Brenners Bundesliga 2010/2011 (10)

Spieltag 10: Torpediert

FC Bayern – Freiburg 4:2 (1:0)
Sicher sagt jetzt wieder jemand, der Hoeneß sei dem Van Gaal in den Rücken gefallen und klar, man kann immer darüber streiten, inwiefern man seine Unzulänglichkeiten im Verein öffentlich macht, aber im Profifußball ist die Aussenwirkung so dermaßen kohärent zur Innenwirkung, dass man schon manchmal gar nicht mehr dran glauben will, dass es sich um Sport und nicht um Religion handelt. Siehe Trainerwechsel in Köln. Aber zurück zum Schöpfer des „Nürnburgers“. Der hat nämlich gestern bei Sky gesagt, dass der Van Gaal ein Sturkopf ist und die Spieler, die jetzt den Karren aus dem Dreck fahren müssen, in der Verganenheit nicht genug Beachtung erhalten haben. Und da ist was dran. Van Gaal hat sich in Transferangelegenheiten, in der Spielermotivation und in Sachen Taktik ein paar gravierende Fehler geleistet und es ist doch reinster Luxus, dass es trotz zehn Punkten Rückstand auf die Spitze lediglich ein paar deutliche Worte vom Präsi auf dem Pay-TV-Sender setzt. Mir war das sowieso zu wenig FC Hollywood in letzter Zeit. In der Zwischenzeit hat sich die Notelf der Bayern warmgespielt. Pranjic macht mir das erste Mal begreiflich, warum Van Gaal ihn unbedingt wollte, Tymoschuk spielt so überzeugend, dass man sich wieder entfernt daran erinnert, warum man ihn geholt hat. Einen druckvollen Mittelfeldspieler mit Defensivqualitäten gibt er freilich deutlich besser als einen Zwangsverteidiger mit Drang in den Spielaufbau. Gomez spielt wieder wie ein Schwabe und selbst Ottl fällt nicht unangenehm auf. Schweinsteiger nähert sich im Gegensatz zu dem immer noch provozierend unlustig spielenden Lahm wieder seiner Bestform und ausgerechnet der ausrangierte Fehlpass-Meister Demichelis eröffnet den Torreigen. Es war überhaupt ein schönes Spiel, vielleicht das Schönste in der laufenden Bundesligasaison für den FCB.

Schalke – Leverkusen 0:1 (0:0)
Wenn du so wenig Punkte sammelst wie Schalke, hast du zwei Probleme. Erstens hast du zu wenig Punkte und zweitens gibst du natürlich im Duell gegen die Spitzenmannschaften zwangsweise früher oder später weitere ab, und dann hast du drei Probleme, weil du dann auch noch gegen den Abstieg anrennst. Schalke spielt ja nicht schlecht, aber eben nicht wie auf der Messers Schneide, auf der sie eigentlich gerade tanzen. Wie bei Bayern sitzt hier ein Sturkopf auf der Trainerbank, noch dazu ein allmächtiger. Und dem scheint der Ernst der Lage nicht so bewusst zu sein wie den eigenen Fans. Andererseits: es ist Schalke, worüber reg ich mich eigentlich auf…

Mainz – Dortmund 0:2 (0:1)
Zwei glänzend aufgelegte Mannschaften spielen selbst im Duell um die Tabellenspitze genau den Angriffsfußball, von dem immer alle reden, wenn sie Angriffsfußball meinen. Mir kommt das nach wie vor surreal vor, dass man mit dem Überschwang der Jugend und improvisierten Kadern den Rest der Liga so herspielen kann, aber ich will mich um Gottes Willen nicht beschweren.

Köln – Hamburg 3:2 (2:2)
Das beste Spiel eines sehr guten Spieltags. Köln mit genau dem Fußball, den ihnen der Soldo so ausdrücklich verboten hat. Podolski bittet Novakovic zum Tanz und der lässt sich nicht lang bitten. Es ist immer wieder erstaunlich, was für Energien so ein Trainerwechsel zunächst freisetzen kann. Wie oben schon gesagt: das ist mir manchmal ein bisschen zu viel Esoterik und zu wenig Sport.

Bremen – Nürnberg 2:3 (1:1)
Nächster Knaller mit vielen Toren, Stimmungs- und Tempowechseln. Allerdings nicht anders zu erwarten, wenn Bremen mitspielt.

