Brennerpass WM-Studio 2014 (19)

Argentinien – Schweiz 1:0 n.V.
Belgien – USA 2:1 n.V.

Uf widerluege, Ottmar! Du warst nie mein Lieblingsübungsleiter und hast die Hälfte deiner Zeit beim FC Bayern gewirkt, als stündest du kurz vor einem Nervenzusammenbruch mit deiner demonstrativen Teilnahmslosigkeit, aber du warst garantiert ein arschguter Trainer und das war ein würdiger Abschied, nicht unähnlich dem signifikantesten Moment in deiner Karriere: Das Champions-League-Finale gegen Manchester. Und das Beste: während ich hier noch einen Kalauer mache, sagt St. Gottmar (wie ihn die Nati nennt, was nicht die Kurzform von Renate ist) genau dasselbe: der bittere Schluss seines letzten Spiels als Trainers in dieser Version der Galaxie war eine (g)ottverdammte Farce. Wir erinnern uns an folgenden Satz aus meiner Montags-Kolumne:

„Offenbar lautet die FIFA-Regel fürs Achtelfinale: die pomadigen Favoriten schlagen die engagierten Underdogs. Schon wieder ein Spaßteam raus, und ein Kalkulierer weiter.“

There you go again. Während der interessierte Laie vergeblich 90 Minuten auf Shaqiri vs. Messi wartet (der eine schießt das erste Mal nach 30 Minuten aufs Tor, der andere nach 60), entspinnt sich ein Drama vor meinem Auge, das tatsächlich 1999-Ausmaße annähme, wäre ich Schweizer. Argentinien spielt erneut die Variante von Ballbesitzfußball, die nur darauf ausgelegt ist, dass Messi irgendwann die Schnauze von dem Geschiebe voll hat, oder sich ein Konter so dermaßen auf dem Silbertablett präsentiert, dass man sich flach auf den Rasen legen müsste, um ihn nicht anzunehmen. Argentinien ist das Hannover der WM und die Schweiz längst das entschieden bessere Team, goddammit. Dass Dzemaili am Ende aus einer Distanz, die der zwischen meinem Auge und meiner rechten Hand entspricht (und ich bin nur 1,76), nur den Pfosten trifft, macht die Nacht nicht einfacher.

Nächstes Spiel, nächstes finale furiose. Man ist bei dieser K.O.-Runde ja wirklich gut beraten, wenn man sich alle ersten Hälften einfach komplett schenkt und vielleicht sogar erst ab der 80. Minute einschaltet. Vorher fallen eh keine Tore. Und eigentlich ist es auch wurscht, wie das Spiel vorher gelaufen ist, denn erst ab der 80. Minute fallen auch die Masken. Belgien zeigt – nach zugegeben 134 Chancen -, was für ein kaltherziger Killer es doch sein kann, wenn die Laufwege erstmal sitzen und De Bruyne das erste Mal seit seiner Zeit in Bremen seinen inneren Prinz Harry und damit die Sau rauslässt. Plötzlich spielt bei den USA auch nicht mehr nur der ehrfurchtsgebietend alles wegwuchtende Howard eine gewuchtige Rolle, sondern die Klinsmänner leveln sich auf, als lösten sie endlich die ganzen XP ein, die sie bei dieser WM bisher gesammelt haben. Schnell entwickelt sich eine der besten Verlängerungen, die ich je gesehen habe, bei der die Last-Exit-Experimental-Joker Lukako auf der einen und Julian Green auf der anderen Seite echte Zuckertreffer erzielen. Oh leck, vor allem der von Green war gut. Der kommt ja von den Bayern Amateuren, die noch nicht einmal den Aufstieg in die dritte Liga geschafft haben (Relegation gegen Fortuna Köln, ja, ja). Mindestens viertschönstes Tor bei dieser WM. Am Ende verlieren Jermaine „Die Harder“ Jones und seine Revolverhelden zurecht aber immerhin im Geiste blutverschmiert, wie man das im Land der Freien und Tapferen sehen will. Ich werde vermissen, dass ein Kommentator schreit: „Und Susie zieht ab!“, aber das sagte ich schon, oder?

In other news: Scolari hat jetzt auch öffentlich zugegeben, dass seine Mannschaft eine räudige Bande von frisurenverliebten, larmoyanten und autoerotischen Weicheiern ist. Zumindest so in der Art. „Weniger Herz und mehr Fußball!“, hat er das formuliert. Ex-Weltmeister Carlos Alberto ist da schon deutlicher geworden: „Es reicht mit dem Geheule“, hat er beinahe wörtlich so gesagt.

3 comments / Add your comment below

  1. Ich habe ja die Vermutung, dass Belgien bis ins Halbfinale kommen wird. Das gestrige Spiel der Belgier hat mir beim Zusehen Spaß gemacht. Und ich möchte einfach noch eine jeremieseske Blutgrätsche von van Buyten sehen. 300-Style. Schöner und unendteckter Moment, als de Bruyne einen hohen Ball mit seinen nach vorne gestreckten Genitalien annimmt und weiterläuft, als wären sie wie sein Herz aus Stahl. Ein großer Moment.

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