In jedem Fall

Heimfahren im Schnee. Und noch im Berliner Umland kommt die tödliche Kurzmitteilung. Kaputtheit und Unmöglichkeit vermengt mit heroinartigem Zutrauen. Das Jahr hört auf, zehn Tage bevor es zuende ist. Leere Briefkästen auf Papas Rechner, das Telefon schweigt sich aus, über das was da passiert ist. Es ruht allein das stille Grauen über den niederbayerischen Dächern und Wäldern. Ungefähr ein Jahr später wird im Münchner Schneegestöber nach Mitternacht der Startschuß zum Ende fallen. Das letzte Kapitel dieser todernsten und tumorvollen Saga wird in Berlin spielen. In einer Szenerie, die später als Nordstrand bekannt werden wird. Und wie alle Jahre zuvor werden wir untröstlich sein. Untröstbar sogar.

Heimfahren ohne Schnee. Und noch im Berliner Umland entfärbt sich die Erinnerung an die Willkür der Jahre. Der letzte Jahrmarkt gab genug her, um erneut auf Möglichkeit zu setzen. In Niederbayern wartet wieder die Stille, aber sie ist bereinigt von dem Grauen. Sie ist wieder weiß, Schnee hin, Schnee her. Das Jahr hat noch nicht aufgehört, aber bereits jetzt diktiere ich dieser Website: Es war ein sehr gutes. In jedem Fall.

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King Kong

Und überall auf dieser katastrophengeilen Welt wurden Millionen Wecker gestellt. Und morgens um 5 hingen sie vorm Fernsehbild in der Hoffnung, heut‘ wird original gekillt. (Udo Lindenberg – Sister King Kong)

Mein lieber Herr Gesangsverein. Du bist ja ganz schön groß geworden. Ich weiß, es ist ein Dschungel da draußen und man muss sich behaupten aber dass du dann gleich so groß geworden bist. Du gehst einem ja gar nicht mehr aus dem Sinn.

Dein insuläres Dasein musste ja irgendwann ein Ende haben, das finde ich ja im Grundsatz ganz gut. Aber dann hierher kommen und so eine große Lippe riskieren, musste das sein? Ja, natürlich hat es dich getrieben, nein, Entschuldigung, sie haben dich getrieben. Ich hab dich getrieben? Ich war das also? Nur weil ich damals auf deiner scheiß Insel gestrandet bin? Wer hat mich denn in seine Riesenfaust gepackt und wollte mich samt Haut und Haaren auffressen? Wer hat sich denn mit seinem dicken Hintern durch die Hintertür gequetscht?

Es gab eine Zeit, da waren wir uns einiger. Einigermaßen vertraut waren wir uns sogar. Du erschienst mir gar nicht so furchterregend, wenn ich dich näher anschaute. Eigentlich warst du sogar ziemlich schön, wenn man durch dich durchschaute. „Auf sie mit Gebrüll“ haben wir manchmal gescherzt und ich weiß noch als du sagtest, du würdest wegen diesem Aggressionsproblem endlich einen Therapeuten aufsuchen. Ich war richtig stolz auf dich. Doch dann hat dich dein urinstinktiver Freiheitsdrang wieder gepackt und du hast mal pro forma um dich geschlagen und geschaut was man so alles in einem Radius von 600 Kilometern zusammendreschen kann. Kein Wunder, dass die Leute neugierig wurden und anfingen zu reden.

Und jetzt ist das Wehklagen natürlich groß. Hoch oben auf deinem Turm hockst du und veranstaltest einen riesen Zirkus, weil du nach Hause willst. Dass du dir nicht blöd vorkommst, so exponiert in deinem Selbstmitleid. Natürlich geht es hier etwas rauer zu. Hier in der Stadt musst du dich eben damit auseinander setzen, dass du anders bist, dass du alles kaputt machst was du anlangst. Und dass man trotzdem nicht immer mit dem Kopf durch die Wand kann. Du mit deinem Dickschädel.

Jetzt bin ich aber auch noch so blöd und bleib bei dir die ganze Zeit. Und was ist der Dank? Du lässt dich gehen, lässt dich abschießen wie ein Stück Vieh und ich sitze die ganze Zeit in deiner Hand und muss mir das alles mit anschauen. Dabei hätte ich längst Besseres zu tun anstatt mich hier permanent zum Affen zu machen.

