Brenners Bundesliga 2010/2011 (12)


Spieltag 12: Mut zum „ch“

Wenn ich das schon hör: der neue Focus-Titel „Mut zum Ich“ erzählt uns irgendeinen Bullshit von wegen Erfolg durch Authentizität und bebildert dabei groß mit Thomas Müller (vollkommen okay) und mit Lena Meyer-Landruth (ABSOLUT NICHT OKAY!). Letztere ist ja wohl der Inbegriff von gestelzter Pseudo-Natürlichkeit und dieser fremdbeschämenden jugendlichen Kokettierei mir der Ironie als Stilmittel zur Vorschützung von Kollegstufen-Bildungs-Bürgertum. Widerlich. Und deshalb schau ich so gerne Fußball. Da finden sich nur selten die Lenas, Westerwelles und Merkels dieser Welt wieder (ausser es ist WM). Merkt ihr was? Ich hab nur Frauen aufgezählt.

FC Bayern – Nürnberg 3:0 (1:0)
Dass man den Kollegen Tymoshchuk in mannigfaltigen Varriationen seiner Schreibweise antrifft, ist ja nichts Neues. In letzter Zeit sind mir bei verschiedenen Sky-Kommentatoren auch phonetische Varianten aufgefallen. Fritz von Thurn & Taxis hat heute in der Mitte ein „ch“ betont. Damit hat der Ukrainer vereinsintern Demichelis in der Phonetikvarianz überholt. Apropos Timoschtschuk: der war ja bisher Platzhalter von Platzhirsch Van Bommel, der ihn angeblich auch im Training physisch an seinen Stammplatz erinnert hat. Am Sonntag Abend blieb Bommi aber schön draussen und machte ein Gesicht wie Tabellenplatz 12. Überragender Mann bei den Bayern: Daniel Pranjic. Der spielt auf Schweinsteiger-Niveau und am Ende muss man sich auch noch fragen, ob Pranjic verlängert. Gomez hätte ich auch gerne lobend erwähnt, aber sein Elfmeter am Ende war dann doch zu dämlich verschossen. Überhaupt haben die Bayern ein Elfer-Problem. Die letzten 5 von 8 vernulpt, das ist ungefähr die Quote von meiner Mama. Ansonsten nicht viel zu motzen. Und Ribery ist wieder da, die Rückkehr des Spaßfußballs könnte bevorstehen und der klassizistische Mittelstürmer Gomez damit bald wieder arbeitslos. Ein Wort noch zum Disput zwischen Pinola und Schweinsteiger: Egal ob Pinola wirklich gespuckt hat oder nicht, er sieht so aus als würde er spucken. Er hat quasi die reinste Spuckfrisur.

Mainz 05 – Hannover 0:1 (0:1)
Boden der Tatsachen. Ich hab Dortmund Unrecht getan, als ich ihre Konstanz in der Liga in Frage gestellt habe. Selbst in schwierigen Situationen und mit Doppelbelastung durch Europaliga zeigen die Gelbschwarzen die Kreativität, die Mainz zumindest vorübergehend eingebüßt hat. Hut ganz tief ab vor kämpferischen Hannoveranern und Kiefer nach unten für das extrem kompromisslose Tor von Pinto.

Bremen – Frankfurt 0:0 (0:0)
Frankfurt und Gekas gönnen sich eine verdiente Auszeit, aber das können die krisengebeutelten Bremer nicht ausnützen. Aber auch heute wieder verkehrte Welt im Weserstadion: Kein Gegentor, aber auch der Sturm bleibt windstill (den Wortwitz hab ich mich endlich getraut). Fehlen aber mit Almeida und Pizarro auch die geistreichsten Knipser und ein Marin allein macht noch keinen stürmischen Herbst (yes, noch so einer!).

Wolfsburg – Schalke 04 2:2 (2:1)
Idiotisch von Wolfsburg, das noch herzuschenken. Und Schalke drückt sich seit Wochen vor dem großen Knalleffekt, der den Magath wachrüttelt. Denn kaum gewinnt Schalke mal gegen St. Pauli wie letzte Woche, reden alle von Aufschwung. Ja, ja, Aufschwung im Abstiegskampf höchstens. Aufwachen!

