Kurzkritiken zu Unstoppable, Black Death, Red, Let Me In, Catfish

Unstoppable:
Verstehe nicht die teils guten Kritiken, die das Ding für seine Action eingefahren (!) hat. Für mich war das beständige Knattern der als Protagonisten und Antagonisten angestellten Lokomotiven die süßeste Einschlafmelodei, ähnlich dieser Bahnstreckensendung spät nachts. Deshalb kann ich auch nichts über das Ende sagen.

Black Death:
Grobschlächtige Rittertypen ziehen im Pestzeitalter aus, um ein paar Heiden das Fürchten zu lehren. Sean Bean ist direkt vom Herr-der-Ringe-Set rübergeritten ohne sich umzuziehen (Copyright für den Witz liegt bei meiner Frau). Ein Christian-Slater-im-Namen-der-Rose-Wannabee ist auch im Gepäck wegen den Glaubensfragen. Tadellos bedrückte Stimmung auch ohne überzogene Dunkelheit. Deprimierend simplifizierte Story, aber ein guter Kniff: Am Ende ertappt man sich dabei, wie man die ganze Zeit Bestätigung für seine Vorurteile gegenüber diesen Dorfbewohnern gesucht hat. Faschismus bei der Arbeit – okayes Sozialexperiment.

Red:
Agentenrentner machen sich einen letzten Spaß und decken die langweiligste Verschwörung in Regierungskreisen auf, seit Bush bei 9/11 das Bilderbuch verkehrtrum gehalten hat. Bruce Willis ohne Haare sieht mit jedem Jahr geiler aus, aber seine Anbeiromanze mit seiner Sachbearbeiterin, um fürs Drehbuch auch einen „Zivilisten“ in die Sache mithineinziehen, war das Haar (!) in der Suppe, auch wenn die Dings das nicht schlecht runtergespielt hat. Anfangs sehr amüsant, dann albern, dann langweilig.

Let Me In:
Fast Bild für Bild dem Original (Let The Right One In) nachempfunden. Wäre ein guter Film, wenn man nicht schon seinen schwedischen Zwilling kennen würde, der dann letztlich doch noch ein wenig dreckiger und hoffnungsloser daherkam. Reudig ist ein gutes Wort dafür.

Catfish:
Pseudodoku über die hässliche Wahrheit hinter Facebook-Bekanntschaften und jetzt hab ich schon zuviel verraten. Und das ist das Problem von dem an sich gut inszenierten Film: Man weiß, worauf es hinausläuft und hofft inständig, dass noch eine Art Blair Witch Project 2011 draus wird. Und zumindest das merwürdigste Ende dieses Kinojahrs kann ich versprechen.

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Kurzkritik zu Scott Pilgrim Vs. The World

Nerdverbundene Unterhaltung der oberen Gadgetklasse. Proppevoll mit guten Einfällen, wenige davon schlecht. Weil Edgar Wright bei der schönen Schaumschlägerei noch den lakonischen Humor der Comicvorlage findet, hat der Film einen hohen Wiederspielwert, wie man in der Games-Branche sagt.

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Kurzkritiken zu P3D, TOG und TLE

Piranha 3D:
Vielleicht werde ich alt, aber ich bin heute morgen mit schweren Bedenken in die Badewanne gestiegen. Und das grandios choreographierte und scheinbar nie mehr enden wollende Blutbad unter den Springbreak-Proleten hat mich tatsächlich ein wenig mitgenommen.

The Other Guys:
Vielleicht werde ich alt, aber ich kann über Tittenwitze und mit der Maurerkelle servierten Buddyhumor nicht mehr so lachen, wie zu Bud Spencer- und Terence Hill-Zeiten. Will Ferell spielt ordentlich, aber Mark Wahlberg (den ich im Grunde schätze) legt ein ganz merkwürdiges bis überhaupt kein Timing an den Tag. Bester Moment: Shaft und The Rock springen vom Dach.

The Last Exorcism:
Fantastische Darsteller und die bewährte unheilschwangere Verfallsstimmung Lousianas verhelfen dem Exorzistengenre zu unverhofft neuem Glanz. Zumindest bis zum Finale, denn ab da verwandelt sich der Psychohorror in astreine Okkult-Fantasy von der Sorte „Das Omen“ und das ist, als wolle jemand den Teufel mit dem Beelzebub austreiben: Überflüssig und aussichtslos. Vielleicht werde ich aber auch nur zu alt für sowas.

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Kurzkritik zu The Social Network

Stark erzählte nonkonforme Collegekomödie mit vielen Arschlöchern und wenig Handlung. Eine einzige soziale Metapher, aber für Facebookhasser wie mich ein Muß.