Also dann, Ciao. Kannst mich ja anrufen wenn du mal wieder in der Stadt bist.

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Wolf

Schon einige Dekaden hege ich ein Faible für Horrorfilme, je klassischer desto besser. Das Genre Spezifikum Werwolf bereitet mir allerdings seit vielen Jahren nicht nur bei Vollmond Kopfzerbrechen. Die Slasher slashen in bester Laune weiter durch die Filmgeschichte, die Vampire beißen sich rüstig durch die Jahrzehnte, die Zombies fingen jüngst sogar an zu laufen und sind auch ansonsten recht gut zu Fuß, nur der Werwolf, der schwächelt und schwächelt.

Gerade hat Wes Cravens „Cursed“ meinen DVD Player verlassen und wie so oft wirkt der gemeine Werwolf in diesem Film maximal so furchterregend wie der böse Wolf in einer Rotkäppchen Illustration für Waldorf Schüler. Selbst Michael J. Fox als „Teenwolf“ hat mir ein paar Nackenhaare mehr aufgestellt. Ähnlich frustrierend läppischen Werwolf Inkarnationen musste man in den letzten bereits in „An American Werewolf in Paris“, in „Underworld“ und selbst beim an sich sehr stimmungsvollen „Le Pacte des Loups“ (Pakt der Wölfe) beiwohnen. Es ist wie ein Fluch. Da mag die Tricktechnik einigermaßen glaubwürdig Riesengorillas auf dem Empire State platzieren, bei den Werwölfen raucht sie regelmäßig ab.

Klar gibt es auch lobenswerte Ausnahmen wie den grandiosen „An American Werewolf in London“ von 1981, der nicht nur wegen seines gehässigen Humors sondern tatsächlich auch wegen seiner Werwolf-Darstellung ein Highlight des Genres bildet. Im Besonderen wegen der besten Verwolfungsszene aller Zeiten. Ebenso schockend und zudem ästhetisch wertvoll: „The Company Of Wolves“ von Neil Jordan, zu deutsch: „Zeit der Wölfe“, womit wir zwar wieder bei Rotkäppchen und dem bösen Wolf wären, aber einem mit Hand und Fuß.

Entweder widmet man den Wolfsmenschen in der Filmgeschichte schon seit jeher zu wenig Budget, oder es handelt sich im Grundsatz um eine nahezu ummöglich als furchterregend visualisierbare Gestalt. Oft fällt ein gut ausgehandelter Spannungsbogen gerade dann in sich zusammen, wenn die Wolfsgestalt in vollen Umfang auf der Leinwand zu sehen ist. In Mike Nichols „Wolf“ mit Jack Nicholson ist dann auch das Nichtauftauchen eines finalen Werwolfs die geschmackvollste Zutat des Thrillbarbecues.

Leider ging der erste Werwolf Flicken „The Werewolf“ von 1913 verloren. Es handelte sich um die achtzehnminütige Verfilmung einer indianischen Legende und bereits hier wird eine Transformationssequenz eingesetzt, die ich nur zu gerne gesehen hätte. 1935 sieht die Wolfsgestalt in „Werewolf in London“ bereits aus wie der Wookie Chewbacca aus „Star Wars“.

Wölfisches liegt ja auch ganz bestimmt in eurem geschätzten Hausherrn. Vielleicht sollte ich mich mal nach dem Konsum einer Flasche Ouzo in einer Vollmondnacht abfilmen. Vielleicht finden wir so den glaubwürdigen Werwolf, nach dem hier gesucht wird.

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Tod und Zerstörung / Italienischer Lederschuh

Ein bisschen was darf schon zu Bruch gehen. Manchmal darf jemand den Löffel abgeben. Ein paar Brücken können schon in Flammen aufgehen pro Halbjahr. Es muss sich was tun. Jemand muß dagegen sein. Nicht aus Prinzip aber mit Fug und Recht und Sturm und Drang.

Das Roden von Wäldern soll freilich elegant geschehen. Es darf ruhig ein doppelter Windsor im Spiel sein. Ein Nadelstreifen und ein italienischer Lederschuh. Die Verwüstung darf mit Eleganz durchgeführt werden. Der Untergang mit Stil erfolgen. Jemand kann die Asche im Anschluss ruhig wieder zusammenkehren. Das World Trade Center haben sie auch zusammengekehrt.

