Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (18)

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SPIELTAG 18: GOOD MOURNING, VfL!

Wolfsburg – FC Bayern 4:1 (2:0)
Willkommen in der Rückrunde, FC Bayern, gut geschlafen? So ganz verwundert mich dieser Fehlstart nicht. Bei allen Bescheidenheitsbekundungen der Herren Müller und Co schwang da doch immer eine gewisse Süffisanz mit, Subtext: Ja, ja, sprich mit der Hand. Dabei hätte man sich denken können, dass es für Wolfsburg mehr als nur um die Bestätigung von Platz 2 geht. Es war die letzte Chance, sich den Hauch einer Chance auf die Meisterschaft zu sichern, es war ein trotziges Tribut für Malanda (sehr geschmackvoll, die kurze Trauerfeier) und zudem ein weltweites Schaufenster für Wolfsburgspieler mit Hoffnungen auf lebenswerte europäische Städte als Arbeitsplatz. Bayern hat nicht nur unkoordiniert und inkonsequent, sondern auch respektlos gespielt. So halbarschig in das Spitzenspiel zu gehen, das man ganz sicher nicht im Vorfeld als solches wahrgenommen hat, schreit geradezu nach der Hochmut/Fall-Kombi. Alaba wusste da vorne ohne Ribery gar nichts mit sich anzufangen, Müller auf links war ein unnötiges Experiment, Schweinsteiger spielte schlichtweg zu oft riskanten Unsinn und Alonso war von der Larifahrigkeit seiner Kollegen rettungslos überfordert. Wenn dann auch noch in Form von De Bruyne und Bas Dost Weltklasse und massive Schlitzohrigkeit gegen einen arbeiten, kann es schon mal genauso viel Tore wie in der gesamten Hinrunde regnen. Nur der Duracell-Außen Bernat wusste was mit Torchancen anzufangen, selbst wenn sie gar keine waren. Traurig macht mich, wie schlecht meine Lieblinge Robben und Rode aussahen. In der Zeitung hieß es zudem, bei Mitchell Weiser hätte es endlich klick gemacht. Nach dem Spiel würde ich eher sagen, Mitch hat den Schuss nicht gehört. Gilt aber auch für Boateng und Dante, denn die haben den Wolfsburgern Räume eröffnet, die es eigentlich nicht geben dürfte. Peps persönliche Nachtmahr bleibt der Konterfußball, diese ehrlos opportunistische Prekariatsvariante von Angriffsfußball. Aber Ehre, wem Ehre gebührt: Wolfsburg spritzig und besonnen zugleich, auch ohne Olic und (noch) ohne einen völlig überteuerten Schürrle, den ich ähnlich wie Mourinho eher als Ergänzungsspieler sehe. Besonders gut, aber auch besonders prollig und deshalb zurecht von Alonso aus dem Bild geschubst: Kevin Arnold. Dieter Hecking, der unglamuröseste Trainer der Welt, ist wahrscheinlich genau der Richtige für das oberpreisige Wolfsburger Ensemble, außerdem hat er den Bayern auch mit Nürnberg jedes Mal eine Szene gemacht, das habe ich nicht vergessen. Für Bayern gilt: Mund abputzen, Kaufvertrag für De Bruyne aufsetzen und weitermachen. Vielleicht war es auch nur die karmische Rache für die Handshake-Politik mit den Menschenrechts-Spezis aus Katar.

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Leverkusen – Dortmund 0:0 (0:0)
Ganz schön holzhackiges Spiel, bei dem mir der BVB besser als Leverkusen gefiel, obwohl die das Spiel bestimmt haben. Dortmund hat demütig, aber hartnäckig gespielt, wie sich das für einen tabellarischen Underdog gehört. Kevin Kampl, der übrigens in der Leverkusener Jugend gelernt hat, hat jetzt schon das offensive Mittelfeld belebt, mehr als Sahin, Bender oder Kehl das in letzter Zeit geschafft haben und auch Hummels scheint wieder mit dem richtigen Fuß aufzustehen oder todsichere Chancen zu verhindern. Bei Leverkusen hat mir Drmic mit seiner Dringlichkeit imponiert und natürlich Leno, der dieses moderne Torwartspiel außerhalb des Sechzehners, von dem man so viel hört, auf seine ganz eigene Art interpretiert hat.