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Kurzkritik zu Fantastic Mr. Fox / The Shield

Gestern den fantastischen Mr. Fox gesehen. Ich mag ja Wes Anderson-Filme, weil sie genau meiner Art von lakonischem Humor zuarbeiten, bei dem man an der entscheidenden Stelle die große Wortlosigkeit die Pointe machen lässt. Der Stoptrick-Krempel war mal was anderes, aber über Spielfilmlänge dann auch ein wenig ermüdend. In der Summe aber ein schöner Film und die Anderson-Einstiegsdroge für ganz junge Menschen.

Ausserdem schaue ich gerade die Serie THE SHIELD an, weil ich nicht darüber hinwegkomme, dass es einfach nur fünf THE WIRE-Staffeln gibt und ich mit den SOPRANOS auch seit Februar durch bin. Ich brauche diese Dosis US-Crime in meinem Leben, ich kann mir nicht helfen. Aber was ich zu The Shield sagen will: Vic Mackey ist der Tony Soprano unter den Cops. Eigentlich ein Schwein, aber man will ihn so unbedingt mögen, dass man alles dafür tun würde, um ihn einer ausschließlich guten Tat zu überführen. Stand 1. Staffel, muß ich einräumen.

UPDATE: Seit in Staffel 3 der Typ die Katze erwürgt hat, kann ich nicht mehr weiterschauen. Da bin ich empfindlich, wenns um Katzen geht.

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Längere Kurzkritik: Iron Man 2

Gwyneth Paltrow.

Dann kommt erst einmal lange nichts. Und jetzt zu Iron Man 2. Über die erste Hälfte des Films kann ich die teils negativen Rezensionen noch nicht nachvollziehen. Die Figuren erhalten Zeit und Dialog, die Haupthandlung kommt langsam und scheinbar bedrohlich im Hintergrund in Fahrt und doch endet mit der grandiosen Sequenz in Monaco eine bisher durchaus stimmige Superheldenveranstaltung. Dabei hätte alles so schön sein können: Saturday Night Live-Legende Gary Shandling als Senator Stern liefert einen erstklassigen Job ab, aber auch Sam Rockwells Ari-Gold-Kopie ist nicht von schlechten Eltern. Die Johansson hat eine sinnlose Rolle, aber sieht aus wie ein neues glänzendes Moped und mehr soll sie – vermute ich mal – auch nicht. Man könnte noch bemängeln, dass Robert Downey Jr. sich als schaustellerisches Paradigma völlig über den ursprünglichen Tony Stark-Charakter stellt, aber schließlich haben wir ja auch Geld bezahlt, um das zu sehen. Viele Szenen gerade in der ersten Hälfte erinnern mich in ihrer Dialog-Ästhetik an vielgelobte U.S.-Serien: Beiläufiges ist beiläufig gespielt, Banales sieht banal aus und Gravierendes wird nicht übertrieben. Das echte Leben scheint an mancher Stelle ein bisschen durch, das muss man Jon Favreau lassen. Bis hierhin 80% bei Rotten Tomatoes.

Danach stellt die als komplex getarnte Story sich als ein sich umständlich ausdrückender Einzeiler von einer Handlung heraus und langsam fängt Mickey Rourke als Antagonist an zu nerven. Erstens tut er nichts, ausser hässlich zu sein, um sich die Antipathie des Zuschauers zuzuziehen, zweitens sieht er unglaublich hässlich aus. Sam Rockwells Ari-Gold Manierismen wirken zunehmend hysterisch und fallen völlig aus dem Rahmen der jetzt schon ziemlich brüchigen Handlung. Samuel Jackson, der Auftragsschauspieler für eine schwarze Demografie in weißen Kulturphänomenen (siehe Star Wars), trägt als Nick Fury absolut nichts zu dem Film bei. Im Gegenteil, er verlangsamt den Handlungsfluss, indem er Tony Stark kryptische Hinweise erteilt statt ihm – verdammt noch mal – einfach zu sagen, wo er sich eine neue Batterie kaufen kann. Einmal mit Einkaufszettel zu Conrad und wir hätten uns eine Menge Schmuh über Tonys Verhältnis zu seinem Vater gespart (trinkfest wie einst bei Sterlin & Cooper: John Slattery). Und nicht viel später büßt der Film komplett seinen Charme gegenüber den schon fabrikneu schrottreif aussehenden Iron-Man-Klonkriegern ein, die wohl das sprichwörtliche „Action-Feuerwerk“ einläuten sollen, das aber leider in eine zu schnell geschnittene und seelenlose Materialschlacht ausartet. Mickey „Whiplash“ Rourke ist zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr als ein verblasster Gedanke an die Mitte des Films und so wird er in dem Bosskampf auch behandelt. **ab hier SPOILER** Kurz aufmucken, dann aber bitte gleich per Ghostbuster’scher Strahlkreuzung von Cheadle und Downey Jr. einschmelzen lassen den Störenfried, schließlich haben wir ja solange rumgetrödelt und müssen jetzt zu der Kuss- und Schlussszene mit Gwyneth Paltrow kommen. Und entweder habe ich zu lange auf Gwyneth Paltrows Sommersprossen gestarrt oder es gab einfach keine Vorbereitung der Romanze zwischen Tony Stark und Pepper Potts (von Iron Man 1 mal abgesehen). Dann noch ein dummer Spruch von Cheadle und das war’s. Da hat’s aber jemand offenbar wirklich pressiert. Und der „Hidden Track“ nach dem Abspann ist das Sitzenbleiben nicht wert, aber das weiß ja eh schon jeder, der selbständig einen Browser aufbekommt. Aber jetzt nochmal, weil’s so schön war.