Und immer schön lächeln. Man muss sich das Disaster nicht schönreden aber man darf ein Siegerlächeln dazu tragen. Wer Stil hat, macht eine gute Miene zum bösen Spiel und wer spielt, mimt selbst am jüngsten Tag eine altersweise Überlegenheit.

Rebellion ist keine Freizeitaktivität, sie ist ein Stilmittel. Wer das Maul zum Protest aufreißt, kann es in der Folge auch wieder für ein paar abschließende Komplimente auf dem Weg zur Hölle benutzen.

Und immer wieder gut aussehen. Denn selbst in der reissendsten Zerstörung symbolisiert Eleganz ein Stück Ziviliation und die Hoffnung auf Ordnung.

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Rage Against The Spülmachine

„Get your rocks off, get your rocks off hon…“. Und schon spritzen die Glasscherben und bohren sich in die Hände vom Kollegen Dürmeier.

Während er blutend und leise fluchend am Boden zwischen all den Gläsern sitzt, liegen wir brüllend übereinander. Das letzte „Honey“ des Primal Scream Songs hat er nicht mehr geschafft, da ist er schon über die offene Schublade der fremden Spülmaschine gestolpert, hat sie mit der Wucht seines heranstürmenden Tanzbeins herausgerissen und ist mit den Händen zuerst in den Gläsern gelandet. Zu tief hineingeschaut hat er schon Stunden früher.

Das traditionelle Geiselhöringer Volksfest war eine alljährliche Demarkationslinie zwischen normaler Wochenendbetrinkerei und der totalen Selbstvernichtung. Eine weitere Tradition oblag uns in der Inbeschlagnahme des elterlichen Behäusnisses einer Klassenkameradin. Nun muss man wissen, dass ich im Vorjahr noch eine Liaison mit der jüngeren Tochter des Hauses unterhielt, die aber das Folgejahr nicht überdauerte und meinen Schlafplatz vom Vorjahr jetzt ein grobschlächtiger Bauernbub aus dem benachbarten Sünching einnahm. Und obwohl, glaub ich, ich selbst Schluss gemacht hatte, will man so eine arg willkürliche Thronfolge nicht im Nüchternen auf sich sitzen lassen, geschweige denn im Vollsuff. So vertrieb ich mir mit meinem Bierbattaillon die Zeit nach Zeltschluß damit, Tennisbälle und Schuhe auf die Tür zu werfen, hinter der die jüngere Tochter des Hauses mit ihrem Sauhund nächtigte oder sonstwas unternahm.

Die ältere Tochter des Hauses verwies uns ob der Türrahmen der jüngeren Tochter beschädigenden Ruhestörung des ersten Stocks und so randalierten wir im Erdgeschoss weiter. Die mondäne Wohnküche schien uns ein geeigneter Ort zu sein. Wir installierten Primal Scream und weitere Hits der Saison in der Stereostation und tanzten wie bekloppt durch die Wohnung. Der Kollege Dürmeier zog es allerdings vor, im Arbeitsbereich der Küche das Tanzbein zu schwingen und eben das hieb er dann in die Spülmaschine und dezimierte dadurch deren Einzelbestandteile, was uns einen panischen Lachanfall, ihm blutige Hände, dem einheimischen Geschirr einen unfassbaren Scherbenhaufen und der Gastgeberin ein händeringendes: „Es spinnts ja total“ entrang. Das war dann auch das letzte Mal, das wir dort einkehrten und für mich war es auch die letzte Version des Geiselhöringer Volksfestes bis dato.

Wenn ich heute „Rocks“ von Primal Scream höre, bin ich aber wieder da irgendwie. Auf dem Rücken liegend, der Kollege Gelling auf mir drauf, brüllend, feixend auf den armen Kollegen Dürmeier deutend, der mit seinen blutigen Händen da sitzt, sich schämt und schon die Haftpflichtssituation visualisiert, während wir ungehalten „Rage Against The Spülmachine“ skandieren oder noch ein bisschen „Rocks“ weitersingen.

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Super Ausrede: die Wildnis

„Nach allem was ich angerichtet habe, hältst du vermutlich nicht gerade viel von mir. Aber ich habe deine Nachricht mit der Sonne bekommen. Und ich werd in nächster Zeit ein bisschen mehr rausgehen. Also, ich versuche es zumindest.

