Ein gutes Geschäft

. . . oder warum der Firmino-Transfer ein Glücksfall für alle Beteiligten und Unbeteiligten ist

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Mitte Dezember 2014, fünfzehnter Spieltag der deutschen Bundesliga. Die TSG Hoffenheim gewinnt in einem spektakulären Spiel 3:2 zuhause gegen Eintracht Frankfurt. Notiert habe ich mir damals Folgendes im Brennerpass: „Hoffenheim dribbelt und doppelpasst unter der Leitung Firminos wie die brasilianische Nationalmannschaft von 1982.“ Ich erinnere mich auch jetzt noch an dieses Spiel, an Firmino, wie er Spielerwelle um Spielerwelle in den Frankfurter Strafraum schickt, dann wieder selbst durch die Abwehrreihen der Frankfurter pflügt und trotzdem die Übersicht über die Offensivbemühungen der Mannschaftskameraden behält. Den knappen Siegtreffer erzielt ebenfalls der blutjunge Brasilianer, nachdem Szalai mit der Hacke vorbereitet.

Ein Spiel, an das ich denken muss, wenn ich jetzt von den angeblichen 41 Millionen lese, die der FC Liverpool dafür hinblättert, dass Firmino nächstes Jahr an der Anfield Road torgeil über den Rasen schwebt. Der übliche Reflex auf Twitter lautet natürlich „größter Witz der Sommerpause“ (@broedchen), „diese Scheiße bricht dem Fußball das Genick“ (@sasch_1) und „krankes Geschäft“ (@nedfuller). Doch dieses kranke Geschäft nutzt doch der gesamten Bundesliga und vor allem einem Bundesliga-Verein, der – auch wenn manche es nicht hören wollen – dank Roberto Firmino die letzten Jahre äußerst attraktiven Fußball aufgetischt hat. Er nutzt nicht nur The Sensational HOFF™, er nutzt dem Prestige der gesamten Liga.

Er nutzt aber vor allem einem Spieler, der lange genug und scheinbar auch nicht ganz ohne Spaß an der Freud kleinere Brötchen gebacken hat und jetzt ein bisschen weitere Welt als Sinsheim und an ein paar Euronoten mehr schnuppern darf. Natürlich kommt jetzt der Vergleich auf: „Wotsefak, ein Firmino soll mehr wert sein als ein Götze?“ Im Fall Götze trifft das im Moment ja auch zu, also no biggie, außerdem sollte doch mittlerweile jeder kapiert haben, dass Transfersummen nur partiell Spielstärke oder Talent widerspiegeln – es handelt sich in der Regel um Kontextsummen oder glaubt wirklich jemand, dass Bale beinahe 100 Millionen Euro wert war. Spielen tut er zumindest nicht so.

Firminos Marktwert lag übrigens schon vor einem Jahr bei über 25 Millionen, ein klares Zeichen, dass es ihm nicht an Angeboten gemangelt hat, als er sich zunächst entschloss, bis 2017 in Hoffenheim zu verlängern. „Der Anfang war sehr schwierig, ich bin in der Kälte angekommen“, erzählt dieser eher schüchterne Mensch über seine Anfänge bei Hoffenheim. Ein Mensch, der mittlerweile Hoffnungsträger der immer noch leicht angebeutelten Seleçao ist. Dass er sich vier Jahre durchgebissen hat, ist doch ein exzellenter Grund, um ihm die Gehaltserhöhung und den Aufstieg in den internationalen Spitzenfußball zu gönnen, auch wenn sich an der Kälte leider nichts ändern wird, da muss ich dich enttäuschen, lieber Roberto.

Und wer weiß, wohlmöglich kauft sich die TSG jetzt Mario Götze. Geld ist ja jetzt da. Vielleicht ist der Fußball wirklich ein krankes Geschäft, aber Roberto Firminos Transfer zum FC Liverpool scheint mir ein recht harmloses Symptom davon zu sein.

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