Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (20)

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SPIELTAG 20: DIE GÖTTER MÜSSEN VERRECKT SEIN

Stuttgart – FC Bayern 0:2 (0:1)
Es ist nicht Alonsos Schuld, dass im Mittelfeld der Schlendrian eingekehrt ist. Das ist der Nachlass von Schweinsteigers Reintegration in die Mannschaft. Zu wenig Offensivspiel für seine vorgelagerte Rolle und zu wenig Verantwortung fürs Gesamtsystem, das deswegen mit Xabi steht und fällt – und das abwechselnd im Minutentakt. Eigentlich wollte ich auch schreiben, dass Alaba ein Schatten seiner selbst ist nach der Verletzung und den braven Supersoldat Bernat da vorne hängen lässt. Doch erstens hat Alaba ein Freitstoßtor für die Götter (in seinen fommen Augen natürlich ein Frevel, die polytheistische Phrase) geschossen und zweitens kann Bernat eigentlich Alabas Rolle mitinterpretieren, so viel wie der läuft. Ernsthaft, Bernat hätte locker den Sieg bei Marathon in Athen verkündet, allerdings nicht wie das Original vor Erschöpfung im Sterben liegend, sondern mit Strohhalm isotonischen Retsina schlürfend. Ansonsten muss man leider konstatieren, dass Bayern in der ersten Halbzeit noch schlechter als in den beiden Spielen zuvor gespielt hat. „Lewi allein zu Haus“ heißt es in der Offensive und auch Götze scheint mehr Spaß am Einfädeln als am Ausspielen zu haben. Letztlich gewinnen Robben und Neuer eigentlich im Alleingang, freilich unter Assistenz von Thomas Müller, der nicht nur bei Alabas Götterboten-Freistoß Laufwege eingeschlägt, die selbst einen Aristoteles vor einen unlösbaren Dreisatz gestellt hätten. Dennoch: Die Götter bleiben sterblich. Ekliges anbei: wie unsere hochnäsige Sportpresse jeden noch so kleinen Makel beim rhetorisch praktisch wehrlosen Ausländer Pep nimmt, ihn seziert oder sich drüber beömmelt wie Drittklässler. Shame on you.

Bremen – Leverkusen 2:1 (2:1)
Heiliger Lattenrost, Batman! Im Duell der Freistoßgötter bezwingt der mächtige Junuzovic den Çalhanoğlu den Triefigen. Aber auch das andere Bremer Tor war One-Touch-Football wie aus der Playstation. Selke ist ein Ballkosmiker, wie man ihn seit den himmlischen Tagen der Diegos und Özils nicht mehr gesehen hat.

Freiburg – Dortmund 0:3 (0:1)
Na gut, irgendwann müssen sie ja wieder gewinnen. Okayes Spiel von Gelb, auch wenn ich es anmaßend von Freiburg fand, hier ganz salopp auf Angriff zu setzen. Dortmund konnte nichts besseres passieren, als gegen Augsburg seinen Nimbus zu verlieren, denn jetzt spielen die Gegner vielleicht wieder so, als wäre gegen den BVB was zu holen und das öffnet Klopps Büchse der Umschalt-Pandora.

Schalke – Gladbach 1:0 (1:0)
Das Di Matteo-Märtyrium geht weiter. Für Euch Schalker Fans da draußen ist so ein Sieg natürlich praktisch schon die sichere Anmeldung zur Champions League und es sei euch von Herzen gegönnt, aber für mich gestalten sich Schalke-Spiele neuerdings zäher als meine Elterngeldanmeldung. Der vierte Torhüter Wellenreuther hat noch die beste Figur gemacht. Die schlechteste Raffael beim 1:0 des Gegners. Gladbach hat taktisch gesehen gegen seinen eigenen Golem gespielt, sowas zermürbt natürlich.

Wolfsburg – Hoffenheim 3:0 (2:0)
Okay, das war ein super Richtfest für Schürrle auf Wolfsburg, aber man darf auch nicht außer Acht lassen, dass sich Hoffenheim praktisch selbst geschlagen hat, als man das erste Tor in gravierender Überzahl im 16er einfach so passieren ließ. Dazu kommen zwei nicht gegegebene Elfer und der Käs‘ war gegessen. Vollands never-say-die-Attitüde hat mir aber gut gefallen.