Ich bin damals einfach so eingestiegen und auf der Fahrt konnte ich meine scheiß Hände nicht im Wagen behalten. Du hast aber auch permanent an meine Neugier appelliert. Hast sie dir zunutze gemacht. Und dann hast du mich damit in der Wildnis zurückgelassen.

Es ist natürlich dein gutes Recht. Du kannst von mir ja halten was du willst. Aber ich kann nicht anders, ich bin mit der Nacht verbunden. Und ich muss dem Rechnung tragen. Ich habe nachts laut nach dir gerufen, aber deine Nacht ist zwei Wochen von meiner entfernt. Ganze zwei Wochen.

Hättest mich nicht in der Wildnis zurücklassen dürfen.“

(frei nach Kristofer Aström: The Wild)

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Zentraler Omnibus Bahnhof Berlin

Wir sind auf der Reise zu den klitzkleinen Städten aus Asche. Ich schlag dir in die Fresse, ich zerbrech dir deine Brille.

Ich höre grade, dass die Hölle heute Frost meldet. Der liebe Gott hat angerufen und gemeint, hey Burns, besorg dir lieber mal einen Pullover. Und wir sitzen da und trinken Coca Cola und ich fühle wie es meinen Hals hinunter rinnt. Auf den Straßen zu den kleinen Städten aus Asche.

Ich kleide mich ganz in Plastik und schüttle die Hände der Massen. Weiß jemand wie man hier wegkommt? Weiß das jemand? Ich habe mein T-Shirt an, auf dem steht: „Die Welt ist mein Aschenbecher“. Unsere Herzen befördern nur noch Staub durch unsere Venen und wir sind längst ergraut.

Auf den Straßen hin zu den kleinen Städten aus Asche werde ich mich hinlegen. Dorthin wo sie dich mit Sirup überzogen haben. Weiß jemand wie man hier wegkommt? Weiß das jemand?

(frei übersetzt nach Modest Mouse „Tiny Cities Made Of Ashes“. Kongenial interpretiert und entnoisifiziert von Sun Kil Moon)

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Sie lagern schwarz um meine Stirn

Es war wohl zwei Tage vor Allerheiligen als ich da stand und das Schwarz lief mir aus den Augen hinaus. Es war jämmerlich kalt und ich stand am Platz der Luftbrücke und wartete auf einen Kollegen, der entgegen meines Wissens längst eingetroffen war. Ich war sämtlich in Schwarz gekleidet und das Schwarz lief mir aus den Augen. Es war fürchterlich kalt und ich stand da und wartete und bemerkte diesen schwarzen Punkt an meinem Finger. Ich hielt ihn zunächst für Dreck doch er war ein schwarzer unentfernbarer Punkt. Das Schwarz lief mir aus den Augen hinaus als ich an dem Punkt kratzte und biss und er einfach nicht verschwinden wollte. Es war zum Hunds Erbarmen kalt und der Kollege kam nicht, weil er längst da war wo ich hin wollte.

Wenn der schwarze Punkt an meinem Finger nun einen Krebs markierte. Wenn nun alles für die Katz gewesen ist. Das ganze Freischwimmen, die Absolution, der neue, eingeschlagene Weg. Was wenn das alles umsonst war. Was, wenn heute hier und nachts das Ende anfing. Und ich hatte mich noch so schäbig über den Gevatter lustig gemacht. Was für eine Farce, was für ein Satyrspiel. In dieser gottlosen Kälte, ganz in Schwarz gekleidet mit meinem schwarzen Schal und dem schwarzen Punkt an meinem Finger.

Das Schwarz lief mir aus den Augen hinaus, während ich mir fast den Finger abbiss. Als das getrocknete Blut endlich abfiel und der schwarze Punkt weg war, rief mein Kollege von dort an, wo ich hin wollte. Und als ich ankam, ganz in Schwarz, aus dieser seelenlosen Kälte um Allerheiligen, als ich ankam, war drinnen Licht und Musik und das schönste Mädchen, das ich seit acht Jahren gesehen hatte. Ihre hellen Beine waren in weißen Stiefeln und sie sah mich mit dunklen Augen an, während das Schwarz noch immer aus meinen Augen hinauslief, aber langsam nur noch.