Köln – M’gladbach 0:4 (0:0)
Apropos Abstiegskampf. Gladbach kann was in der Offensive, das haben sie auch gegen Bayern gezeigt. Jetzt müssen sie nur hinten dicht halten, was gegen die unkoordinierten Kölner nicht schwer fiel. Und ich prognostizier’s gerne nochmal: das war Podolskis letzte Saison in Köln, egal ob die den Dom in Kölle lassen oder nicht.

Kaiserslautern – Stuttgart 3:3 (0:2)
Idiotisch von Stuttgart, das noch herzuschenken.

St. Pauli – Leverkusen 0:1 (0:0)
Ich habs ja neulich schon erwähnt, aber ich mach mir ein bisschen Sorgen um die Paulis. Klar, die Mannschaft spielt gut und besonders am Millerntor war sie bisher kaum zu schlagen, auch Leberhausen (bei Matze Knops Van Gaal-Parodie geklaut) tat sich am Samstag schon recht schwer. Klar, die Hamburger haben sowohl Veteranen wie Asamoah als auch junge Löwen wie Fin Bartels, aber alles das haben die anderen Mannschaften in diesem Jahr eben auch. Pauli hat das Pech, in eine der stärksten Bundesligasaisonen der letzten Jahre hineinzuplatzen, und diese Party lässt sich nicht so leicht crashen. Nächste Woche gegen unter Vorstandsdruck stehende Wolfsburger wird’s nicht einfacher. Ich wünsch vor allem Stanislawski, dass er in der Liga bleibt, denn das ist ein cooler Hund.

Dortmund – HSV 2:0 (0:0)
Ich hab’s oben schon zugegeben, ich hab Dortmund unterschätzt. Der HSV hat eine gute Mannschaft, aber gewinnt nicht die wichtigen Spiele, läuft nicht rund. Ich würde langsam und unauffällig mal mit dem Finger auf Veh zeigen. Aber das bin nur ich. Was sagt MC Winkel dazu? Liest er überhaupt bis ganz unten mit, wenn ich seinen Namen nicht verlinke?

Hoffenheim – Freiburg 0:1 (0:0)
Es gibt selbst in dieser rasanten Saison Spiele, die mir dann wurscht sind. Das war so eins. Obwohl es um Platz 4 ging. Das muss man sich mal vorstellen, Freiburg auf Platz 4. Das zeigt, dass die Tabellenspitze zwar weit weg ist aber alles darunter quasi der Zaunnachbar.

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Brenners Bundesliga 2010/2011 (11)

Spieltag 11: Internationaler Gedenktag des verschossenen Elfmeters

Elfer verschossen: 4
Elfer getroffen: 3

Hannover – Dortmund 0:4 (0:1)
Ich sag euch jetzt, warum mich das maßlose Enteilen von Dortmund an der Tabellenspitze ärgert. Weil es nicht die Qualität der Mannschaft widerspiegelt. Wir haben jetzt mehrmals in der Europa-League gesehen, dass Dortmund im internationalen Vergleich kein absolutes Spitzenteam ist, also warum dominiert der BVB die dieses Jahr so starke Bundesliga nach Belieben? Junge Menschen wie Goetze und Großkreutz spielen sicher den Fußball ihres bisherigen Lebens, aber die Konstanz solcher Spieler ist noch längst nicht erwiesen. Ich sehe im Grundsatz Dortmund nicht stärker als Mainz, aber die Fähigkeit zur Selbstberauschung in der Liga scheint ausgeprägter, was am Trainer liegen könnte. Ich freu mich für Dortmund, wenn sie Meister werden, aber die Dominanz zum jetzigen Zeitpunkt muss nicht sein. Diesen Kagawa würde ich allerdings dringend einbürgern, wenn ich Jogi Löw wär. Durch die Verletzung von Stoppelkamp hat Hannover endlich Bayern eingeholt, was die meisten Invaliden im Kader betrifft. Sahin verschießt einen Elfmeter.