Schalke – Hannover 1:0 (1:0)
Klassisches Schalke-Spiel: Mann schießt ein flupschiges Tor und baut dann stringent den Rest des Spiels ab, bis am Ende aus einer hoffnungsvollen Dominanz ein bleicher Zittersieg wird. Selbst ein selbsternannter Taktik- und Defensivgrübler wie Di Matteo hat dieser Mannschaft bisher nicht mehr Formation andichten können als der auch von mir manchmal zu Unrecht geschmähte Jens Keller. Dass letztlich die Null stand, ist sicher nicht dem fahlen Reiter Kirchhoff zu verdanken, der damit leben muss, dass Schalke nicht die eigentlich vereinbarten 6 Millionen an Bayern zahlen will, so als Vertrauensbeweis am Rande. In der zweiten Halbzeit waren immerhin die Herren Boateng und Huntelaar noch sehr diensteifrig, ersterer weil er irgendwann auch wieder von Anfangan spielen will, letzterer weil wir ihn nach seiner beherzten Schere in die Fersen von Schmiedebach ein paar Spiele lang überhaupt nicht mehr sehen werden. Ach so ja, der Gegner hieß Hannover 96, aber das spielt eigentlich keine Rolle.

Hamburg – Köln 0:2 (0:0)
Ich finde, es wird langsam Zeit für einen Trainerwechsel beim HSV. Mein voller Ernst. Das Spiel hat doch plausibel demonstriert, dass man weder erlesene Profi(l)kicker, noch wöchentliche Paradigmenwechsel und Motivationsreden, noch Ivica Olic braucht, um in der Bundesliga zu überleben. Eine uneitle Mannschaftsleistung und ein Wiener Trainer mit einem dem Vereinsmaskottchen nachempfundenen Kinnbart ist völlig ausreichend. Pass nur auf, Liga, wenn Carlos Eduardo auch noch kommt, wird aus der auswärtsstärksten Mannschaft der Liga vielleicht bald noch mehr als nur ein Angstgegner. Und wenn diese Woche übrigens wegen Schürrle wieder von den „Bruchweg-Boys“ die Rede ist, darf man nicht vergessen, dass auch Risse in der Band war. Hamburg erinnert sich jetzt.

Augsburg – Hoffenheim 2:1 (2:1)
Interessant, dass der verletzte Mölders im Sky-Halbzeit-Interview die Leistung von Höjbjerg total heruntergespielt hat, obwohl der jetzt schon einen sehr positiven Einfluss auf die Augsburger hat. Wahrscheinlich will man Peps ehemaligem Zögling (zumindest wenn man dem Buch von Martí Perarnau über Guardiolas erstes Jahr beim FCB glaubt) noch ein bisschen die Flügel stutzen, bevor er endgültig und vermutlich zurecht abhebt. Ansonsten amüsante Schneeballschlacht. Ist Stefan Reuter eigentlich der alleinige Rekordhalter in Platzverweisen für Manager? Ist schon der zweite meiner Rechnung nach.

Mainz – Paderborn 5:0 (1:0)
De Blasis und Malli spielen groß auf und quasi auf Augenhöhe so hoch zu verlieren kann einer Mannschaft wie Paderborn das Kreuz fü die Rückrunde schon mal leicht anbrechen.

Freiburg – Frankfurt 4:1 (0:1)
Kaum käsen sie ihn bei Werder raus, scoret sich Petersen bei Freiburg um den Verstand. Und das obwohl die Eintracht nach 46 Sekunden mit dem 0:1 den Eindruck vermittelt, keine Gefangen machen zu wollen. Wunderbares Zuspiel von Frantz auf Petersen beim 3:1. Für Frankfurt ein besonders mieser Rückrundenauftakt bei mitterweile 38 Gegentoren und Wolfsburg als nächstem Gegner. Für Freiburg ein schönes Wochenende zusammen mit dem Verlassen der Abstiegsränge und dem positiven Bürgerentscheid für ein neues Stadion.

Stuttgart – Gladbach 0:1 (0:0)
Klar, Stuttgart hatte Chancen, aber zumindest in der Konferenz hat es so gewirkt, als warte Gladbach nur erzgeduldig auf diese eine Kontermöglichkeit in der 70. Minute. Stuttgart auch mit Dutt auf der Bank und einem im Vorfeld gespenstisch entspannten Huub Stevens weiterhin glückloser als das neue FDP-Logo.