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Ace De Animo und der Gott der Stadt

Als ich vor etlichen Jahren an einem feuchtnebligen Morgen nach einem feuchtfröhlichen Abend über die Tower Bridge lief, kam mir die initiale Idee zu diesem Song. Wieder zuhause entnahm ich meinem Lieblingsgedicht von Heym „Der Gott der Stadt“ ein paar allegorische Elemente und transponierte sie ins Englische. Heraus kam ein Song, den ich zwei Jahre später im sogenannten Voldemort Summer als First Take aufnahm und auch das erste und letzte Mal live bei einer Lesung spielte. Text geht so.

There is a Caribbean dance
And millions move through the streets
While the god of this town sits on his block
Canvassing from above

The weather smoulders within his eyes
The holy smoke of the factories
Is bruising his long hair
While all the church bells start to ring

And I’ve been thrown into this place
Not a chance no time to waste
And been speeding through this old town
Since yesterday afternoon

This dusky evening becomes so dazed
With the night’s final embrace
And an ocean of fire races through the streets
Until in the morning I get back on my feet

Whenever you want me I’ll come a-running
You might shake me in your fists but I’ll be coming
Back to this place back to your towers
Where we share the loneliness we got in our bowels

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Kurzkritik zu Napola und zur Bundeswehr

Gerade hab ich mir „Napola – Elite für den Führer“ von meinem DVD Player vorführen lassen und nach Filmende gab es da in der Sektion Extras auf der DVD noch Kommentare von den Hauptdarstellern und des Regisseurs zu sehen. Über den Film selbst kann ich nur wenige Worte verlieren, es ist halt ein aufklärender Aufarbeitungsfilm mit anständiger Endmoral (klingt wie Endsieg, ne?) mit stellenweise sehr okayen Darstellerleistungen. Selbst der an sich eher spackige Tom Schilling tritt überzeugend auf wie ab. Nun gut, solche Filme sollten wir auch gut drehen können, schließlich haben wir’s ja auch erfunden, dieses Nazi-Ding.

Von was ich aber bei der DVD Hauptnotiz nahm, waren die Aussagen des Regisseurs Dennis Ganzel über sein Bestreben, den Zuschauer zunächst zur Napola Idee hin zu sympathisieren: Er wollte einen Film über Verführung machen, den Zuschauer bei der Hand nehmen und ihn ähnlich wie die Protagonisten der Ideologie und den glänzenden Aussichten einer erfolgreichen Karriere aussetzen, damit er gleichermaßen fasziniert und abgestoßen sich am Ende für das Menschsein und gegen das Systemsein entscheiden kann.

Wie nun der gemeine Karrieregeile oder Max-Planck-Institut Aspirant diesen Film nachvollzieht und ob der sich anfangs sagt „Ey, schon irgendwie starke Schule, Alter.“, kann ich nicht beurteilen. Bei mir will ein Effekt der emotionalen Nachvollziehbarkeit einfach nicht einsetzen. Nicht einmal am Anfang des Films. Und das liegt nicht an den Frisuren der Lehrkörper. Nicht nur. Allein der Gedanke jeden Tag um halb sechs aufzustehen, macht bei mir jegliche Form der uniformen Anpassung undenkbar. Exerzierhofhorror, Sechsbettzimmer und das totalitäre Nichtvorhandensein von Mädchen würden mir schon meinen ersten Tag an der Napola dann aber so richtig vermiesen.

Gut, ich war auch nie bei der Bundeswehr. Es soll ja Leute (auch meiner Generation) geben, denen es da gefallen hat. Erzählt doch mal. Wie war das Aufstehen? Was gab’s zu Essen? Habt ihr an euch rumgeknabbert, wenn wieder mal keine Weiber im Haus waren? Wurde vorm Abendbrot kurz die alte Reichsflagge rumgereicht, so um sich auf seine Traditionen zu besinnen? Welche orgiastischen Initiierungsriten musstet ihr über euch ergehen lassen? Habt ihr euch in eure Ausbilder verliebt oder gar verschossen oder sie in euch? Ich will ja gar nichts unterstellen, vielleicht wars wirklich toll, aber das mit dem Aufstehen, das kann nicht gut gewesen sein, oder?

Ach, und eine Frage hätte ich noch. Gabs zum Frühstück Nutella oder nur das billige Aldi-Surrogat Nutoka?

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