Avengers: Infinity War

Eine Axt von einem Film. Nicht nur wegen dem Ende. Sondern wegen dem was er bis dahin für einen Aufmarsch auf einen loslässt. An Helden, an CGI, an One-Linern, an kruden deux-ex-machina-Momenten, an hysterischen Ortswechseln, an Sentimentalitäten.

Für die Nolan-liebenden-hyper-grounded-Fantasten: Die Geschichte um die Infinity-Steine und den irren Universums-Halbierer Thanos ist freilich hanebüchen, aber wen juckt’s. First and foremost ist das eine Comic-Verfilmung, ein Feuer- und ein Kunstwerk, ein Gemälde vom letzten Marvel-Abendmahl mit ein bisschen mehr als 12 Jüngern drauf, die sich um Iron Jesus Robert Downey Jr. scharen. (Die Jesus-Anspielung ist kein Spoiler)

Doch selbst bei einer Laufzeit von 2:40 können nur wenige Helden Platz für Entwicklung und Empathie bekommen, hier sind das am ehesten der zweifelnde Tony Stark, der unverbesserliche Positivist Thor und der misanthropische aber verantwortungsvolle Dr. Strange. Das ist okay, die können den Film tragen, der Rest wird ja nicht vergessen, sondern mit liebevollen Dialogen und Kameraeinstellungen verewigt.

Die humoresken Säulen sind – nicht sonderlich erstaunlich – die Guardians Of The Galaxy, allen voran Chris Pratt (Starlord), der nur ein „sandwich away from being fat“ ist, aber auch nur noch wenige Dialogzeilen von der Lakonik eines Harrison Fords.

Reden wir über Thanos, dem die lila CGI keinen Gefallen tut, doch Josh Brolin dazu zwingt, sich ein bisschen mehr ins Zeug zu legen, wenn er sich vulnerabel zeigen muss. Das gelingt mal mehr, mal weniger, doch am Ende fürchtet man ihn schon allein wegen seiner Entschlossenheit zum Genozid. Ist ja auch eine zeitlose Angst.

Im Grunde ist der Film zu lang und quält einen fast schon mit so viel Sci-Fi-Gehämmer (und Peter Dinklages Gastrolle), doch man muss ja erst ausgiebig all die seit vielen Jahren etablierten Helden (und Black Panther) zu Gesicht bekommen, bevor man das erderschütternde Finale einleiten kann. Tut sonst nicht so weh.

Fall Marvel wirklich mit dieser zehnjährigen Engelsgeduld auf genau dieses (vorläufige) Ende seines MCU hingearbeitet hat, dann gebührt ihnen infinite respect. Ich geh jetzt mal was lustiges gucken.

2 Kommentare

  1. Aber wehgetan hat‘s. Ich bin wie betäubt aus dem Kino. Aber mit viel Diskussionsstoff für den Rest des Abends, inklusive post-credit-scene.
    Tatsächlich fand ich Dinklage fast das einzig Misslungene. Ach, ich muss ihn doch nochmal sehen. Aber dann im Original, schon wegen Piratenengel und so.

  2. Ich fand Dinklage auch den einzigen Ausfall schauspielerisch. Das muss man Marvel ja schon echt zu Gute halten, dass sie erstklassig casten und sich jeder voll reinhängt. Ich muss ihn dagegen mal auf Deutsch sehen. Wenn er mich dann auch nochmal so verletzt, dann hat er mehr emotionale Wucht, als ich so einem Cape-Film je zugetraut hätte. Das wären dann Empire-Strikes-Back-Dimensionen.

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