Brennerpass Bundesliga 2013/2014 (15)

brennerpassLIGA1

Dortmund – Leverkusen 0:1 (0:1)
Wer hätte gedacht, dass in einer Hinrunde, in der Bayern von einem Rekord zum nächsten hetzt, ausgerechnet die verhuschten Kusener mithalten können. Und das mit ihrem besten Saisonstart aller Zeiten. Dass es im Grunde dieses Spitzenspiel um den Platz unter der Spitze braucht, um das erste Mal sowas wie iEr zu zeigen, atmet den wütenden Geist Rudi Völlers und die unterkühlte Spaßbremsen-Mentalität von Sami Hyypiä. Und ausgebremst haben sie den Spaß ganz ungemein, den vom BVB. Kurz: Das war ein superausgetüfteltes und dennoch leidenschaftliches Spiel von Leverkusen, in dem sie mit den vergleichsweise kleinen Mitteln ein Riesenfass aufgemacht haben, in dem Maladia Dortmund trotz des knappen Ergebnisses kläglich abgesoffen ist. Unser Ausbildungsverein (einst Toni Kroos und Jupp Heynckes, jetzt der tolldreiste Emre Can) hat kurz mal eine Spielweise erfunden, die den schwarzgelben Konter-Wegelagerern alle Wege zustellt und sogar noch Zeit aufbringt, so etwas wie Druck vorne aufzubauen. Und das war sogar auch noch ästhetisch vertretbar, sieht man von der Totbremse durch Spahic einmal ab. Natürlich ist das grausig, dass schon wieder jemand die Bender-Maschine sabotiert hat (Stichwort „Benderriss“) und kurz danach auch noch Sahin vom Platz humpelt (und Sokratis rot gesperrt ist), aber das mindert nicht die Tatsache, dass der Klopp ausgerechnet vom ewigen Anschleicherverein mit seinem schweigsamen Trainer frontal eins in die Sprechleiste bekommen hat. Und daran ist nicht nur der Fehlpass der Feierkanone Friedrich schuld.

Bremen – Bayern 0:7 (0:3)
Ich kann mich ja nicht bedingungslos freuen, dass wir Bremen so aus den Geschichtsbüchern fegen. Denn wer weiß, was man da für einen mentalen Kollateralschaden anrichtet im Selbstbewusstsein einer Mannschaft, die sich gerade selbst findet. Tatsächlich kann man zwar die berechtigte Frage stellen: Was hat sich denn eigentlich konkret geändert seit der letzten Tief-Schaaf-Phase, aber das Gefühl aus der ersten Halbzeit war burschikos und kampfwillig, wie man das bei Bremen mag und aus grauer Vorzeit kennt. Der FCA hat im Pokal gezeigt, wie man den Bayern beikommen kann, liest man allerorts (nämlich mit der Flex), allerdings vergisst man, dass Augsburg das Spiel relativ klanglos verloren hat. Und so ergeht es dann auch den Bremern, die einfach viel zu offensiv auftreten, um etwas gegen die scheinbar nie wieder erlöschende Spielwut eines Franck Ribery zu unternehmen. Tatsächlich greift mal wieder die Statistik, dass ein Ausfall wie die Notschlachtung Robbens (durch den Arsch Marvin Hitz) nur dann ins Gewicht fällt, wenn gleichzeitig das Zauberkasten-Pendant auf der anderen Seite ausfällt. Mir drängt sich eh langsam das Gefühl auf, dass Spiele mit Ribery nicht mehr verloren gehen können, und sich langsam mal Interpol mit der Causa Bayern beschäftigen sollte. Den guten Franck mitspielen zu lassen, grenzt doch an Wettbetrug.

Gladbach – Schalke 2:1 (2:1)
Ich sags einfach: von mir aus kann Keller gehen. Ich kann das nicht mitanschauen, wie diese Mannschaft unter ihrem Niveau spielt, auch wenn sie das gestern eigentlich gar nicht getan hat. Eigentlich ist sie nur gegen eine Mannschaft angetreten, die nicht ganz so viele Spitzenspieler hat, aber dafür einen hyperautoritären Trainer, der weiß was er will und mittlerweile auch, wie er es bekommt. Natürlich war die schwachsinnige rote Karte und die beinahe so schwachsinnige Elfmeterentscheidung gegen ausgerechnet Höwedes (der im Vorfeld eh schon genervt von dem ewigen Bohei war) der Genickschuss, aber nach dem Pokaldebakel gegen Hoff hängt jetzt der karmische Haussegen endgültig schief. Für das kleine Endspiel in der CL empfehle selbst ich eine sofortige Verpflichtung von Schaaf, Tiger oder zur not irgendeinem Holländer.

Stuttgart – Hannover 4:2 (2:2)
Der eine Aussetzer von Ulreich war recht skurril, aber der brutale Siegeswille der Schwaben dafür beeindruckend. Bitte, bitte, liebe Vereinswechsler, jubelt doch wieder bei Toren gegen den Ex-Verein, vor allem wenn ihr Friedl Rausch heißt und sich beim alten Arbeitgeber eh weder die Spieler noch die Fans an euch erinnern.

Hamburg – Augsburg 0:1 (0:1)
Tut mir ernsthaft leid, was Van der Vaart und Partnerin passiert ist, und dass der HSV einfach nicht auf die Beine kommt, ist vielleicht auch diesem ewigen Theater um Sylvie Meis und Co geschuldet. Dennoch muss man Weinzierl und seinen Metzgermeistern (Das Pokalspiel vergess ich so schnell nicht) Tribut zollen, die wissen sehr genau, was sie da tun. Wehe wenn die sich irgendwann eine anständige Offensive leisten können.