Bremen – Hertha 2:0 (1:0)
Was ganz Neues von Bremen: Beharrlichkeit. Di Santo lässt es zweimal krachen und die Hertha könnte mal wieder ihrem Ruf als notorische Rückrundenabsacker gerecht werden. Gutes Spiel vom Neuen Vestergaard.

TIPPSPIEL
Gratuliere zum Tagessieg, Sven E., Feinschmeckerle, Juri und Mouchi (sorry, hatte die Hälfte vergessen)!

1. feinschmeckerle 218
2. Thomas_Pfa 213
3. Heisenberg208
3. Klaus 208
5. wuzzel1981 203

Die Tipptabelle für den aktuellen Spieltag
Die Tipptabelle in der Gesamtübersicht

>> BRENNERPASS TIPPSPIEL 2014/2015: HIER ENTLANG!

6 comments / Add your comment below

  1. So hat also der FCB sein erstes Spiel verloren. Man könnte an dieser Stelle verschiedene Theorien anbringen:
    1. Das Spiel wurde vom BuLi-Pressebüro so festgelegt, damit die Besiegbarkeit des FCB unwiderlegbar bewiesen ist. Der dabei verringerte Abstand zum Zweiten der Tabelle ist lediglich ein netter Mitnahmeeffekt in der Angelegenheit. Damit können bei der nächsten anstehenden Verhandlung der Übertragungsrechte der BuLi in den Medien erneut höhere Erlöse erzielt werden. Denn wer schaut schon bei einer Sache zu, deren Ausgang schon feststeht?
    2. Seitdem Uli Hoeneß als Freigänger seine verloren gegangene Substanz (u. a. in Form von Körperfett) an der Säbener Straße nun wieder regelmäßig zur Schau stellt, hat sich die Spielweise der Mannschaft ebenso reduziert.
    3. Der Mutterkonzern VW hat der 1. Ingolstädter Filiale einen „Tormaulkorb“ verschrieben.

    Ist natürlich alles Quatsch! Wolfsburg hatte an diesem Tag einfach besser gespielt; die Summe aller spielerischen Momente hat diesmal zu Gunsten der Wölfe ausgeschlagen. Wenn eine Mannschaft richtig gut spielt, dann ist halt die Wahrscheinlichkeit sehr groß, daß der Gegner Bayern München heißt. Diese Erkenntnis haben sich Peps Jungs zur Jahresbeginn schmerzhaft vor Augen führen lassen müssen.

    @burnster: deinem Aufruf zur Erhöhung der Zugriffszahlen bin ich auch ohne die Androhung eines Bussis nachgekommen. Allerdings habe ich dabei posttraumatische Erinnerungen ausgelöst durch die Tapete bekommen.

  2. stt: Das tut mir natürlich leid mit der Tapete. Dennoch danke für die a) Erhöhung der Klickzahlen b) Ratifizierung dieses staatstragenden Ereignisses namens „Bayern-Niederlage“.

    …Die übrigens auch dafür gut ist, zu belegen, wie unlustig die Fußballkommentatoren Berliner Zeitungen beim Unken sind.

  3. Als bedingungsloser Bayernoptimist hat diese Niederlage für mich denselben Stellenwert wie das Rückspiel gegen Arsenal im Achtelfinale vor zwei Jahren: Eine saubere Watsch’n, früh genug um den Roten die eigene Sterblichkeit vor Augen zu führen. So was braucht es scheinbar. Letztes Jahr hat das gefehlt, bevor Madrid kam.

    Solltest Du die EP rausbringen, bevor Du nach München kommst, kaufe ich Dir eine ab. Wäre dann die einzige AudioCD in meinem Haushalt. Just sayin…

  4. MC: Mercinger! Hab mir grade dein letztes Vegas-Video angeschaut, was für ein Ausblick vom Hotel.

    Kaal: Ich glaub auch, das war eine Pflichtwatschn, wie man bei uns (daheim) sagt. CD tät ich dir auch sofort verkaufen, gäbe es eine. Bis zu den Lesungen habe ich aber zumindest den Eigenvertrieb im Griff.

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