Wolfsburg – Stuttgart 2:0 (1:0)
Diesem Diego will man nicht im Dunkeln begegnen. Zumindest nicht in einer Standardsituation.

K’lautern – Gladbach 3:0 (0:0)
Armes Gladbach. Erst kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu. Und die Verrückten Tiffert, Nemec und Lakic.

St. Pauli – Frankfurt 1:3 (1:1)
In einer Saison, in der bis auf Schalke und Bayern eigentlich alle auf höchstem Niveau spielen, muss man sich auch vor Frankfurt fürchten.

Hoffenheim – Hannover 4:0 (1:0)
Guter Abschluss eines äußerst fetzigen und torreichen Spieltages. Tut mir ein bisschen leid für Slomka und freut mich nicht für Rangnick.

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Kurzkritik zu Scott Pilgrim Vs. The World

Nerdverbundene Unterhaltung der oberen Gadgetklasse. Proppevoll mit guten Einfällen, wenige davon schlecht. Weil Edgar Wright bei der schönen Schaumschlägerei noch den lakonischen Humor der Comicvorlage findet, hat der Film einen hohen Wiederspielwert, wie man in der Games-Branche sagt.

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Brenners Bundesliga 2010/2011 (9)

Spieltag 9: Obermacker im Unterhaus

Hamburger SV – FC Bayern München 0:0 (0:0)
Das erste Spiel der Bayern in der laufenden Saison mit Herz und Seele. Leider mit stark dezimiertem Kader und deutlich unter Leistungsgrenze spielender Lahm, Schweinsteiger, Müller und Kroos. Langsam finde ich mich damit ab, demnächst um die Europa-League-Teilnahme mit Nürnberg zu ringen. Pitroipa trifft nie, sagt mein Freund T. aus Hamburg. Und eine Bitte an die Kollegen von Sky: Bitte nicht bei jedem Hamburg-Spiel irgendwas mit der Knalltüte Lotto King Karl drehen.

Eintracht Frankfurt – FC Schalke 04 0:0 (0:0)
Nicht gedacht, dass ich das jemals sage, aber Frankfurt ist zur Zeit nach Dortmund und Mainz die drittbeste Mannschaft der Liga. Und hat mit Gekas einen der besten schlecht aussehenden Stürmer der Welt. Schalke verwaltet weiter den Abstiegskampf.

Borussia M’gladbach – SV Werder Bremen 1:4 (0:2)
Zwei Mannschaften, die nach dem selben Prinzip spielen: Wer verteidigt, verliert.

SC Freiburg – 1. FC K’lautern 2:1 (1:1)
Vor Torbestie Cissé bekomme ich langsam Angst. Überhaupt scheint in dieser Saison ja beinahe jeder Underdog zum Klassenprimus zu reifen. Und umgekehrt. Langsam glaube ich auch, dass die Bundesliga eine echte spielerische Renaissance erlebt, die sich durch alle Schichten zieht.

Hannover 96 – 1. FC Köln 2:1 (2:0)
Das war ein Moment, bei dem mir die Haare zu Berge standen, als Soldo gestern vormittag live dem DSF-Fußballstammtisch zugeschaltet war und ihm Udo Lattek zwar bescheinigte, ein ganz feiner Kerl zu sein, aber auch ab Nachmittag ohne Job. Und genau so ist es dann auch gekommen. Feiner Kerl hin oder her, Zvonimir Soldo hat dem Verein maximal Stillstand beschert und eine Trennung kann die Desorientierung im Verein kaum verschlimmern. Trennen sollte man sich allerdings in der Hauptsache vom Dortmunder Totengräber Michael Meier, denn ein Zyniker wie der kann einem angeschlagenen Verein wie Köln nicht auf Dauer gut tun.

1. FC Nürnberg – VfL Wolfsburg 2:1 (1:1)
Der Club, schau einer an. Rückrunden sind das Ding der Nürnberger nicht, deshalb tun sie gut daran, sich vorm Winterschlaf noch ein paar mehr solche Siege zusammenzuhamstern.

Borussia Dortmund – 1899 Hoffenheim 1:1 (0:1)
Ein schönes und schnelles Spiel mit einem glücklichen Unentschieden für die TSG. Der Ausgleich fiel tatsächlich in der letzten Sekunde. No Sprichwort intended.

Bayer Leverkusen – 1. FSV Mainz 05 0:1 (0:0)
Diejenigen, die immer noch auf einen baldigen Leistungseinbruch von Mainz spekulieren, sollten sich schon mal einen Plan B überlegen.