M’gladbach – Bayern 3:3 (1:2)
Dass Bayern ausgerechnet im Hurenhaus der Liga – wo jeder mal einen reinmachen darf – die Punkte liegen lässt, ist eine traurige Angelegenheit. Das Spiel war ein typisches Bayernspiel, das es so all die Jahre vorher auch gegeben haben könnte: Die Mannschaft ist spielbestimmend, aber wackelt in der Abwehr und wird dann für entscheidende 20 Minuten nachlässig. Dann hat ausnahmsweise mal der Butt einen schlechten Tag und schon gewinnst du eine todsichere Sache nicht mehr. Solche Spiele habe ich schon zu hunderten von den Bayern gesehen und etliche davon haben sie sogar verloren, nur lamentierte man üblicherweise auf einem hohen Tabellenniveau. Heutzutage sollte man sich eher Gedanken machen, wie man nächstes Jahr überhaupt in der Champions League spielen will, basierend auf einem vierten oder fünften Platz in der Liga. Ein Aus im Pokal ist durchaus vorstellbar, wenn es demnächst gegen Stuttgart oder danach vermutlich gegen Schalke geht. Ein Sieg der Königsklasse ist so gut wie ausgeschlossen, da verbleiben nicht mehr viele Qualifikationsmöglichkeiten. Nämlich KEINE. Jetzt, da Olic auch noch für den Rest der Saison ausfällt, haben die Bayern endlich auch ein Sturmproblem, denn Gomez wird nicht in jedem Spiel bis zum Ende der Saison Vollgas geben können und ob Robben wieder an seine Leistungen von letzter Saison anknüpfen kann, das muss sich erst zeigen. Zwei Dinge würde ich Louis Van Gaal ans Herz legen: Endlich seinen Spielern den fucking Ernst der Lage begreiflich machen und sich im Winter unbedingt in der maroden Abwehr und dem kränklichen Sturm zu verstärken. Und zwar hochkarätig. Wenn’s dann immer noch nicht klappt in der Liga, würde ich den Van Gaal raushauen, so sehr ich ihn mag. Ein Positivum gibt’s ja auch zu vermelden: Mit Tymoshchuk hat man eigentlich den Mittelfeldspieler gefunden, den man neulich noch in einem Khedira-Transfer erhofft hatte. Schweinsteiger verschießt einen Elfmeter.

Stuttgart – Bremen 6:0 (3:0)
Und Bremen kann sich genau wie der FC Bayern auch mal ein bisschen ernsthafter mit dem Thema Leistungs-Achterbahn beschäftigen. Man muss ja nicht gleich den Trainer feuern, aber die Arbeit von Thomas Schaaf darf ruhig ein bisschen in den Mittelpunkt gerückt werden, wenn ein dermaßen starker Kader so absäuft. Denn dass Stuttgart mehr kann als auf Tabellenplatz 21 absinken, dass hätte man sich denken können. Ein neues magisches Dreieck mit Marica, Gebhart und Cacau bahnt sich an und dem begegnet man am besten mit Abwehrspielern, falls Bremen sich überhaupt an die Job-Description von solchen erinnern kann. Cacau verschießt einen Elfmeter. Frings verschießt einen Elfmeter.

Leverkusen – Lautern 3:1 (1:1)
Die Werkself auf einem guten Weg zu einem konstanten Verbleib in der Tabellenspitze. Man fragt sich natürlich, wer am Ende der Saison zum Lachen in den Keller geht, wenn Schalke und Stuttgart sich da wieder raus geschossen haben. Man hofft, dass es weder Lautern noch Pauli ist, aber irgendwer muss den Job ja zusammen mit Gladbach machen.

Hamburg – Hoffenheim 2:1 (1:1)
Dem HSV ist in dieser Saison mal wieder alles zuzutrauen. Knallharte Kampfsiege wie dieser und dämliche Niederlagen wie neulich gegen Wolfsburg. Sahilovic schießt einen Elfmeter ins Tor.

Frankfurt – Wolfsburg 3:1 (2:0)
Gekas, Fußballgott. Beim Bart des Zeus, wenn die Frankfurter so weiter ballern, dann durchstoßen sie bald die Wolken in Richtung Tabellenolymp. Wortspieltopos Griechische Mythologie check. Gekas verschießt beinahe seinen Elfmeter.