HSV – Hannover 2:1 (1:0)
Jetzt hat dann auch endlich Diaz gespielt, aber wie schon letzte Woche gesagt: den Unterschied machen nie die Neuzugänge. In diesem Fall noch nicht einmal der HSV selbst. Marcelo (H96) verzippelt einen Elfer, macht ein Eigentor und geht dann nach Hause und zählt das Geld vom Investor Kühne. Nein, ich albere, das war natürlich kein gekauftes Spiel, nur ein abgeschenktes. Supercool aber das Zitat von Korkut, das ich dazu auf bundesliga.de gefunden habe: „Aus dem Nichts haben wir zwei abgefälschte Gegentore bekommen. Diesen Fußball wollen wir auch in Zukunft spielen.“

Köln – Paderborn 0:0 (0:0)
Das Ergebnis lässt ein langweiliges Spiel vermuten, war es aber gar nicht. Es war ein wenig krampfig und ineffizient, aber einer Rangelei gegen den Abstieg absolut entsprechend und somit voll vertretbar. Oder wie Breitenreiter es so trefflich auf die Frage, wie ihm seine Mannschaft spielerisch gefallen hat, zusammenfasst: „Spielerisch interessiert mich überhaupt nicht.“

Mainz 05 – Hertha BSC 0:2 (0:2)
Eigentlich wollte ich ja hier bis zum Saisonende nichts mehr über die Hertha schreiben – aus Protest gegen den Geck Preetz. Aber zum einen gefällt mir der neue Vielvölker-Trainer des Hauses Ungarn-Berlin dann doch ganz gut (hat Humor, spricht super Deutsch, hat leider erzdubioses Staatsoberhaupt), zum anderen ist der berühmte Sieg nach Trainerwechsel hier hauptsächlich der Doofheit der Mainzer zuzuschreiben und ich will nicht, dass hier gleich der Eindruck einer Trendwende bei der Hertha entsteht.

Augsburg – Frankfurt 2:2 (2:1)
Bestes Paroli von Frankfurt und oberflächlich gesehen auch sträflich vernesselte Führung der Augsburger, aber deren Lauf ist damit nicht aufgehalten, behaupte ich mal. Ich mag es wie der Club jedes Spiel mit dieser „Dringlichkeit besteht immer“-Einstellung handhabt wird. FCA, feste Größe.

TIPPSPIEL
Tagessieg für Silvestah, rinjehaun!

1. feinschmeckerle 237
2. Thomas_Pfa 230
3. Klaus 227
4. Heisenberg 224
5. ChrisKurbjuhn 223

Die Tipptabelle für den aktuellen Spieltag
Die Tipptabelle in der Gesamtübersicht

>> BRENNERPASS TIPPSPIEL 2014/2015: HIER ENTLANG!

2 comments / Add your comment below

  1. Da vereinzelte Bayer-Fans angefressen die Schiedsrichterleistung Sippels monieren, möchte ich kurz anmerken, dass man auch durch die grün-weiße Brille klar erkannte, dass der Referee nicht seinen besten Tag hatte. Es war bei keinem ruppigen Zweikampf wirklich klar, wer jetzt wohl den Freistoß erhält und weder Härte noch taktisches Einschreiten schienen ausschlaggebend für die Vergabe von Gelben Karten zu sein. Sowohl Bode und als auch Eichin haben ja in den Interviews auch direkt eingestanden, dass man beim Ellenbogenabpraller Topraks nicht Handspiel pfeifen muss. Ähnlich wie der Platzverweis Karius‘ sorgen diese Ermessensentscheidungen immer wieder für Groll. Es ist natürlich besonders bitter, dass in der insgesamt robusten Begegnung gerade zwei Spieler geahndet wurden, die es eigentlich nicht verdient hatten, jetzt aber fürs nächste Spiel gesperrt sind. Ein unverdienter Sieg Bremens war es trotzdem nicht.

    Angesichts des Remis der Eintracht gegen Augsburg möchte ich noch ein Zitat des traumhaften Bobadilla vom 17. Spieltag verewigen: „Jeder für alles und alles für jeden.“ (Natürlich ist auch Raul, genau wie Pep, kein Muttersprachler. Man verzeihe mir bitte.)

  2. Sven E:

    Schönes Zitat. Aber wir sind ja hier nicht bei der SZ sondern beim BP, wir sind quasi obliged to witzel. Außerdem steht Bobadilla nach dem Zitat ja gut da.

    Zum Spiel: Ich hab das Spiel ja nur in der Zusammenfassung gesehen und hatte schon auch den Eindruck, dass da kein roter Faden in den Schiedsrichterentscheidungen ist – siehe auch Schmidts befremdlicher Platzverweis. Zudem habe ich generell das Gefühl, dass die Schiris grade mehr nach augenblicklicher Emotion pfeifen als nach Sachlage. Knut Kircher, den alten Drohturm, mal ausgenommen.

    That being said, die Schiris haben Levko nicht verlieren lassen, das haben sie schon selber getan, bei allem Respekt für die guten Bremer.

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