Fortsetzung eines Guy-Ritchie-Films. Gottseidank ist er in Wirklichkeit einer der besten Agentenfilme, die nie in den 70ern entstanden sind. Die Unaufgeregtheit ist nervenaufreibend, die Kalter-Krieg-Kulissen lassen einen selbst im gut beheizten Kino frösteln und die Brillen von Gary Oldman treiben jedem Fashion-Week-Gänger Tränen der Freude in die Augen. Die entfesselte Tiefenschärfen-Verlagerung ist der einzige ästhetische Maulwurf des Gegenwartskinos, der sich in dieses Spion-vs.-Spion-Szenario eingeschlichen hat.

DRIVE
Diesmal sag ich’s mit Frank Lachmann: „Er ist melancholisch nicht auf so eine kitschige düsterness-heidewitzka-tragisch –art, sondern auf eine ruhige, abgefuckte, angenehm deprimierende, lässige weise, so wie das zuvor nur einzelne (…) episoden von miami vice hinbekommen haben.“

IDES OF MARCH
In letzter Zeit kommen Filme, die eine imperiale Dialoggewalt und dennoch eine fast ehrwürdige Ruhe ausstrahlen, eher aus Amerika, denn aus Europa. Da vergisst man bei aller Schauspiel- und World of Wordcraft gerne, dass die Handlung gar nicht so originell ist. Aber das ist auch wurscht, weil das ist das Leben ja auch nicht. Starker Zweisitzer für Goosley und Clooning!

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