Freiburg – Mainz 05 1:0 (0:0)
Der Tuchel wird langsam fahrig. Im Interview nach dem Spiel hat er sich den Frust deutlich anmerken lassen. Man kann’s ihm nicht verdenken nach den jüngsten Niederlagen, aber da guter Fußball ja heutzutage offenbar nur noch mental und nicht mehr über Leistung abgerufen wird, sehe ich den Tuchel deutlich im Hintertreffen gegenüber Kollege Klopp. Cissé schießt seinen Elfmeter ins Tor.

Nürnberg – 1. FC Köln 3:1 (2:1)
Ah, fast ich hätte ich Köln vergessen. Natürlich auch noch ein heißer Kandidat für die dreckigen Drei ganz unten. Wenn ich Podolski wäre, würde ich mich im Winter vom Acker machen. Scheiß auf die Loyalität, sonst ist es mit der Karriere bald vorbei. Jogi Löw bleibt auch nicht ewig Trainer und ob der Polder dann noch dieselben Privilegien genießt, sei dahingestellt.

Schalke – St. Pauli 3:0 (1:0)
Ja, verdient, ich gebs zu. Und mich freuts für Raul, nicht für Schalke an sich.

BONUS: Hat jemand das Spiel ManU gegen die Spurs gesehen? Das war das kurioseste Tor, das ich je live gesehen habe. Hier die Zusammenfassung, geborgt von GOAL.COM, weil ich’s als Video noch nicht gefunden habe.

Das war passiert: Nani stürmte zuvor in den Strafraum, wurde von Spurs Verteidiger Younes Kaboul gestoppt und fällt zu Boden. Doch der Elferpfiff von Referee Mark Clattenburg blieb aus. Nani lag frustriert auf dem Rasen und seine ausgestreckte Hand auf dem Ball. Das sah Spurs Keeper Gomes, schnappte sich die Kugel und wollte zehn Meter vorm Tor den Freistoß ausführen und nahm dafür Anlauf.

Das Problem: Der Schiedsrichter hatte offensichtlich in der unübersichtlichen Szene zuvor Nanis Handspiel gar nicht gesehen und das Spiel nicht unterbrochen. Nani schaltete ob des ausgebliebenen Pfiffs sofort, sprang auf, blickte kurz in Richtung Referee, der auf weiterspielen zeigte und schob die Kugel ein. Keeper Gomes und die Spurs waren danach außer sich, zumal der Referee die Fahne an der Seitenlinie gehoben hatte.

Doch Schiri Clattenburg ließ sich nicht umstimmen, gab das Tor. Spurs Trainer Harry Redknapp war nach dem Spiel stunksauer: „Nani hat seine Hand auf den Ball gelegt. Es war ein klares Handspiel. Ich glaube schon, dass der Referee das Handspiel aus seiner Position nicht gesehen hat, aber sein Assistent muss es gesehen haben und ein Freistoß für uns.“

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Erste Hilfe

Ich neulich abends unterwegs mit dem Auto. Stockdunkel, regennass und die Leute fahren wie Kranke. Auf dem Rücksitz Kind, Kegel und Frau. Irgendwo in Moabit stottere ich so am rechten Straßenrand entlang auf der Suche nach einem Parkplatz. Finde aber keinen. Blinke links und drehe auf offener Straße um, der Hintermann hat mich gesehen. Ist ihm aber egal, weil er mich trotzdem mit Karacho überholt, kurz bevor ich das Auto umdrehen will. Das war eng und unnötig, finde ich und drücke ungefähr 60 Sekunden ohne Pause auf die Hupe, während ich wende. Ein paar Meter weiter überholt mich dasselbe Auto schon wieder, dieses Mal in die andere Fahrtrichtung. Eine Kelle wird aus dem Fenster gehalten. Zivilpolizei.

Zwei Delikte, sagt der Bad Cop. Einmal rechts geblinkt, aber weder abgebogen, noch angehalten. Dann links geblinkt und gewendet, obwohl der Hintermann – ergo die Cops – angeblich schon im Überholvorgang begriffen waren. Angesichts des strömenden Regens und der Kindsituation übe ich eher debilen Gehorsam und händige freiwillig meine Papiere aus. Cops untersuchen das Auto und seine primären Funktionen. Verbandskasten ist im Jahr 2000 abgelaufen, deshalb werde ich jetzt genauer überprüft, sagt man mir.