VfB Stuttgart – FC St. Pauli 2:0 (1:0)
Neunzigminütiges Nickerchen vom Fußballgott.

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Kurzkritiken zu P3D, TOG und TLE

Piranha 3D:
Vielleicht werde ich alt, aber ich bin heute morgen mit schweren Bedenken in die Badewanne gestiegen. Und das grandios choreographierte und scheinbar nie mehr enden wollende Blutbad unter den Springbreak-Proleten hat mich tatsächlich ein wenig mitgenommen.

The Other Guys:
Vielleicht werde ich alt, aber ich kann über Tittenwitze und mit der Maurerkelle servierten Buddyhumor nicht mehr so lachen, wie zu Bud Spencer- und Terence Hill-Zeiten. Will Ferell spielt ordentlich, aber Mark Wahlberg (den ich im Grunde schätze) legt ein ganz merkwürdiges bis überhaupt kein Timing an den Tag. Bester Moment: Shaft und The Rock springen vom Dach.

The Last Exorcism:
Fantastische Darsteller und die bewährte unheilschwangere Verfallsstimmung Lousianas verhelfen dem Exorzistengenre zu unverhofft neuem Glanz. Zumindest bis zum Finale, denn ab da verwandelt sich der Psychohorror in astreine Okkult-Fantasy von der Sorte „Das Omen“ und das ist, als wolle jemand den Teufel mit dem Beelzebub austreiben: Überflüssig und aussichtslos. Vielleicht werde ich aber auch nur zu alt für sowas.

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Brenners Bundesliga 2010/2011 (8)

Spieltag 8: You Know When You’ve Been Marioed

Na, schau her, es geht doch. Kaum sind alle wichtigen Spieler (bis auf Butt) beim FC Bayern verletzt, kaum hat man keine 80 Prozent Ballbesitz mehr und spielt wieder Rumpelfußball, schon klappt’s wieder mit dem Gewinnen. Man muss Van Gaal hoch anrechnen, dass er erkannt hat, dass gerade in der Resignation das neue Erfolgsrezept liegt. Einfach alle Hoffnung fahren und Mario Gomez spielen lassen. Aber vielleicht war der gute Louis einfach nur so beschäftigt mit der Vermarktung der deutschen Version seiner ZWEIBÄNDIGEN Autobiografie, dass er die Woche über vergessen hat, seinen Schöngeistfußball (der steht im zweiten BAND) zu unterrichten. Wie auch immer, es hat funktioniert: Mario Gomez ist für eine Woche der Jesus des runden Leders und weil ein Bayernsieg derzeit so eine Ausnahmeerscheinung ist, gibt es ein Spezial mit allen noch gesunden Spielern in der Einzelkritik.

Butt: Da er ungefähr fünfzig Bälle nach vorne schlagen musste, der Entscheider im Spielaufbau. Baute nur einmal kurz ab, als er den Hannoveranern einen Ball im Fünfer direkt vor die Füße wischte, als wäre der Ball eher lästig denn torgefährlich.

Lahm: Hat neulich in einem Interview gesagt, er wäre noch nie so kaputt gewesen wie kurz nach der WM. Wenn das stimmt, erweist er sich gerade als irreparabel.

Tymoshchuk: Für einen Mittelfeldspieler (bis auf einen halbfatalen Ball in den Rücken der eigenen Leute) eine blitzsaubere Leistung in der Abwehr. Und ganz ehrlich: bevor ich wieder Gegners Liebling, Martin Demichelis, in die Innenverteidigung stelle, soll lieber noch Hermann Gerland hinten aushelfen. Bis zum nächsten Einsatz in der Startelf könnte für Tymoshchuk deshalb diesmal nicht mehr ein ganzes Jahr vergehen. Vielleicht nur noch ein halbes, weil er bei Kopfbällen aufs halbleere Tor aus fünf Metern Entfernung eben nicht ganz so flexibel ist.

Badstuber: Grandios liberös.

Braafheid: Graduell nervös.

Ottl: Stellenweise arg tollpatschig und nicht unbedingt auf dem Weg in die Stammelf.

Pranjic: Der rackert noch, wenn ihm nahezu der Unterkiefer weggezimmert wird, wie in der ersten Hälfte nach einem brutalen Check eines Hannoveraners zu begutachten.