Frankfurt – Hoffenheim 1:2 (0:0)
Langsam geb selbst ich die Hoffnung auf. Klar ist Hoffenheim eine gute (oder zumindest positiv verrückte) Mannschaft, aber gegen irgendjemand muss man ja auch mal gewinnen, Armin Veh.

Freiburg – Wolfsburg 0: 3 (0:2)
Vor ein paar Tagen tauchte bei 11freunde.de ein Artikel auf, der sich über Streichs momentanes Dasein als dauerbeleidigte Leberwurst (siehe auch Sky-Interview nach dem Spiel) mokierte. Das führte natürlich zu Aufgebrachtheit im Kommentarsystem, aber es ist schon was dran, dass es schnell zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung wird, wenn man sich als der ewig Benachteiligte positioniert. Zumal man in diesem Spiel offensichtlich vergessen hat, dass man gegen eine Spitzenmannschaft mit einem breiteren Kader als Bayern München spielt. Anders ist der schnarchige Anfang nicht zu erklären. Ich kann Wolfsburg eh nicht mehr hassen, seit Olic dort spielt und Tore schießt. In der zweiten Halbzeit hat sich Freiburg dann trotz der Schlusspointe von Schäfer gefangen und über weite Strecken (das ist im Grunde eine sehr poetische Fußballfloskel, wenn man mal genau liest) sogar die Hosen angehabt (das weniger). Sieht man es positiv, kann man sagen: Den Freiburgern ist der Relegationsplatz kaum mehr zu nehmen.

Nürnberg – Mainz 05 1:1 (1:0)
Das ist das ärgerlichste Ergebnis dieses Spieltags. Wie oft muss den der Club noch besser spielen, bis er mal ein Spiel gewinnt? Gerade gegen diese Duselbrüder aus Mainz wär dieser vermaledeite erste Dreier drin gewesen. Für mich hat es sich eh ausgetuchelt in Mainz. Das haut ja irgendwie hin, aber irgendwie tut sich im weiteren Plotverlauf auch nichts. Mich interessiert Tuchel bei einem anderen Verein oder ein anderer Trainer in Mainz. Aber so wird das natürlich nichts, denn der nächste Trainer der nach Jens Keller fliegt ist leider Smokey Robinson Verbeek, den ich schon ins Herz geschlossen habe.

Braunschweig – Hertha BSC
Advent, Advent, Ronny darf spielen. Berlin ist irgendwie das neue Hannover. Nicht besonders spektakuläre Spielweise, mittelmäßiger Kader aber gnadenlose Effizienz. Etwas schillernder wärs mit Ronny im Dauereinsatz (wie in der Aufstiegsaison), aber in der ersten Liga setzt Luhukay auf Disziplin und das ist ja nicht synonymisch mit Ronny. Mal sehen wie lange das Bankdrücken und die Rapporte beim Preetz (alles andere als eine Autoritätsfigur, oder?) noch zu solchen Höchstleistungen wie am Sonntag anstacheln und ab wann es kontraproduktiv wird. Ich bin pro Ronny. Also Pronny.

TIPPSPIEL
Gratuliere zum Tagessieg, Sven E.!

1. feinschmeckerle 197
2. Ohrtrompete 191
3. klendaa 190
4. megadrive_fcb 189
5. Thomas_Pfa 184

Die Tipptabelle für den aktuellen Spieltag
Die Tipptabelle in der Gesamtübersicht

brennerpass_tippspiel

5 comments / Add your comment below

  1. In der Kommunikationsdefensive war Armin Vehs Vorfeldrhethorik von Beginn an hervorragend aufgestellt. Aber es ist, wie du sagst, wenn man sich entschieden hat, einen Bundesligaverein zu trainieren, dann darf man sich nicht allzu sehr wundern, dass irgendwann (mindestens) ein Sieg erwartet wird. Und dann werden Biografie, Erfahrung, Coolness und Erklärungen vermutlich ganz schnell maximal zweitrangig. Ich halte es für einen großen Vertrauensvorschuss – dem ich mich auch anschließe – dass nach acht Spielen ohne Sieg aus keiner Ecke die Trainerdiskussion angestoßen wurde.

  2. mq: Ich bin wirklich ein großer Freund von Armin Veh. Er bringt in dieses Stratfordsche Theater um den Fußball eine Grundierung des ehrlichen Manns mit, stellenweise ist er sogar die alleinige (und durchaus komödiantische) Stimme der Vernunft in einem einzigen großen Satyrstück und dabei noch so meta, um selbst diese Rolle wieder zu hinterfragen. Nur bringt das alles nichts, wenn man keine Spiele mehr gewinnt. Klar, es gibt Verletzungssorgen, klar man hat keine 100-Millionen-Ersatzbank, aber die Transfers waren gut, die Schlüsselspieler sind nicht abgewandert und der Trainer hat die volle Unterstützung vom Heribert. Um’s auf Englisch zu sagen: All the pieces are in place – now it’s time to move. Sorry für den Pathos, aber ich will, dass sich da was tut.

  3. Da tippt man zum ersten Mal gegen den eigenen Verein, erhält als Belohnung den bisher höchsten Tagessieg der Saison im Tippspiel, aber der SV Werder wird mit der bisher höchsten Heimniederlage ihrer Bundesligageschichte abgeschlachtet. Bei diesen Preisen kann ich meine Seele beim Pfandleiher doch nie wieder auslösen.

  4. Sven E: Ich wollte das extra nicht ausplaudern, dass du gegen die Deinigen gewettet hast. Und richtig, damit ist die Seele futsch und der berufliche und sexuelle Erfolg garantiert. Nur Bremen hat nix davon.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.