Wir fahren in eine andere Straße, wo man bequemer parken kann. Der Bad Cop sitzt im Auto und überprüft meine Papiere. Der Good Cop sagt, es dauert nicht mehr lange. Dann reisst der Bad Cop die Tür von seinem Opel auf und ruft dem Good Cop zu: „Hey, das musst du dir ansehen“. Der Good Cop steigt in den Opel und bleibt da zwanzig Minuten. Vorher sagt er zu mir: „Bitte steigen Sie nicht wieder in ihren Wagen, sondern warten Sie draussen.“
Ich also tigernd um das eigene Auto herum wegen der Kleinkind-Situation und dem innerlich überbordendem Ärger. Es regnet immer noch in Strömen und wird quasi minütlich kälter. Cops kommen zurück mit meinen Papieren.
„Bitte weisen Sie innerhalb von zehn Tagen nach, dass sie einen neuen Verbandskasten haben.“
„Und wo?“
„Auf dem nächsten Revier. Können Sie auch gerne bei sich zuhause in Bayern machen.“

Fünf Tage später ich mit meinem bei Amazon bestellten Verbandskasten auf dem Revier in Mitte. Vier uniformierte Polizisten mit Pistolengurten und Kurzhaarschnitten schmunzeln, als ich den Verbandskasten vorzeige und tuscheln, als ich wieder gehe.

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Brenners Bundesliga 2010/2011 (10)

Spieltag 10: Torpediert

FC Bayern – Freiburg 4:2 (1:0)
Sicher sagt jetzt wieder jemand, der Hoeneß sei dem Van Gaal in den Rücken gefallen und klar, man kann immer darüber streiten, inwiefern man seine Unzulänglichkeiten im Verein öffentlich macht, aber im Profifußball ist die Aussenwirkung so dermaßen kohärent zur Innenwirkung, dass man schon manchmal gar nicht mehr dran glauben will, dass es sich um Sport und nicht um Religion handelt. Siehe Trainerwechsel in Köln. Aber zurück zum Schöpfer des „Nürnburgers“. Der hat nämlich gestern bei Sky gesagt, dass der Van Gaal ein Sturkopf ist und die Spieler, die jetzt den Karren aus dem Dreck fahren müssen, in der Verganenheit nicht genug Beachtung erhalten haben. Und da ist was dran. Van Gaal hat sich in Transferangelegenheiten, in der Spielermotivation und in Sachen Taktik ein paar gravierende Fehler geleistet und es ist doch reinster Luxus, dass es trotz zehn Punkten Rückstand auf die Spitze lediglich ein paar deutliche Worte vom Präsi auf dem Pay-TV-Sender setzt. Mir war das sowieso zu wenig FC Hollywood in letzter Zeit. In der Zwischenzeit hat sich die Notelf der Bayern warmgespielt. Pranjic macht mir das erste Mal begreiflich, warum Van Gaal ihn unbedingt wollte, Tymoschuk spielt so überzeugend, dass man sich wieder entfernt daran erinnert, warum man ihn geholt hat. Einen druckvollen Mittelfeldspieler mit Defensivqualitäten gibt er freilich deutlich besser als einen Zwangsverteidiger mit Drang in den Spielaufbau. Gomez spielt wieder wie ein Schwabe und selbst Ottl fällt nicht unangenehm auf. Schweinsteiger nähert sich im Gegensatz zu dem immer noch provozierend unlustig spielenden Lahm wieder seiner Bestform und ausgerechnet der ausrangierte Fehlpass-Meister Demichelis eröffnet den Torreigen. Es war überhaupt ein schönes Spiel, vielleicht das Schönste in der laufenden Bundesligasaison für den FCB.