Müller: Seit Robbens Ausfall die verlässlichste Offensivkraft der Bayern. Selbst wenn die Torgefahr nachlässt, bleiben seine undurchschaubaren Angriffwege erhalten. Durchschaut er selbst nicht immer, könnte man meinen.

Altintop: Die Schusskraft ist da, nur scheint er neuerdings seine Sehkraft einzubüßen. Nur so ist der groteske Verschießer ins Nichts zu erklären, den er in der zweiten Halbzeit verbrochen hat.

Kroos: Das was man einen Motor nennt. Leidet vor dem Tor allerdings unter dem selben grauen Star wie der Kollege Altintop.

Gomez: Mein Gott, Mario Gomez. Ich sag schon seit einem Jahr vor jedem Spiel: Das wird sein Durchbruch. Nur spielt er meistens nie. Aber dieses Mal habe nicht nur ich auf ihn gesetzt sondern auch die Chaostheorie, das Schicksal und der liebe Gott. Es kam alles zusammen: Die Rückennummer Gottes (33 Kumpels aus Chile), der Name des Auserwählten (Mario Gomez, wiederum Kumpel aus Chile), die Hand Gottes (beim 2:0) und der Körper Apollos (nicht aus Chile, sondern Griechenland). Wer da nicht an einen Fußballgott glaubt, hält Christoph Daum für einen guten Trainer und für unschuldig jemals Kokain eingenommen zu haben.

Schweinsteiger: Manchmal geb ich es ungern zu, weil er seine trainierte Brust immer so affig herausstreckt, aber wir brauchen diesen Mann beim FC Bayern. Und auch in der Nationalmannschaft. Ja, is halt so.

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Kurzkritik zu The Social Network

Stark erzählte nonkonforme Collegekomödie mit vielen Arschlöchern und wenig Handlung. Eine einzige soziale Metapher, aber für Facebookhasser wie mich ein Muß.

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Social Media

Da ich bei Twitter keine Befindlichkeiten reinschreibe und keine Facebook-Seite mehr hab, möchte ich wenigstens meinen Blog nützen, um mittzuteilen, dass ich gestern um 22.30 noch ein Erkältungsbad mit 38 Grad Wassertemperatur genommen, mich danach im Bandemantel auf die Couch gelegt und im Netz die WWF Survivor Series von 1995 angeschaut habe bis ich weggenickt bin.

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Brenners Bundesliga 2010/2011 (7)

Spieltag 7: Regelrecht verkloppt

Ich fasse mich kurz, weil von Herbstgrippe gebremst.

Bayern ratlos, torlos, trostlos. Van Gaal zu verlängern war ein Fehler. Nächster Halt Abstiegskampf.
Dortmund motiviert und sicher am Ball. Nächster Halt Tabellenspitze.

Mainz liefert weiterhin den Beweis, dass Spaßfußball und Selbstbewusstsein keinewegs Strategie und Disziplin widersprechen.
Hoffenheim spielt eine gute Saison bisher. Könnte für die Europaleague reichen.

Schalke und der FC Bayern sollten sich einen Kader teilen und rotieren.
Nürnberg noch ein bisschen unberechenbar, aber die jungen Wilden können was.

Köln, Soldo und Podolski sind die denkbar unattraktivste Kombination der Liga. Wenn selbst der Manager nach zwei Jahren immer noch davon spricht, Podolski integrieren zu müssen, dann weißt du Bescheid.
Freiburg hängt an der Nadel Cisse.

Leverkusen stabilisiert sich, mehr aber auch nicht.
Bremen nervt mit Inkonsequenz.

Hannover spielt gut, aber am Ende keine Rolle.
St. Pauli hat Sieg dringend gebraucht, um dem Abstiegskampf nicht vor der Winterpause antreten zu müssen.

Frankfurt ist eine Bank.
Stuttgart geht zum Lachen in den Tabellenkeller.

Gladbach hat sich gefangen.
Wolfsburg hat einen Sturm, aber keinen Sud.

Hamburg schlingert, aber hat sonst noch keinen Kurs.
Kaiserslautern holt das Maximale aus sich heraus. Lakic ist großartig.

Bonus: 1860 rückt auf.

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Endlich

…ist er in mein Leben getreten. Jetzt sehe ich viele Dinge ganz anders als vorher. Man hört ja immer nur, wie besonders der Moment ist und wieviel sich verändert. Aber erst, wenn man es selbst erlebt, kann man es ganz verstehen. Willkommen in meinem Leben, Himbeerjoghurt.

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