Gwyneth Paltrow.

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The Man Who Stared At Alice In 3D And Fell Asleep

Am Donnerstag The Men Who Stare At Goats gesehen und mich ein bisschen gelangweilt. Albernheitslevel war zu weit unter der Nackten Kanone 33 1/3 und zu deutlich über Three Kings. George Clooney eh wieder eine Ausgeburt an Spielfreude, aber das ist ja auch nichts Neues. Und Ewan McGregor scheint seinen Job eher wie ein Barkeeper zu erledigen: Hingehen, ausschenken, heimgehen, vergessen, ausschlafen.

Dann heute nachmittag Alice in 3D gesehen und ich meine nicht jemanden von der DSL-Hotline auf einen Kaffee getroffen. Hätte aber auch nicht langweiliger sein können, so mit Einschlafen in der 17-Uhr-Vorstellung. Gähnende Leere, wo ich eine Handlung vermutet hatte und diese Disney-bereinigte Burton-Ästhetik ging mir auch auf den Zeiger, wobei mir Tim Burton seit Sweeney Todd eh ein bisschen über ist, was nichts daran ändert, dass ich ihn im Grundsatz verehre.

Am sinnentleertesten fand ich aber dieses 3D. Konnte ich bei Avatar noch staunen und hatte ich mich bei Cloudy With A Chance Of Meatballs schon daran gewöhnt, so hab ich es jetzt nach fünf Minuten Laufzeit überhaupt nicht mehr bemerkt und erst dann wieder als mir im Halbschlaf die Brille von der Nase gerutscht ist. Aus meiner „Sicht“ ganz sicher nicht die Zukunft des Kinos. Dass Verleiher und Hersteller da anderer Meinung sind, verstehe ich freilich, immerhin kommt die Wirtschaft rund um den Wettbewerb gegen DVD und illegale Downloads wieder tüchtig in Schwung.

Ich werde aber sicher schon in einer Woche vergessen haben, ob ich den Film jetzt in 3D, 2D oder auf meinem alten Röhrenfernseher gesehen habe. Ja, ich weiß, auch der sendet in 2D – ich wollte auch nur der Bombastik etwas anachronistische Drastik entgegen setzen. Ich sag jetzt mal, 3D wird nicht so groß, wie man das grade allerorts prognostiziert. Bildtelefonie hat sich ja auch nicht durchgesetzt, obwohl es schon seit den 60er Jahren möglich gewesen wäre.

Und ist mir das aus Gründen der Polemik falsch in Erinnerung, oder habe ich nicht auch schon mit 12 auf dem Straubinger Gäubodenfest 3D-Filme gesehen und für nicht so schnöfte erachtet? Falls ich mich täuschen sollte, kauf ich mir natürlich sofort einen 3D-tauglichen Fernseher, damit ich zumindest nicht mehr in einem vollgestopften Kino flankiert von menschgewordenen röchelnden Grippevirenverteilerkästen sitzen muss, wenn ich dann doch mal einen Film in 3D sehen will oder muß.

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Kurzkritik zu Anvil

Headbanger und Headbangerinnen, schaut euch diesen Film an oder sterbt den bedauernswerten Tod wertloser Ungläubiger. Wirklich, das ist einer der besten Filme, die ihr je über Musik gesehen habt und sehen werdet. Der drückt alle Knöpfe, nicht nur bei Musikern. Ich konnte mich 90 Minuten nicht entscheiden, ob ich traurig oder bespaßt sein soll. Bitte tut dieser Band, die in ihrem Musikerdasein wirklich nichts aber auch gar nichts richtig gemacht hat (wenn man von den Gitarrensoli mit Vibrator mal absieht), den Gefallen und schaut diesen Film. Ich selbst konnte mich sogar noch an Anvil aus meiner Metal-Hammer-Jugend heraus erinnern. Schon damals war die einhellige Meinung der Journalisten: gute Band, aber miese Produktion, mieses Label und die miesesten Plattencover der Ära.

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Kurzkritik zu Avatar 3D

Jürgen Trittins Meisterwerk in 3D ohne Flaschenpfand. Überraschend miese Handlung, aber überraschend guter Film. Und mittlerweile ganz schick diese 3D-Brillen. Könnte man auch privat tragen.

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