Schalke – Leverkusen 0:1 (0:0)
Wenn du so wenig Punkte sammelst wie Schalke, hast du zwei Probleme. Erstens hast du zu wenig Punkte und zweitens gibst du natürlich im Duell gegen die Spitzenmannschaften zwangsweise früher oder später weitere ab, und dann hast du drei Probleme, weil du dann auch noch gegen den Abstieg anrennst. Schalke spielt ja nicht schlecht, aber eben nicht wie auf der Messers Schneide, auf der sie eigentlich gerade tanzen. Wie bei Bayern sitzt hier ein Sturkopf auf der Trainerbank, noch dazu ein allmächtiger. Und dem scheint der Ernst der Lage nicht so bewusst zu sein wie den eigenen Fans. Andererseits: es ist Schalke, worüber reg ich mich eigentlich auf…

Mainz – Dortmund 0:2 (0:1)
Zwei glänzend aufgelegte Mannschaften spielen selbst im Duell um die Tabellenspitze genau den Angriffsfußball, von dem immer alle reden, wenn sie Angriffsfußball meinen. Mir kommt das nach wie vor surreal vor, dass man mit dem Überschwang der Jugend und improvisierten Kadern den Rest der Liga so herspielen kann, aber ich will mich um Gottes Willen nicht beschweren.

Köln – Hamburg 3:2 (2:2)
Das beste Spiel eines sehr guten Spieltags. Köln mit genau dem Fußball, den ihnen der Soldo so ausdrücklich verboten hat. Podolski bittet Novakovic zum Tanz und der lässt sich nicht lang bitten. Es ist immer wieder erstaunlich, was für Energien so ein Trainerwechsel zunächst freisetzen kann. Wie oben schon gesagt: das ist mir manchmal ein bisschen zu viel Esoterik und zu wenig Sport.

Bremen – Nürnberg 2:3 (1:1)
Nächster Knaller mit vielen Toren, Stimmungs- und Tempowechseln. Allerdings nicht anders zu erwarten, wenn Bremen mitspielt.

Wolfsburg – Stuttgart 2:0 (1:0)
Diesem Diego will man nicht im Dunkeln begegnen. Zumindest nicht in einer Standardsituation.

K’lautern – Gladbach 3:0 (0:0)
Armes Gladbach. Erst kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu. Und die Verrückten Tiffert, Nemec und Lakic.

St. Pauli – Frankfurt 1:3 (1:1)
In einer Saison, in der bis auf Schalke und Bayern eigentlich alle auf höchstem Niveau spielen, muss man sich auch vor Frankfurt fürchten.

Hoffenheim – Hannover 4:0 (1:0)
Guter Abschluss eines äußerst fetzigen und torreichen Spieltages. Tut mir ein bisschen leid für Slomka und freut mich nicht für Rangnick.

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Kurzkritik zu Scott Pilgrim Vs. The World

Nerdverbundene Unterhaltung der oberen Gadgetklasse. Proppevoll mit guten Einfällen, wenige davon schlecht. Weil Edgar Wright bei der schönen Schaumschlägerei noch den lakonischen Humor der Comicvorlage findet, hat der Film einen hohen Wiederspielwert, wie man in der Games-Branche sagt.

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Brenners Bundesliga 2010/2011 (9)

Spieltag 9: Obermacker im Unterhaus

Hamburger SV – FC Bayern München 0:0 (0:0)
Das erste Spiel der Bayern in der laufenden Saison mit Herz und Seele. Leider mit stark dezimiertem Kader und deutlich unter Leistungsgrenze spielender Lahm, Schweinsteiger, Müller und Kroos. Langsam finde ich mich damit ab, demnächst um die Europa-League-Teilnahme mit Nürnberg zu ringen. Pitroipa trifft nie, sagt mein Freund T. aus Hamburg. Und eine Bitte an die Kollegen von Sky: Bitte nicht bei jedem Hamburg-Spiel irgendwas mit der Knalltüte Lotto King Karl drehen.

Eintracht Frankfurt – FC Schalke 04 0:0 (0:0)
Nicht gedacht, dass ich das jemals sage, aber Frankfurt ist zur Zeit nach Dortmund und Mainz die drittbeste Mannschaft der Liga. Und hat mit Gekas einen der besten schlecht aussehenden Stürmer der Welt. Schalke verwaltet weiter den Abstiegskampf.

Borussia M’gladbach – SV Werder Bremen 1:4 (0:2)
Zwei Mannschaften, die nach dem selben Prinzip spielen: Wer verteidigt, verliert.

SC Freiburg – 1. FC K’lautern 2:1 (1:1)
Vor Torbestie Cissé bekomme ich langsam Angst. Überhaupt scheint in dieser Saison ja beinahe jeder Underdog zum Klassenprimus zu reifen. Und umgekehrt. Langsam glaube ich auch, dass die Bundesliga eine echte spielerische Renaissance erlebt, die sich durch alle Schichten zieht.

Hannover 96 – 1. FC Köln 2:1 (2:0)
Das war ein Moment, bei dem mir die Haare zu Berge standen, als Soldo gestern vormittag live dem DSF-Fußballstammtisch zugeschaltet war und ihm Udo Lattek zwar bescheinigte, ein ganz feiner Kerl zu sein, aber auch ab Nachmittag ohne Job. Und genau so ist es dann auch gekommen. Feiner Kerl hin oder her, Zvonimir Soldo hat dem Verein maximal Stillstand beschert und eine Trennung kann die Desorientierung im Verein kaum verschlimmern. Trennen sollte man sich allerdings in der Hauptsache vom Dortmunder Totengräber Michael Meier, denn ein Zyniker wie der kann einem angeschlagenen Verein wie Köln nicht auf Dauer gut tun.

1. FC Nürnberg – VfL Wolfsburg 2:1 (1:1)
Der Club, schau einer an. Rückrunden sind das Ding der Nürnberger nicht, deshalb tun sie gut daran, sich vorm Winterschlaf noch ein paar mehr solche Siege zusammenzuhamstern.

Borussia Dortmund – 1899 Hoffenheim 1:1 (0:1)
Ein schönes und schnelles Spiel mit einem glücklichen Unentschieden für die TSG. Der Ausgleich fiel tatsächlich in der letzten Sekunde. No Sprichwort intended.

Bayer Leverkusen – 1. FSV Mainz 05 0:1 (0:0)
Diejenigen, die immer noch auf einen baldigen Leistungseinbruch von Mainz spekulieren, sollten sich schon mal einen Plan B überlegen.

VfB Stuttgart – FC St. Pauli 2:0 (1:0)
Neunzigminütiges Nickerchen vom Fußballgott.

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Kurzkritiken zu P3D, TOG und TLE

Piranha 3D:
Vielleicht werde ich alt, aber ich bin heute morgen mit schweren Bedenken in die Badewanne gestiegen. Und das grandios choreographierte und scheinbar nie mehr enden wollende Blutbad unter den Springbreak-Proleten hat mich tatsächlich ein wenig mitgenommen.

The Other Guys:
Vielleicht werde ich alt, aber ich kann über Tittenwitze und mit der Maurerkelle servierten Buddyhumor nicht mehr so lachen, wie zu Bud Spencer- und Terence Hill-Zeiten. Will Ferell spielt ordentlich, aber Mark Wahlberg (den ich im Grunde schätze) legt ein ganz merkwürdiges bis überhaupt kein Timing an den Tag. Bester Moment: Shaft und The Rock springen vom Dach.

The Last Exorcism:
Fantastische Darsteller und die bewährte unheilschwangere Verfallsstimmung Lousianas verhelfen dem Exorzistengenre zu unverhofft neuem Glanz. Zumindest bis zum Finale, denn ab da verwandelt sich der Psychohorror in astreine Okkult-Fantasy von der Sorte „Das Omen“ und das ist, als wolle jemand den Teufel mit dem Beelzebub austreiben: Überflüssig und aussichtslos. Vielleicht werde ich aber auch nur zu alt für sowas.

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Brenners Bundesliga 2010/2011 (8)

Spieltag 8: You Know When You’ve Been Marioed

Na, schau her, es geht doch. Kaum sind alle wichtigen Spieler (bis auf Butt) beim FC Bayern verletzt, kaum hat man keine 80 Prozent Ballbesitz mehr und spielt wieder Rumpelfußball, schon klappt’s wieder mit dem Gewinnen. Man muss Van Gaal hoch anrechnen, dass er erkannt hat, dass gerade in der Resignation das neue Erfolgsrezept liegt. Einfach alle Hoffnung fahren und Mario Gomez spielen lassen. Aber vielleicht war der gute Louis einfach nur so beschäftigt mit der Vermarktung der deutschen Version seiner ZWEIBÄNDIGEN Autobiografie, dass er die Woche über vergessen hat, seinen Schöngeistfußball (der steht im zweiten BAND) zu unterrichten. Wie auch immer, es hat funktioniert: Mario Gomez ist für eine Woche der Jesus des runden Leders und weil ein Bayernsieg derzeit so eine Ausnahmeerscheinung ist, gibt es ein Spezial mit allen noch gesunden Spielern in der Einzelkritik.

Butt: Da er ungefähr fünfzig Bälle nach vorne schlagen musste, der Entscheider im Spielaufbau. Baute nur einmal kurz ab, als er den Hannoveranern einen Ball im Fünfer direkt vor die Füße wischte, als wäre der Ball eher lästig denn torgefährlich.

Lahm: Hat neulich in einem Interview gesagt, er wäre noch nie so kaputt gewesen wie kurz nach der WM. Wenn das stimmt, erweist er sich gerade als irreparabel.

Tymoshchuk: Für einen Mittelfeldspieler (bis auf einen halbfatalen Ball in den Rücken der eigenen Leute) eine blitzsaubere Leistung in der Abwehr. Und ganz ehrlich: bevor ich wieder Gegners Liebling, Martin Demichelis, in die Innenverteidigung stelle, soll lieber noch Hermann Gerland hinten aushelfen. Bis zum nächsten Einsatz in der Startelf könnte für Tymoshchuk deshalb diesmal nicht mehr ein ganzes Jahr vergehen. Vielleicht nur noch ein halbes, weil er bei Kopfbällen aufs halbleere Tor aus fünf Metern Entfernung eben nicht ganz so flexibel ist.

Badstuber: Grandios liberös.

Braafheid: Graduell nervös.

Ottl: Stellenweise arg tollpatschig und nicht unbedingt auf dem Weg in die Stammelf.

Pranjic: Der rackert noch, wenn ihm nahezu der Unterkiefer weggezimmert wird, wie in der ersten Hälfte nach einem brutalen Check eines Hannoveraners zu begutachten.

Müller: Seit Robbens Ausfall die verlässlichste Offensivkraft der Bayern. Selbst wenn die Torgefahr nachlässt, bleiben seine undurchschaubaren Angriffwege erhalten. Durchschaut er selbst nicht immer, könnte man meinen.

Altintop: Die Schusskraft ist da, nur scheint er neuerdings seine Sehkraft einzubüßen. Nur so ist der groteske Verschießer ins Nichts zu erklären, den er in der zweiten Halbzeit verbrochen hat.

Kroos: Das was man einen Motor nennt. Leidet vor dem Tor allerdings unter dem selben grauen Star wie der Kollege Altintop.

Gomez: Mein Gott, Mario Gomez. Ich sag schon seit einem Jahr vor jedem Spiel: Das wird sein Durchbruch. Nur spielt er meistens nie. Aber dieses Mal habe nicht nur ich auf ihn gesetzt sondern auch die Chaostheorie, das Schicksal und der liebe Gott. Es kam alles zusammen: Die Rückennummer Gottes (33 Kumpels aus Chile), der Name des Auserwählten (Mario Gomez, wiederum Kumpel aus Chile), die Hand Gottes (beim 2:0) und der Körper Apollos (nicht aus Chile, sondern Griechenland). Wer da nicht an einen Fußballgott glaubt, hält Christoph Daum für einen guten Trainer und für unschuldig jemals Kokain eingenommen zu haben.

Schweinsteiger: Manchmal geb ich es ungern zu, weil er seine trainierte Brust immer so affig herausstreckt, aber wir brauchen diesen Mann beim FC Bayern. Und auch in der Nationalmannschaft. Ja, is halt so.

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Kurzkritik zu The Social Network

Stark erzählte nonkonforme Collegekomödie mit vielen Arschlöchern und wenig Handlung. Eine einzige soziale Metapher, aber für Facebookhasser wie mich ein Muß.

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